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Tipps zum Gärtnern mit Kohlpflanzen und zur Verwertung von Weißkohl.

Garten : Erntedank im Gemüsegarten

TV-Garten im Oktober: Im Oktober lichten sich die Reihen im Nutzgarten. Welches Gemüse noch länger stehen bleiben kann, und warum die Kappesschab jetzt aus dem Keller geholt wird, hat der TV in der Vulkaneifel erkundet.

Wie gemalt stehen Weißkohl, Wirsing, Rot- und Rosenkohl in dem meterlangen Beet. Nur der Brokkoli wollte in diesem Jahr nicht so recht. „Das lag vielleicht an der Hitze“, meint Gartenbesitzer Martin Wirtz. Vor 15 Jahren hat er den Hausgarten in Hillesheim um die Fläche hinter dem Glashaus, in dem ein Großteil der Gemüsepflanzen herangezogen wird, erweitert. Der „Ackergarten“ wie er ihn nennt, ist der ideale Platz für eine Vier-Felder-Wirtschaft, wie man sie aus der alten Landwirtschaft kennt.

Die Aufteilung ergibt sich aus dem Anbau: „Kohl soll frühestens nach vier Jahren wieder an derselben Stelle wachsen“, erklärt der Vulkan­eifler, der aus einer Landwirtschaft stammt. Wo gerade die letzten Kartoffeln geerntet worden sind, steht im nächsten Jahr das Kohlgemüse. „Kartoffeln sind tolle Bodenverbesserer“, verrät er. Das Kartoffelfeld rotiert dann eine Fläche weiter, wo in dieser Saison Gurken, Hokkaido-Kürbis und die ersten Wassermelonen gereift sind.

Auf der dritten Parzelle geht es quer durch den Küchengarten von den Stangenbohnen über die Salate und Tomaten bis zu den Möhren-Zwiebelreihen. Letztere haben sich als Kombination bei Martin Wirtz bewährt. Der starke Zwiebelgeruch hält den Möhren die Möhrenfliege vom Leib. Umgekehrt vertreiben Möhren die Zwiebelfliege. Schon Ende August sind die Zwiebeln geerntet worden.

Martin Wirtz flicht sie mit dem noch leicht grünen Laub zu Zöpfen: „Wenn sie aus dem Laub heraus trocknen, sind sie haltbarer.“ Nun hängen die dekorativen Zwiebelzöpfe unter dem Dach des Hühnerstalls. Beim Anblick der zufrieden vor sich hin gackernden Hühnerschar wird klar, warum hier alles so gut wächst: „Der Hühnermist läuft über den Kompost,“ bestätigt Martin Wirtz. Der Kompost landet im Frühjahr als Dünger auf den Beeten. Jetzt versteht man auch, warum sich hier niemand darüber ärgert, wenn der Salat schießt oder die Zucchinischwemme das schlechte Gewissen des Wegwerfens befördert. „Das bekommen alles die Hühner. Die freuen sich“, lacht der Kleintierhalter. Ihr Lieblingsgemüse ist übrigens Mangold. Und auch Familie Wirtz nutzt das Blattgemüse bis zum Frost. „Vom Geschmack und vom Nutzen finden wir Mangold besser als Spinat.“ Nimmt man nur die äußeren Blätter, wächst das Herz weiter und die Ernte kann immer weitergehen. Sobald Spinat voll da ist, müsse er auf einmal geerntet werden.

Eine Erntezeit bis in den Winter ermöglicht auch Endiviensalat. Martin Wirtz hat einen Trick zum Bleichen: „Bei mir stehen die Salatpflanzen eng zusammen. Dann stützen sie sich gegenseitig im Kopf.“ Das spart das Binden, damit sie innen schön gelb bleiben. Und was macht er gegen Schnecken? „Das erledigen unsere Laufenten“, erklärt er den biologischen Pflanzenschutz. So sind auch Raupen am Kohl kein Problem.

Mit reichlich Vitaminen und als wichtiger Lieferant sekundärer Pflanzenstoffe, die vor Schadstoffen schützen und Entgiftungsenzyme in der Zelle aktivieren, gehört Kohl zur wichtigsten Gemüsegruppe in der zweiten Jahreshälfte. Insbesondere Weißkohl rettete zu Sauerkraut vergoren bereits vor Jahrhunderten über die vitaminarme Winterzeit. Familie Wirtz erntet die Weißkraut-Köpfe, „wenn er anfängt zu reißen“, meist Ende Oktober und verarbeitet ihn zu Sauerkraut. Dann habe man auch die nötige Zeit für das zeitintensive Kappesschaben (siehe Extra).

Etwas länger hält Wirsing auf dem Beet aus. Rosenkohl wird erst so richtig gut, wenn er Frost bekommt. Um den Halt der hohen Kohltürme zu gewährleisten, häufelt Martin Wirtz unten bei, wenn er Unkraut hackt. Dann steht eine der kälteresistentesten Kohlarten bis zum Frühjahr und kann kontinuierlich beerntet werden.