Ernährung Für wen sind „Ohne Gluten“-Produkte?

Immer mehr Lebensmittel werden als glutenfrei angeboten. Haben diese Produkte für jeden Vorteile? Sie sollen eigentlich  Kranken helfen, gelten inzwischen aber oft als Lifestyle-Produkte. Wer keine Probleme mit Gluten hat, kann auf die speziellen und meist teureren Produkte verzichten.

 Susanne  Umbach.   Foto: privat

Susanne Umbach. Foto: privat

Foto: Stefan F. Saemmer

Gluten ist eine Eiweißkomponente in vielen Getreiden, wie Weizen, Roggen oder Gerste. Bei etwa einem Prozent der Bevölkerung, die von der Autoimmunerkrankung Zöliakie betroffen sind, löst Gluten Beschwerden aus. Symptome dieser Erkrankung sind in der Regel chronische Bauchschmerzen, Durchfälle und Blähungen. Eine gesicherte Diagnose kann nur durch bestimmte Bluttests und eine Dünndarmbiopsie gestellt werden. Betroffene müssen ihr Leben lang eine streng glutenfreie Diät einhalten. Dafür ist unbedingt eine qualifizierte Ernährungsberatung nötig, die vom Arzt verschrieben werden kann. Die Kosten dafür übernimmt in der Regel die Krankenkasse.

Seit einiger Zeit wird diskutiert, ob es eine andere Form der Unverträglichkeit von Weizen gibt, die bei Menschen ohne Zöliakie zu gesundheitlichen Beschwerden führen soll. Diese reichen von Magen-Darm-Beschwerden über Müdigkeit, Kopfschmerzen bis hin zu Knochen- und Gelenkschmerzen. Zunächst wurde von einer Glutensensitivität gesprochen. Inzwischen wurde der Begriff Weizensensitivität eingeführt, da nach jüngsten Befunden nicht das Gluten, sondern andere Bestandteile des Weizens für die Reaktionen verantwortlich zu sein scheinen. Weizensensitivität ist derzeit noch unzureichend definiert; es gibt noch viele offene Fragen zu den Vorgängen im Körper, und es fehlen spezifische Untersuchungen um eine solche nachzuweisen.

Wer meint, auf Glutenhaltiges sensibel zu reagieren, sollte dies von einem Arzt abklären lassen. Ohne Grund auf glutenhaltige Lebensmittel zu verzichten, ist nicht zu empfehlen. Zum einen schränkt das den Speiseplan ein, zum anderen wird unnötig auf nährstoffreiche Lebensmittel, wie solche aus Vollkorn, verzichtet. Studien belegen immer wieder, dass ein hoher Vollkornkonsum beispielsweise der Entstehung von Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegenwirkt. Auch wenn die biologischen Mechanismen hinter dem positiven Effekt noch nicht abschließend geklärt sind, spricht doch vieles dafür bei „Vollkornigem“ kraftvoll zu zubeißen.

Susanne Umbach ist Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Weitere Kolumnen: volksfreund.de

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