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TV-Leser fragen Experten: Wie verhalte ich mich richtig

TV-Leser fragen Experten : „Wie kann ich mich vor dem Coronavirus schützen?“

Sorgen und Ängste, die Volksfreund-Leser konnten sich mit ihren Fragen zum Coronavirus an Experten aus Kliniken und Laboren wenden. Die Telefone standen zwei Stunden lang nicht still.

Ein Mediziner, zwei Hygieneberater sowie ein Mitarbeiter des Laborunternehmens Synlab standen TV-Lesern zwei Stunden lang persönlich Rede und Antwort zu Risiken und Schutz, dem richtigen Zeitpunkt, sich testen zu lassen, zu Hygiene und Abstandhalten. Die Experten waren nicht wie üblich zu Gast im TV-Verlagshaus, sie haben die Leserfragen in ihren Büros am Arbeitsplatz oder zu Hause beantwortet. Eine Auswahl der Fragen und Antworten:


Wann sollte ich mich testen lassen?

Dr. med. Diplom-Biologe Ernst Kühnen, Mikrobiologe, Virologe und Hygieniker vom Labor Synlab Medizinisches Versorgungszentrum Trier GmbH: Das Robert Koch-Institut hat am 25. März die Indikationen erweitert: Alle Menschen, die einen grippalen Infekt haben, sollen sich testen lassen.


Kann ich mit meiner 80-jährigen Mutter und meiner Tochter spazieren gehen?

Kühnen: Da spricht nichts dagegen. Aber halten Sie eineinhalb bis zwei Meter Abstand zu weiteren Personen.


Sollte ich draußen Mundschutz und im Haus Handschuhe tragen sowie Desinfektionsmittel benutzen?

Kühnen: Im Haus Handschuhe zu tragen, ist nicht zielführend. Es reicht aus, wenn Sie sich die Hände gründlich waschen. Durch das Händewaschen mit Seife werden Viren inaktiviert. Beim Tragen von Mundschutzmasken ist es wichtig, dass diese richtig sitzen. Das Dilemma ist, dass sie nach drei bis vier Stunden zunehmend durchlässig sind. Der beste Schutz ist, Abstand zu halten, in den Ellbogen zu husten und zu niesen sowie die Hände mit Seife zu waschen.


Ich bin herzkrank und gehöre damit zur Risikogruppe. Kann ich trotzdem ins Büro zur Arbeit gehen?

Kühnen: Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrem Kardiologen. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, arbeiten zu gehen, wenn in Ihrem Büro direkte Kontakte vermieden werden können.


Mein Geburtstag steht an und ich möchte gerne mit meiner Familie feiern.

Kühnen: Feiern Sie mit ihrer engsten Familie, in Ihrem Fall mit Ehemann, Kind und Enkelkind. Mit Einladungen an weiter entfernte Verwandte sollten sie sehr zurückhaltend sein und auf einen späteren Zeitpunkt verweisen.


Ich, 62, hatte vor zehn Tagen Kontakt mit jemanden, der positiv auf Corona getestet wurde. Ich selbst habe keine Symptome, habe mich aber entschlossen, 14 Tage isoliert zu leben. Verhalte ich mich richtig?

Peter Leonards, Abteilungsleiter für Klinikhygiene im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier: Wenn sie weiterhin symptomfrei sind, müssen Sie nichts weiter tun – außer darauf zu achten, dass Sie sich die Hände regelmäßig waschen.


Ich bin 68 Jahre alt, habe Asthma und COPD, eine chronische Lungenerkrankung. Bisher hatte ich keinen Kontakt zu am Coronavirus infizierten Menschen. Seit drei Wochen habe ich mich ins Haus zurückgezogen, Nachbarn kaufen für mich ein. Worauf sollte ich weiter achten?

Leonards: Darauf, dass Sie einen Abstand von eineinhalb Metern zu gesunden Menschen einhalten und keine Kontakte zu erkrankten Menschen mit grippalen Infekten haben. Waschen Sie das Gemüse gut, trinken Sie viel und sorgen sie für frische Luft.


Mein Sohn hatte Kontakt zu einem infizierten Patienten. Ich, 57, habe nach 14 Tagen Isolation keine Symptome. Ich habe Angst, dass die Krankheit vielleicht doch später ausbricht?

Leonards: Ihre Angst ist unbegründet, die Inkubationszeit beträgt 14 Tage.


Warum werden nicht alle Bundesbürger gescreent?

Leonards: Der Kosten-Nutzen-Aufwand steht in keinem Verhältnis und die Umsetzung ist unrealistisch.


Ich habe gehört, dass Schutzausrüstungen knapp sind und das Klinikpersonal sich vielleicht irgendwann nicht mehr schützen kann?

Leonards: Derzeit sind genügend Materialien vorhanden, es wird sparsam damit umgegangen, ohne Patienten- und Personalschutz zu vernachlässigen. Diebstähle von Desinfektionsmitteln und Mundschutzen gefährden das Leben der Patienten und Mitarbeiter.


Ich, 88, habe einen Herzschrittmacher und Anzeichen einer Erkältung, aber es besteht kein Corona-Verdacht. Darf die Reinigungskraft kommen?

Leonards: Ja, wenn sie einen Abstand von eineinhalb Metern zu Ihnen einhält und keinen direkten Kontakt zu Ihnen hat.


Mein Mann, 90, wird vom Pflegedienst betreut. Ich habe Angst, dass das Virus übertragen wird?

Leonards: Der Pflegedienst muss Schutzmaßnahmen wie die Desinfektion der Hände oder das Tragen eines Mundschutzes bei Erkältungszeichen einhalten.


Dürfen Hunde mit anderen Hunden spielen?

Leonards: Bisher gibt es keine Übertragungen von Haustieren auf Menschen. Wichtig ist, dass die Hundehalter das Versammlungsverbot sowie die Abstandsregelung einhalten.


Können sowohl Tenside in Flüssig­seifen wie auch echte Seife, zum Beispiel Kernseife, dem Virus etwas anhaben?

Leonards: Beide Seifenarten in Verbindung mit Wasser und 30 Sekunden langem Händewaschen sind sinnvoll und wirksam.


Wie kann ich mich vor einer Infektion mit dem neuen Coronavirus schützen?

Markus Dangel, Ärztlicher Leiter für Klinikhygiene im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier: Halten Sie die allgemeinen Hygieneregeln, die für Hände und Niesen gelten, ein. Waschen Sie sich regelmäßig die Hände und halten sie eineinhalb bis zwei Meter Abstand zu anderen Menschen.


Kann man sich durch loses Obst oder Gemüse mit dem neuen Coronavirus infizieren?
Dangel: Hier gilt das, was immer gilt: Obst und Gemüse sollte vor Zubereitung und Verzehr sorgfältig gewaschen werden.


Warum werde ich nicht zur Sicherheit auf Covid-19 getestet?
Dangel: Es gibt klare Indikationen für die Durchführung eines Corona-Tests. Diese müssen vorher mit einem Arzt abgeklärt werden, damit die Laborkapazitäten nicht durch unnötige Testanforderungen überlastet werden.


Darf ich, 28, nicht mehr zu meinen Großeltern ins Haus? Oder reicht es, wenn ich zwei Meter Abstand halte?

Dr. med. Michael Knoll, Leitender Oberarzt der Gastroenterologie/Infektiologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier: Wenn Sie vollständig gesund sind und keinen Kontakt mit möglicherweise Erkrankten gehabt haben, können Sie Ihre Großeltern aus wirklich wichtigen Gründen, etwa um die Versorgung zu gewährleisten, kurz zu Hause aufsuchen. Wichtig ist, dass Sie dabei auf die Händehygiene achten und den Abstand von eineinhalb bis zwei Metern einhalten. Prinzipiell gilt, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb des eigenen Haushalts auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren.


Kann das neuartige Coronavirus über Lebensmittel und Gegenstände wie die Zeitung oder die Post übertragen werden?

Knoll: Der wichtigste Übertragungsweg ist eine sogenannte Tröpfchen-Infektion, bei der die Coronaviren von infizierten Menschen über Tröpfchen in die Luft abgegeben und anschließend eingeatmet werden. Auch können verschiedene Atemwegserreger über Schmierinfektionen übertragen werden: Erreger auf den Händen gelangen an die Schleimhäute der Nase oder Augen und es kann zur Infektion kommen. Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen wurde, dass sich Menschen auf anderem Weg, etwa beim Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln, also mit dem neuartigen Coronavirus behafteten Lebensmitteln, infizieren. Das gleiche gilt für den Kontakt zu kontaminierten Gegenständen. Auch für andere Coronaviren sind keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt. Allerdings sind Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, denkbar. Da Coronaviren in der Umwelt nur wenig stabil sind, ist dies nur während eines kurzen Zeitraums nach der Kontamination wahrscheinlich. Trotzdem sollten die allgemeinen alltäglichen Regeln der Hygieneregeln einhalten: Hände waschen, Regeln die beim Umgang mit Lebensmitteln gelten. Durch das Erhitzen von Lebensmitteln, kann das Infektionsrisiko zusätzlich verringert werden, denn Viren sind hitzeempfindlich.


Wer ist besonders gefährdet, dass die Erkrankung schwer verläuft?

Knoll: Ältere Personen ab etwa 50 bis 60 Jahren, Raucher, Personen mit bestimmten Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge und mit chronischen Lebererkrankungen. Patienten mit Diabetes mellitus, Krebspatienten und Menschen, deren Immunabwehr aufgrund einer Erkrankung oder durch Einnahme von Medikamenten wie Cortison geschwächt ist.