Wann es sinnvoll ist, das Hotel Mama zu verlassen

Wann es sinnvoll ist, das Hotel Mama zu verlassen

Ist es verpönt, wenn der Sohn mit über 50 noch zu Hause wohnt? Wann ist der richtige Zeitpunkt, um aus dem Elternhaus auszuziehen? Eine Psychologin und eine Sozialpädagogin haben TV-Lesern Tipps rund ums Thema "Nesthocker" gegeben. Hier eine Auswahl.

Immer wieder werde ich (77) darauf angesprochen, dass ich meinen Sohn (50) vor die Tür setzen soll. Aber wir kommen gut klar und unterstützen uns gegenseitig.Tanja Herz, Diplom-Sozialpädagogin der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Hermeskeil und Saarburg: Wichtig ist, was Ihre Familie empfindet. Lassen Sie die Leute reden! Es steht niemandem zu, dies zu werten. Die Frage ist, ob das Zusammenleben mehrerer Erwachsener ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist. Allerdings sollte gehandelt werden, sobald es einer Person im System beginnt, schlechtzugehen.Sind Nesthocker entwicklungsverzögert?Soi Papanastasiou, Psychologin der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Diakonie Trier: Nein, man kann nicht von einer Entwicklungsverzögerung sprechen. "Nesthocken" hat viele Ursachen, etwa die Nähe zur Arbeit. Allerdings tut es der Entwicklung gut, wenn Jugendliche nach einem bestimmten Lebensabschnitt ausziehen, falls es finanziell möglich ist.Die Freundin unseres Sohnes ist, ohne vorherige Absprache, bei uns eingezogen. Ich möchte das nicht, weiß aber auch nicht, wie ich das Thema ansprechen soll, ohne dass es zum Streit kommt.Soi Papanastasiou: Sprechen Sie mit Ihrem Sohn offen über Ihre Vorstellungen, was Sie möchten und was nicht. Stellen Sie gemeinsam Regeln für das Miteinander auf, auch die Freundin betreffend.Wann empfehlen Sie, dass Kinder ausziehen sollen?Tanja Herz: Pragmatisch betrachtet, wenn es die berufliche Situation erfordert, zur Ausbildung oder zum Studium. Und wenn Kind oder Eltern mehr persönlichen Freiraum brauchen - oder wieder brauchen. Der Auszug ist eine Chance, anderes zu erleben, sich neu zu entdecken und Partnerschaft eigenständig zu leben. Wer auszieht, übernimmt mehr Verantwortung fürs Leben. kat

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