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Trierer Virologe gibt Tipps zum Schutz vor Corona.

Gesundheitskolumne : Exkurs in die Corona-Welt

Corona (CoVid19) hat uns vieles gelehrt, vieles bleibt verborgen. Jede Maßnahme erschien am Anfang richtig. In der Öffentlichkeit grassierten aber schnell Falschaussagen und nicht belegbare Unterstellungen.

Die Bevölkerung hat dennoch hervorragend mitgemacht. Der Erfolg zeigt extrem wenige Infektionen, auch im Trierer Umfeld.

Immer Maske?

Pro: Das Tragen von Masken hilft deutlich, Infektionen zu vermeiden. Der Infizierte hustet in die Maske und verhindert Infektionen anderer. Bis auf Weiteres müssen wir also mit der Maske leben.

Kontra: Masken sind bei Feuchtigkeit zu mehr als 50 Prozent durchlässig.

Maske und Abstand bleiben aber wichtig. Massenveranstaltungen sind dennoch gefährlich.

Handschuhe: Sie schützen nur den Handschuh-Tragenden. Der Ungeübte trägt Handschuhe oft nicht richtig. Handschuhe abzulecken ist auch nicht gerade hygienisch. Die Desinfektion von Handschuhen ist wenig sinnvoll.

Desinfektion überall und zu jeder Zeit?

Pro: In Kliniken, Arztpraxen oder in der Altenhilfe, aber auch in potentiellen „hot spots“, oft fehlende Abstandssituation, in sozialen Brennpunkten, in Industriebetrieben, vor allem ohne Hygienekonzept, gelten gezielter Desinfektionsmittelgebrauch und Abstandsregeln.

Kontra: Eine Übertragung über Flächen ist extrem unwahrscheinlich. Wir desinfizieren massenhaft Flächen, auch solche, die wir nicht berühren, nicht nur im eigenen Haus. Wir schaden der Umwelt, ja, wir fördern gefährliche Erreger. Hygiene im eigenen Sanitärbereich ist wichtig, aber nicht vorrangig wegen Corona. Alkalischer Reiniger, korrektes Händewaschen ist bei Corona ausreichend. A propos, Schwimmbäder alle drei Stunden zu desinfizieren, ist keine sinnvolle Maßnahme. Gechlortes Wasser inaktiviert Corona schnell.

Testung für Jedermann?

Pro und Kontra: Bei vielen Neuinfektionen regional sinnvoll. Im Trierer  Umfeld mit wenigen Neu-Infizierten ist dies unsinnig. Die Testung ist notwendig bei sogenannten Ausbrüchen, also in „hot spots“. Vorsicht: In den ersten zwei Tagen kann der Test auch falsch und negativ sein. Unsere Tests in Trier sind aber hoch spezifisch. Antikörpernachweis: Erst nach 20 Tagen ist er sicher positiv. Manche Infizierte haben keine Antikörper. Dies gibt es bei vielen Infektionen. Schutz vor einer zweiten Infektion ist fraglich. Kommt eine Impfung, müssen Verweigerer nach einer Infektion womöglich mit Spätfolgen leben.

Abstand halten, Masken tragen und bei Verdacht testen lassen, dies ist unverändert die wichtigste Maßnahme. Vieles andere trägt auch zum Schutz bei, jedoch mit sehr fraglichem Erfolg.

Dr. med. Dipl.  Biol. Ernst Kühnen ist leitender Arzt der Abteilung Medizinische Mikrobiologie und Hygiene beim Labor Synlab MVZ Trier, darüber hinaus Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie sowie Krankenhaushygieniker.