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Viele Tiere leiden im Sommer unter Hitze und Trockenheit. Was wir für sie tun können.

Tiere : Igel in Not!

Tierfreunde im Volksfreund: Unter der bisherigen Hitzewelle und Trockenperiode leiden auch die Igel. Experten des Nabu geben Tipps, wie Volksfreund-Leser dem Igel helfen können.

Igel sind im Garten gern gesehen und extrem nützlich. Sie vertilgen neben Insekten, Spinnen und Regenwürmern auch gerne Schädlinge wie Schnecken und Raupen.

Die nachtaktiven Stacheltiere leben, außerhalb der von Juni bis August andauernden Fortpflanzungszeit, als Einzelgänger. Im Herbst suchen sie sich Winterquartiere, in denen sie bis März schlafen. Vorher ist es lebenswichtig, genug Nahrung zu finden, um während des Winterschlafs von ihren Fettreserven zehren zu können.

Unsere Igel haben es jedoch nicht leicht und stehen deshalb unter besonderem Schutz. Ihre Lebenserwartung ist inzwischen stark verkürzt. Statt bis zu sieben Jahren erreichen sie meist nur ein durchschnittliches Alter von etwa zwei Jahren. Durch die intensive Landwirtschaft und den Verlust strukturreicher Landschaften fehlt oft passender Lebensraum und Nahrung. „Aufgrund der schlechten Situation im Umland sind Igel gezwungen, sich in den Siedlungsraum zurückzuziehen, wo viele Gefahren wie Straßen lauern“, sagt Leonie Trauzettel, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) beim Nabu Region Trier absolviert. Und in diesem Sommer setzten Hitze und Trockenheit den Tieren zusätzlich zu. Sie haben vor allem Durst.

Wer Igeln helfen möchte, bekommt vom Nabu folgende Tipps:

Soforthilfe bei Hitze und Trockenheit! Es hilft, den Igeln abends eine flache, kippsichere Schale wie ein Untersetzer mit frischem Leitungswasser gegen den Durst aufzustellen. Ein Stein in der Mitte bietet Standfestigkeit. Das Gefäß sollte täglich neu befüllt und gereinigt werden, da die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern sehr groß ist.

Nachts kann eine Schale mit Katzen-Feuchtfutter helfen, wenn Schnecken und Regenwürmer aufgrund der Trockenheit ausbleiben (und nur dann!). Das Futter muss direkt am nächsten Morgen entfernt werden, weil es über Tag verdirbt und den Tieren dann schadet.

Tisch decken! Vor allem heimische Pflanzen locken Insekten an, die dem Igel als Nahrungsgrundlage dienen. Besonders nachtblühende Pflanzen sind wertvoll, da sie zur Jagdzeit des Igels, nämlich nachts, Falter und anderen Insekten anlocken. Durch das Anlegen einer Blumenwiese mit regionalem Saatgut oder dem Bau einer Trockenmauer lässt sich das Nahrungsangebot für die kleinen Gartenbesucher erheblich steigern.

Verstecke schaffen! Reisig, Laub und anderes bei der Gartenarbeit anfallendes Grüngut bieten, als Haufen aufgeschichtet, gerade zum Winter hin einen perfekten Lebensraum. Hier ist der Igel während des Winterschlafs vor Kälte und Nässe geschützt. Wer diese Möglichkeit im Garten nicht hat, kann alternativ ein Igelhaus kaufen oder selber bauen.

Vorsicht mit Geräten! Bei der Arbeit mit Mähern, Mistgabeln und Rechen ist Achtsamkeit gefragt, denn tagsüber können schlafende Igel in ihrem Versteck durch Gartengeräte verletzt werden. Auch Mähroboter können schwere Verletzungen zufügen, da sich Igel bei drohender Gefahr einrollen. Durch Laubsauger werden nicht nur Kleinstlebewesen, sondern auch Jungigel aufgesaugt. Beim Abbrennen von Laub- und Holzhaufen oder bei Brauchtumsfeuern hilft es, das gesammelte Material vorher vorsichtig umzusetzen, um keine Igel zu gefährden.

Giftstoffe, nein danke! Spritzmittel gegen Insekten, Pilze und Unkräuter schaden nicht nur der gesamten Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch uns Menschen. Vor allem wirkt es sich auf die Insektenvielfalt und damit auf alle Insektenfresser aus, zu denen auch der Igel zählt. Am besten sollte ganz auf Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel verzichtet werden.

Wege frei! Um Igeln den Weg durch Gärten zu erleichtern, helfen durchgängig gestaltete Zäune und Gartentore. In bodennahen Netzen können sich Igel leicht verfangen. Kellerschächte, Gruben, ebenerdige oder steile Wasserbecken und andere „Fallen“ sollten abgedeckt und täglich kontrolliert werden oder Ausstiegsmöglichkeiten bieten.

Autofahrer aufgepasst! „Einer halben bis einer Million Igeln kostet das Queren von Straßen jährlich ihr Leben“, bedauert Leonie Trauzettel die aktuelle Lage. Je nach Verkehrssituation sollte daher nachts und in der Dämmerung mit Fernlicht und bremsbereit gefahren werden, um den Tieren ausweichen zu können.

ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht vom 21. August 2020: Die Schlafdecke oder das Körbchen des Welpen sollte in der ersten Nacht im neuen Heim in Bettnähe stehen, so kann der Halter den neuen Mitbewohner etwas kraulen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++ Foto: dpa-tmn/Franziska Gabbert

Weitere Infos, Broschüren und Igelhaus-Bauanleitungen gibt es bei der Nabu Regionalstelle RLP-West, Pfützenstr. 1, 54290 Trier, Telefon 0651-1708819, regionalstelle.west@nabu-rlp.de