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Unsere Kolumnistin gibt Tipps zu Misteln und Adventsschmuck.

Kolumne Mein schöner Garten : Vom Nutzen der Mistelzweige

Soll sich langsam Weihnachtsstimmung einstellen, greift man zu einem Halbschmarotzer. Klingt nicht sehr festlich? Ist aber so: Die beliebten Mistelzweige für die Adventsdekoration betreiben durch ihre immergrünen Blätter zwar eigenständig Photosynthese.

Wasser und Nährstoffe entziehen sie jedoch dem Wirtsbaum auf dem sie leben. Besonders häufig sieht man die heimische Mistel (Viscum album) auf Obstgehölzen.

„Dunnerlüttchen“ möchte man beim Anblick vernachlässigter Streuobstwiesen ausrufen. Da können die Donnerbesen, wie Misteln volkstümlich auch heißen, einen winterkahlen Birnbaum ergrünen lassen. In den letzten Jahren haben sie sich massenhaft vermehrt. Ich habe es beobachtet: Für Amsel und Drossel sind meine adventlich unter der Pergola aufgehängten Mistelzweige ein willkommenes Beerenbüffet.

Nachteil: Verschnabulieren die Vögel die Frischkost auf dem nächsten Baum, tragen sie durch das Ausscheiden der verspeisten Beeren zu deren Verbreitung bei. Ein minimaler Mistelbesatz ist nicht schlimm und kann durch regelmäßiges Ausschneiden und Ausbrechen reguliert werden. Nimmt der Mistelbefall allerdings überhand, hat das negative Folgen.

Bei der Initiative „Rettet die Streuobstwiesen“, in der sich Südeifel und Nordeifel zusammengeschlossen haben, kennt man die Problematik: Einerseits seien Misteln ein Teil der biologischen Vielfalt und deren Früchte Nahrung für verschiedene Tiere, heißt es auf der Internetseite. Andererseits lässt ein zu starker Befall die Bäume absterben.

Bis vor cirka 60 Jahren war das Entfernen der Misteln und damit die Pflege der Obstbäume sogar per Verordnung vorgeschrieben. Unter Naturschutz jedenfalls steht der Adventszauber nicht, entgegen einer landläufigen Meinung. Natürlich darf man sich seine Misteln nicht einfach irgendwo schneiden. Nur weil die Mistel ein Halbschmarotzer ist, kann man nicht selber zum Schmarotzer werden.

Zum Glück werden die Winterwunder auf Weihnachtsmärkten angeboten. Dann braucht es nicht mehr als eine rote Schleife um den Mistelbusch gewickelt, um adventliches Flair zu verbreiten.

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