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Wann ein Testament sinnvoll ist

Wann ein Testament sinnvoll ist

Was passiert mit meinem Vermögen, wenn ich sterbe? Wie bewahre ich meine Familie vor Streit um mein Erbe? Welche Vorsorgemaßnahmen getroffen werden können, um Erbangelegenheiten rechtzeitig zu regeln, erklärt Dr. Martin Eimer, Pressereferent der Notarkammer Koblenz (www.notarkammer-koblenz.de) anhand von Beispielsfällen in einer vierteiligen TV-Serie.

Trier. (red) Im ersten Teil beschäftigt sich der Experte Martin Eimer mit der Gesetzlichen Erbfolge:

Der 47-jährige Angestellte Michael erwirbt mit seiner Lebensgefährtin Lisa eine Eigentumswohnung. Das Paar hat eine Tochter, Theresa. Aus geschiedener Ehe hat Michael einen Sohn, Sascha. Zu diesem besteht kein Kontakt mehr. Michael hat das Thema "Testament" bisher verdrängt. Die Beurkundung des Kaufvertrages nutzt er jedoch, um den Notar zu fragen, welche erbrechtlichen Konsequenzen drohen, wenn er verstirbt?

Erbfolge richtet sich nach Ordnungen



Der Notar erklärt Michael, dass er nach der "gesetzlichen Erbfolge" beerbt wird, wenn er keine letztwillige Verfügung errichtet. Die gesetzliche Erbfolge richtet sich nach "Ordnungen": Erben der 1. Ordnung sind die Abkömmlinge des Erblassers. Sind solche nicht vorhanden, erben die Erben der 2. Ordnung, die Eltern oder Geschwister des Erblassers, usw. Daneben erbt der Ehegatte.

Verstirbt Michael ohne Testament, wird er von seinen Kindern Theresa und Sascha je zur Hälfte beerbt. Diese werden anstelle von Michael Miteigentümer der Eigentumswohnung. Das Gesetz nimmt keine Rücksicht darauf, wie gut oder schlecht das Verhältnis zum gesetzlichen Erben ist. Lisa, die Lebensgefährtin, erhält dagegen nichts. Michael erkennt die Gefahr: Sascha könnte - womöglich unter dem Einfluss der geschiedenen Mutter - gegen den Willen von Lisa und Theresa den Verkauf der Eigentumswohnung fordern.

Dies kann Michael vermeiden, indem er in einem Testament Lisa und/oder Theresa zu Erben einsetzt und Sascha enterbt. Sascha wird dadurch auf seinen "Pflichtteil" beschränkt: Er kann von den Erben einen Wertausgleich in Höhe von einem Viertel des Nachlasses fordern, er wird aber nicht Miteigentümer der Wohnung.

Handschriftlich birgt Risiken



Es gibt zwei Möglichkeiten, letztwillig zu verfügen: handschriftlich oder notariell. Ein handschriftliches Testament ist schnell verfasst, es birgt jedoch beachtliche Risiken. Selbst bei wirksamer Errichtung kann ein handschriftliches Testament missverständlich sein, zum Beispiel durch falsche Verwendung juristischer Fachbegriffe: Wer kennt schon die feinen Unterschiede zwischen "Vermachen" und "Vererben", zwischen "Schluss"- und "Nacherben".

Die sichere Alternative ist das notarielle Testament. Mit dem zur Verschwiegenheit verpflichteten Notar werden die persönliche Situation, der Wille des Testierenden und weitere Vorsorgemaßnahmen wie Vollmachten und Patientenverfügungen erörtert. Im Anschluss fertigt der Notar einen Entwurf, der in einem weiteren Termin beurkundet wird. Die dafür anfallenden gesetzlichen Gebühren richten sich nach dem Vermögen des jeweiligen Erblassers nach Abzug aller Verbindlichkeiten.

Nach der Beurkundung übergibt der Notar das Testament dem Nachlassgericht. Stirbt der Erblasser, wird das Testament den Erben eröffnet. Dank der notariellen Urkunde bleiben den Erben die Kosten und der teilweise monatelange Zeitaufwand des Erbscheinverfahrens erspart.