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Trotz Krise mehr Ruhegeld

Mehr Rente zu beziehen, kann bedeuten, dass man steuerpflichtig wird. Ruheständler sollten also aufpassen. Foto: dpa
Mehr Rente zu beziehen, kann bedeuten, dass man steuerpflichtig wird. Ruheständler sollten also aufpassen. Foto: dpa
Mitten in der Wirtschaftskrise können die rund 20 Millionen Rentner zum 1. Juli mit dem höchsten Zuwachs ihrer gesetzlichen Altersbezüge seit sieben Jahren rechnen. Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, geht von einer Steigerung um etwa 2,5 Prozent aus. Bei einer Monatsrente von 1000 Euro wären das 25 Euro mehr. Die genauen Zahlen sollen im April feststehen, kündigte Rische am Freitag an. Von unserem Korrespondenten Stefan Vetter

Berlin. Eine Rentenerhöhung um mehr als zwei Prozent gab es zuletzt im Jahr 2002. Noch im Herbst 2008 hatten die Rentenversicherer sogar eine Steigerung um 2,75 Prozent in Aussicht gestellt. Der unerwartet starke Wirtschaftseinbruch im letzten Quartal des Vorjahres warf jedoch alle vorläufigen Berechnungen über den Haufen.

In diesem Jahr profitieren Rentner zum letzten Mal



"Einiges deutet auf ein Szenario hin, dass von einer Anpassung um rund 2,5 Prozent ausgeht", sagte Rische. Es werde aber noch bis Ostern dauern, um belastbare Zahlen zur Entwicklung der Löhne in 2008 zu haben. Die aktuelle Rentenhöhe bemisst sich grundsätzlich an der gesamtgesellschaftlichen Lohn- und Gehaltsentwicklung des jeweiligen Vorjahres.

Bei der Rentenanpassung für 2009 profitieren die Ruheständler zum zweiten und letzten Mal von einer Gesetzesänderung, die die Bundesregierung noch in wirtschaftlich guten Zeiten initiiert hatte. Durch die vorübergehende Aussetzung des sogenannten Riester-Faktors, der die geringeren Nettolöhne wegen der privaten Altervorsorge berücksichtigt, fallen die Altersbezüge höher aus als nach der ursprünglichen Rechtslage. So waren die Renten im Vorjahr um 1,1 Prozent gestiegen. Unter Einschluss des Riester-Faktors wäre es nur ein Plus von etwa 0,5 Prozent gewesen. In den Jahren 2004 bis 2006 hatten die Rentner drei Nullrunden in Folge hinnehmen müssen. 2007 waren ihre Bezüge nur um 0,54 Prozent gestiegen. Seit Jahresbeginn haben drei von vier Rentnern allerdings weniger Geld im Portemonnaie, weil sich der gesetzliche Krankenkassenbeitrag um durchschnittlich 0,6 auf einheitlich 15,5 Prozent erhöht hat. Im Gegensatz zu den Arbeitnehmern kommt ihnen die gleichzeitige Beitragssenkung in der Arbeitslosenversicherung nicht zugute. Parallel zur Rentenanpassung am 1. Juli wird jedoch auch die Anhebung des Krankenversicherungsbeitrages um 0,6 Prozentpunkte zurückgenommen, so dass es für die meisten Rentner zu einem doppelten Entlastungseffekt kommt. Die erneute Korrektur des Beitragssatzes hatte die Große Koalition im Rahmen des Konjunkturpakets II beschlossen.

Kritisch wird es, wenn die Krise länger dauert



Trotz des massiven Konjunktureinbruchs ist die Rentenkasse einstweilen gut gefüllt. Zum Ende des Vorjahres verbuchte sie nach Angaben der Rentenversicherungsträger ein Polster von knapp 16 Milliarden Euro. Das entspricht annähernd einer Monatsausgabe. Nach dem Gesetz soll die Rentenkasse eine Rücklage von 1,5 Monatsausgaben haben. Die weitere Finanzentwicklung hängt nach Einschätzung Risches von der Dauer der Wirtschaftsflaute ab. Falls die Prognose zutrifft, dass es im Sommer aufwärts geht, dürfte es für die Rentenkasse "nicht so dramatisch" werden. "Dramatischer würde es, wenn die Krise lange anhält, der Arbeitsmarkt einbricht und die Zahl der Arbeitslosengeld-II-Empfänger stark ansteigt". Für Bezieher von Arbeitslosengeld I bekommt die Rentenkasse monatlich 80 Prozent des vormaligen Beitrags von der Arbeitsagentur überwiesen. Bei einem Langzeitarbeitslosen sind es 40 Euro.