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Tipps zum Anlegen eines Selbstversorgergartens.

Garten : Ernte aus dem eigenen Garten

TV-Garten im April: Der Selbstversorgergarten ist die Antwort auf Fast-Food und eingeschränkte Gemüsesortimente. Aber wie viel Quadratmeter braucht man dafür, und wie zeitintensiv ist der Spaß?

Früher war die Selbstversorgung aus dem Garten ein Muss. Heute ist es ein Luxus. Immer mehr Menschen entdecken nicht nur ihren grünen Daumen, sondern auch die Möglichkeit, bewusster zu leben. Dazu gehört das gute Gefühl, kein Obst und Gemüse kaufen zu müssen, von dem man nicht weiß wie es gezogen worden ist. Wer sich selbst aus dem Garten versorgt, lebt gesund, erntet frisch und genießt die Freiheit sein ganz persönliches Sortiment zusammenzustellen.

Magdalena Kühn hat ein Buch dazu geschrieben. Die Bäuerin Leni beackert zusammen mit ihrem Mann und den drei Kindern einen Bio-Bauernhof mit 18 Milchkühen im Voralpenland. Sie weiß, was es heißt, sich selbst und die Familie zu versorgen.

Auf die Frage, wie viel Fläche es dazu braucht, antwortet sie: „Wer sich mit Gemüse selbstversorgen will, braucht etwa 40 Quadratmeter für jede zu verpflegende Person.“ Dazu muss man die Flächen für Wege rechnen. Kommen großflächiger angebaute Kulturen wie Erdbeeren oder Kartoffeln hinzu, liegt der Bedarf höher. Sind Lagergemüse und Obst gewünscht, steigt der Flächenverbrauch noch einmal. Überzeugte Selbstversorger bewirtschaften oft Gärten von 2000 bis 3000 Quadratmetern.

Die Größe hängt natürlich nicht nur von den individuellen Essgewohnheiten und Vorlieben ab, sondern auch, wie viel Zeit man investieren will. Wie hoch der Betreuungsschlüssel beim Gemüseanbau sei, habe sie noch nie genau ausgerechnet, meint Bäuerin Leni. Sie schaue täglich nach dem Garten. Als Anhaltspunkt für Pflanz-, Pflege und Erntearbeiten rechnet man mindestens eine Stunde pro Tag in der Vegetationsperiode. In der Hochsaison kann es mit Gießen, Hacken, Aufbinden und Ausgeizen schon mal bis Einbruch der Dunkelheit gehen.

Da fragt sich mancher Hobbygärtner, ob ein Selbstversorgergarten überhaupt in Frage kommt. Doch Versorgen kann sich jeder aus dem eigenen Garten mit Gemüse und Obst – und wenn es nur für ein paar Wochen im Jahr ist. Tomaten sind das beste Beispiel einer Kultur, die immer beliebter wird und sich auf kleinstem Raum im Kübel bewerkstelligen lässt. Zum Naschen reichen schon ein paar Cocktailtomaten über den ganzen Sommer.

Für Gärtnern auf kleinstem Raum sind sogar spezielle Snackgemüse gezüchtet worden. Sogar Kürbisse gibt’s im Babyformat. Ja selbst wer im Balkonkasten Hängeerdbeeren zieht, ist in der Erdbeersaison Selbstversorger. Denn Selbstversorgergarten muss nicht zwangsläufig heißen, dass man sich ausschließlich von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten ernährt. Oft macht es schon einen Unterschied, ob man die Mahlzeit mit ein paar Zutaten aus dem eigenen Garten aufwerten kann.

Die einfachste Art, das Essen zu verfeinern, gelingt mit Kräutern. Sie brauchen wenig Platz, sind unkompliziert im Anbau und entfalten ihre Heilkräuterwirkung bereits zwischen Gemüse. Salate wachsen schnell und liefern frisch geerntet den vollen Mix ihrer Vitalstoffe. Feinschmecker schwören auf Delikatessgemüse wie Sugar Snaps, eine Kreuzung aus Garten- und Zuckererbsen.

Andere haben Spaß, exotische Entdeckungen wie Inka-Gurke oder das rankende Kraut der Unsterblichkeit Jiaogulan auszuprobieren.Selbstversorgung zielt dann darauf ab, sich mit Lebensmitteln zu versorgen, die im Handel kaum zu finden sind. Baut man alte Gemüse und Lokalsorten an, sichert man zudem ein Stück Kulturerbe. Aber selbst, wenn man Allerweltsgemüse heranzieht, hat der Selbstversorgergarten seinen Reiz.

Was man anbaut, bleibt im wahren Sinn des Wortes Geschmackssache. Wer Vorratshaltung betreiben will, wählt Frucht- und Wurzelgemüse, das sich gut verarbeiten lässt und Kohl zur Sauerkrautherstellung.

Welchen Ertrag man erzielt und wie intensiv eine Anbaufläche genutzt wird, hängt von den Anbaumethoden ab. Bewährt haben sich Mischkultur und Fruchtfolge. Bei der Mischkultur kombiniert man Pflanzen, die sich „grün“ sind. Denn Pflanzenarten können sich gegenseitig fördern wie Möhren und Radieschen oder im Wachstum hemmen wie Zwiebeln neben Bohnen. Die Mischkultur eignet sich besonders gut auf Hochbeeten und kleineren Flächen. In der Mischkultur stehen Schwachzehrer neben Starkzehrern. Der Fruchtwechsel dagegen unterscheidet nach dem Nährstoffbedarf der Pflanzen und teilt die Anbaufläche in drei Bereiche. Nach jeder Saison wandert das Gemüse in der nächsten Anbauperiode einen Bereich weiter. Der Bereich der Schwachzehrer wird nach der Herbsternte kräftig nachgedüngt und ist damit wieder bereit für die Starkzehrer. Wer rechtzeitig nachpflanze, steigere den Ertrag, gibt Bäuerin Leni noch als Tipp mit.