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Vorräte anlegen: Was sollte ich für den Notfall im Haus haben?

Krieg & Cyberattacken : Vorbereitung auf Krisen – Diese Vorräte sollten Sie für den Notfall im Haus haben

Wer zu Hause Medikamente, Wasser und Nudeln für den Krisenfall hortet, wurde früher oft belächelt. Doch Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg haben Menschen weltweit in den Krisenmodus versetzt. Wir erklären, wie sie sinnvoll Vorräte anlegen sollten und wie Deutschland den Schutz der Bevölkerung verbessern will.

Warum Deutschland sich besser für den Katastrophenfall absichern muss

Politiker aus Bund und Ländern haben sich für einen deutlichen Ausbau des Zivilschutzes in Deutschland ausgesprochen. «Die Zeitenwende, die wir durch den Krieg erleben, erfordert, dass wir den Schutz auch vor militärischen Bedrohungen erheblich stärken müssen», sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) der «Welt am Sonntag». Sie kündigte im April mehr Geld für das Bundesamt für Bevölkerungshilfe und Katastrophenschutz (BBK) an. Es seien weitere Haushaltsmittel beantragt worden. Faeser sprach sich außerdem dafür aus, stärker Vorräte für Krisensituationen anzulegen. Dabei gehe es vor allem um medizinische Ausrüstung, Schutzkleidung, Masken oder Medikamente.

Auch für den privaten Bereich - also für alle Menschen im Land - gilt nun die Empfehlung: Vorräte anlegen. Dabei wird ein Vorrat ausreichend für 10 Tage empfohlen.

Im BBK-Ratgeber für Katastrophen wie Hochwasser, Stromausfall oder Sturm heißt es: «Ihr Ziel muss es sein, 10 Tage ohne Einkaufen überstehen zu können.» Pro Person sollten dafür unter anderem 20 Liter Wasser sowie vier Kilogramm Gemüse und Hülsenfrüchte im Haus sein. Kerzen, Streichhölzer, Batterien und eine Taschenlampe stehen ebenso auf der Checkliste wie Müllbeutel und Toilettenpapier.

Der Grundvorrat entspricht etwa 2200 kcal pro Tag und deckt im Regelfall den Gesamtenergiebedarf einer Person ab.

Vorräte anlegen: Checkliste der Lebensmittel für eine Person

  • Getränke, 2 Liter pro Tag und Person: 20 Liter
  • Getreide, Getreideprodukte, Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis: 3,5 kg
  • Gemüse, Hülsenfrüchte: 4,0 kg
  • Obst, Nüsse: 2,5 kg
  • Milch, Milchprodukte: 2,6 kg
  • Fisch, Fleisch, Eier, bzw. Volleipulver: 1,5 kg
  • Fette, Öle: 0,357 kg

 Hier geht es zur kompletten Checkliste beim BBK

Sonstiges nach Belieben, z. B. Zucker, Süßstoff, Honig, Marmelade, Schokolade, Jodsalz, Fertiggerichte, (z. B. Ravioli, getrocknete Tortellini, Fertigsuppen), Kartoffeltrockenprodukte, (z. B. Kartoffelbrei), Mehl, Instantbrühe, Kakaopulver, Hartkekse, Salzstangen

Was in den Notfallrucksack gehört

Man stelle sich nur folgende Szenarios vor: Es brennt. Sie müssen schnell Ihr Zuhause verlassen. Oder Sie werden evakuiert, weil Weltkriegsmunition gefunden oder ein Gasleck entdeckt wurde. Diese Beispiele listet das BBK auf seiner Internetseite auf. Fakt ist: Sie haben dann nicht mehr viel Zeit zu packen. Mit einem vorbereiteten Notgepäck kann alles Wichtige mit einem Griff mitgenommen werden.

Oberste Grundregel: Für jedes Familienmitglied nicht mehr mitnehmen, als in einen Rucksack passt. Ein Notfallrucksack ist praktischer als ein Koffer, da man beide Hände frei hat.

Was man laut BBK vorbereitend in den Notfallrucksack packen kann:

  • persönliche Medikamente
  • Erste-Hilfe-Material
  • batteriebetriebenes Radio, Reservebatterien
  • Dokumentenmappe
  • Verpflegung für 2 Tage in staubdichter Verpackung
  • Wasserflasche
  • Essgeschirr und -besteck
  • Taschenlampe, Reservebatterien
  • Schlafsack oder Decke
  • Kleidung für ein paar Tage
  • Kopfbedeckung
  • Handschuhe
  • Hygieneartikel (zum Beispiel Artikel für Monatshygiene, Windeln) für ein paar Tage
  • Schutzmaske, behelfsmäßiger Atemschutz
  • für Kinder: Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Namen, Geburtsdatum und Anschrift. SOS-Kapseln erhalten Sie in Kaufhäusern, Apotheken und Drogerien.

Wichtige Dinge nicht vergessen, die nicht vorbereitend gepackt werden können:

  • Personalausweis / Reisepass
  • Bargeld, Geldkarten
  • Gesundheitskarte der Krankenversicherung
  • Impfpass
  • Haustürschlüssel, ggf. Autoschlüssel
  • Handy / Smartphone / Ladegeräte falls vorhanden, damit Sie mit Angehörigen in Kontakt bleiben können

Hier geht es zum Ratgeber für Notfall-Vorsorge

Auch der Vorrat in der Hausapotheke ist in einer Notsituation wichtig. Da kann es hilfreich sein, einige Medikamente im Haus zu haben, um Verletzungen oder leichtere Erkrankungen behandeln zu können. Wichtig ist dabei auch die richtige Lagerung.

Wie Deutschland mit Schutzräumen bestückt ist

Der nach Ende des Kalten Krieges beschlossene Rückbau von Schutzräumen sei «jedenfalls gestoppt», sagte die Innenministerin. Momentan hat Deutschland dem Ministerium zufolge noch 599 öffentliche Schutzräume mit Platz für insgesamt knapp eine halbe Million Menschen. «Wir werden prüfen, ob es noch mehr solcher Anlagen gibt, die wir ertüchtigen könnten.»

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte den Bund im «Handelsblatt» dazu auf, den Zivilschutz nachhaltig zu stärken. Dafür seien «erhebliche Investitionen» notwendig. Herrmann nannte neben dem Ukraine-Krieg auch andere Bedrohungen, wie Unwetter oder Hackerangriffe auf kritische Infrastrukturen. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, sagte, der Zivilschutz sei massiv zurückgebaut worden und komme auch in den aktuellen Debatten zu kurz. «Jetzt ist es an der Zeit, diesen Fehler zu korrigieren und den Zivilschutz massiv und dauerhaft zu stärken.»

Wofür das Bundesamt für Bevölkerungshilfe und Katastrophenschutz zuständig ist

Der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte einst viel Spott geerntet, als er auf die Notwendigkeit hingewiesen habe, für den Notfall einen kleinen Vorrat an Wasser, Nahrungsmitteln, Verbandszeug und bestimmten anderen Gütern anzulegen. Das BBK verzeichne ein hohes Interesse an seinen Leitfäden für den Notfall, berichtete der Präsident der Bonner Behörde. Szenarien wie Stromausfall seien in vielen Krisenlagen denkbar. Dafür sollte man gewappnet sein - etwa mit einem batteriebetriebenen Radio, sagte Schuster.

Als der damalige Innenminister de Maizière 2016 ein Zivilschutzkonzept vorlegte, das auch Vorschläge für die private Vorsorge enthielt, war in der öffentlichen Debatte von «Panikmache» die Rede.

In Deutschland hat der Bund nur die Aufgabe, die Bevölkerung vor kriegsbedingten Gefahren zu schützen. Für den Schutz vor großen Unglücken und Katastrophen in Friedenszeiten sind dagegen die Länder zuständig. Ob dieses Prinzip in Zeiten von Bedrohungen durch Cyberangriffe noch zeitgemäß ist, stellen einige Politiker infrage. «Die getrennten Zuständigkeiten des Bundes für den Zivilschutz und der Länder für den Katastrophenschutz erschweren einen wirksamen Schutz der Bevölkerung», stellte bereits 2013 der Bundesrechnungshof fest.