Warentest: Kreditberatung bei vielen Filialbanken miserabel

Warentest: Kreditberatung bei vielen Filialbanken miserabel

Die Finanzkrise hat den Ruf vieler Banken ruiniert. Sie versprachen mehr Transparenz und Nähe zum Kunden. Zumindest bei der Kreditberatung sieht es noch düster aus, wie der Praxistest zeigt.

Viele Banken in Deutschland beraten ihre Kunden nach Einschätzung der Stiftung Warentest ausgesprochen schlecht. In einer Untersuchung von „Finanztest“ schnitten Filialbanken besonders negativ ab. Zehn von zwölf erhielten für ihre Kreditangebote das Urteil „mangelhaft“. Vier von fünf Internetbanken bekamen hingegen die Note „sehr gut“, wie die Verbraucherschützer am Dienstag (15. Mai) in Berlin mitteilten.

Keine der in der getesteten Filialbanken sei bei den Beratungsgesprächen den Anforderungen gerecht geworden. Zwei Institute wurden mit „ausreichend“ bewertet. Oft hätten die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen gefehlt, mit denen Kunden auf einen Blick Kreditangebote vergleichen können. In einigen Fällen verschlechterte sich sogar die Bonität der Kunden, weil die Bankberater bei den Anfragen bei der Auskunftei Schufa Fehler machten.

Die Direktbanken ohne Filialen erzielten laut „Finanztest“ so gute Resultate, weil ihre Kreditangebote standardisiert erstellt werden. Der Kunde bekommt nur dann eine Offerte, wenn er online die nötigen Fragen zur seiner Person und zu seinen Finanzen beantwortet.

Die wichtigsten Tipps bei der Suche nach Krediten im Überblick:

Informationen einholen: „Kreditinstitute müssen Verbraucher schon vor dem Abschluss eines Darlehensvertrages über die wesentlichen Bestandteile des Kredits informieren“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dadurch soll Verbrauchern der Vergleich verschiedener Angebote erleichtert werden. Welche Angaben Verbraucher erhalten müssen, sei gesetzlich geregelt.

Informiert werden müssen Kunden in der sogenannten „Europäischen Standardinformation für Verbraucherkredite“ unter anderem über die Art des Darlehens, den effektiven Jahreszins, den Nettodarlehensbetrag, die Vertragslaufzeit, die Zahl und Fälligkeit der einzelnen Raten sowie den Gesamtbetrag, also die Summe aus Nettodarlehensbetrag und Kosten für den Kredit.

Nicht abwimmeln lassen: Laut „Finanztest“ bekommen Kunden diese Informationen allerdings oft nicht zu sehen. Denn in vielen Fällen behielten die Banken die Papiere für sich. Doch auch wenn die Institute sich weigern - Verbraucher sollten verlangen, dass sie die EU-Standardinformation mit nach Hause nehmen können. „Sie haben einen Anspruch darauf“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Die Bank muss dem Kunden dieses Papier aushändigen.“ Denn ohne das ausgefüllte Musterformular ist ein Vergleich verschiedener Kreditangebote schwieriger.

Bonitätsprüfung überwachen: Bevor die Banken Kredite vergeben, wollen sie wissen, ob der Kunde auch kreditwürdig ist. „Kunden müssen daher ihre finanziellen Verhältnisse offenlegen“, erklärt Achim Tiffe vom iff. In der Regel gehört dazu auch eine Anfrage bei einer Wirtschaftsauskunftei wie der Schufa oder Creditreform. Doch laut Stiftung Warentest kommt es dabei häufig zu Fehlern - zum Nachteil der Kunden.

„Informieren sich Kunden über ein Kreditangebot, dürfen die Banken bei der Schufa-Anfrage das Merkmal Kreditkonditionen nehmen“, erklärt Tiffe. Da hierbei klar ist, dass der Kunde sich lediglich über die Konditionen informiert, hat diese Abfrage keine Auswirkungen auf seine Kreditwürdigkeit. „Wird aber stattdessen das Merkmal Kreditanfrage abgefragt, verschlechtert sich der Score.“ Denn dann erscheint es so, als habe der Kunde einen großen Finanzbedarf, was sich negativ auf die Kreditwürdigkeit auswirkt.

Daher sollten Kunden nachfragen, wie der Bankberater diese Kreditinformation bei der Schufa anmeldet. Im Zweifel könne es sich lohnen, nach dem Einholen der Kreditangebote bei der Schufa oder den anderen Auskunfteien Einsicht in seine Daten zu verlangen. „Das kann man einmal im Jahr kostenlos machen.“ Fehler bei den Daten müssen berichtigt werden.

Bei den zwölf Filialbanken führten 23 kreditwürdige Männer und Frauen jeweils fünf Gespräche. Sie zeigten Interesse an einem Kredit über 4000 Euro. Die Warentester prüften unter anderem, ob der Kunde ein individuelles Angebot erhielt. Wichtige Angaben wie der effektive Zinssatz, der Gesamtkreditbetrag und die Höhe der monatlichen Raten sollten enthalten sein. Jede Bank sei verpflichtet, dem Kunden das Formblatt - die Europäische Standardinformation für Verbraucherkredite - mit den exakten Kosten seines Kredites auszufüllen und auszuhändigen. Die Banken hätten dieses Instrument aber nicht genutzt und damit gegen das Gesetz verstoßen, beklagte die Stiftung Warentest.

Weil sie die Untersuchung zunächst auf überregionale und Berliner Kreditinstitute beschränkt hatten, überprüften die Tester das schlechte Ergebnis nochmals bei 14 regionalen Banken und Sparkassen. Auch dort wurde die EU-Standardinformation meist nicht verwendet.

Stiftung Warentest

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