Die Volksfreund-Gartenkolumne Wildkräuter eröffnen neue Geschmackswelten

Wir tüftelten am Speiseplan für einen Familienurlaub mit alten Freunden. „Lass‘ doch mal wieder was mit Wildkräutern machen“, meinte die Kreativ-Köchin und erinnerte sich an längst vergangene Tage, als meine Tochter noch in den Waldkindergarten ging.

 Die einen rupfen den Giersch verärgert aus dem Beet, doch Wildkräuterfans ernten die zarten Spitzen vom Giersch für die Zubereitung in der Küche.

Die einen rupfen den Giersch verärgert aus dem Beet, doch Wildkräuterfans ernten die zarten Spitzen vom Giersch für die Zubereitung in der Küche.

Foto: dpa-tmn/Mascha Brichta

Das war die Zeit als wir den Zwergen in Matschhosen, die Blüten des Spitzwegerichs als Kaugummi verkauften und erwartungsvoll fragten: „Na, nach was schmeckt das?“ – woraufhin sie die ökologische Alternative in hohem Bogen ausspuckten und wahrheitsgemäß brüllten „pfui, nach Pilzen.“ Wildkräuter haben von Natur aus ein, sagen wir, unverfälschtes Aroma, das unserem heutigen Geschmack fast schon fremd ist. Herbe Töne und Bitterstoffe sind häufig dabei. Gerösteter Wegerichsamen mit Butter vermischt, dürfte für die wenigsten eine echte Alternative zur Erdnussbutter sein und auch die getrockneten Wurzel-Würfel des Löwenzahns in einer Pfanne unter Umrühren geröstet und später in der Kaffeemühle fein gemahlen, können keinen überzeugen, der Wiener Kaffeehauskultur zelebriert. Spannend ist es trotzdem, den Geschmack auf Entdeckungstour zu schicken. „Was haltet ihr von Brennnesseln oder Giersch?“, fragte die Freundin. In einer Folge der Landfrauenküche hatte sie gesehen, wie die Wildkräuterköchin ihre „Fleischpflanzerl“, alias Frikadellen oder Buletten in Brennnesselsamen gewälzt hatte. Bei „Kochs anders“ wurde kürzlich eine Wildkräuter Gremolata aus Giersch präsentiert. Soll das Blattwerk verwendet werden, schmeckt der frische Austrieb von Giersch und Brennnessel am besten und ist zu Beginn des Frühjahrs auch am Vitamin C-haltigsten. Bei beiden Arten sprießen neue Triebe, wenn man die hochgewachsenen Stängel bodennah kappt. Für eine Gierschlimo allerdings ist das blühende Kraut ideal, weil die Blüten noch mehr Geschmack geben. In unserer Wildkräuterküche entschieden wir uns schließlich für die Heilpflanze des Jahres Schwarzer Holunder und setzten eine Holunderblüten-Limo an. Dazu gab es eine Nascherei, bei der wir den erwachsen gewordenen Kindern stolz mit Schokolade bestrichene Gundermannblätter reichten. „Das schmeckt ja wie After-Eight“, war die überraschende Reaktion. Ihre Fantasie haben sie sich seit Kindertagen bewahrt.

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