Was tun mit dem vielen Herbstlaub? Gartenkolumne mit vielen Tipps und Tricks.

Gartenkolumne : Heute mal philosophisch

Wenn man an einem stürmischen Herbsttag drinnen sitzen muss, kann man schon mal nachdenklich werden.

Wie die Bäume schwanken! Ob sie dem Wind standhalten? Permanente Böen können ein Gehölz ja ganz schön klein halten. So formt ständiger Luftzug die einseitig geföhnten Weißdorne an der See, die knorrigen Bergkiefern auf windexponierten Gebirgskuppen oder die Krüppelbirken im Hohen Venn. Der gedrungene Wuchs ist eine Reaktion auf einen immer wiederkehrenden Reiz. Aus stämmigen Riesen werden untersetzte Zwerge. Eine großartige Leistung. Taktisch klug. In Sachen Anpassung könnte man sich glatt ein Beispiel an den grünen Geschöpfen nehmen. Wie oft bläst einem selbst Gegenwind ins Gesicht. Und wie reagiert man: Dreht um, räumt das Feld, verkriecht sich hinterm Ofenrohr. Die Strategie „der Klügere gibt nach“ kann aber auch anders aussehen. Denn was macht das Gehölz? Aktiviert bestimmte Abschnitte in seinem Erbgut und stellt den Bauplan um. Wächst einfach ein Stück weniger weit in den Himmel, und behauptet seinen Platz.

Oft sind bizarr gewachsene Formen sogar besonders reizvoll. Ich denke an eine über dreißigjährige Muschelzypresse in einem alten Sandsteintrog. Allerdings ist ihr begrenzender Faktor nicht der Wind. Ihr fehlt in dem Gefäß mehr Wurzelraum. In der Politik hieß das, glaube ich, mal „Beinfreiheit“. Eine interessante Methode die Gliedmaßen eines Gehölzes frei zu stellen, ist der Transparenz-Schnitt. Er kommt aus dem französischen Garten „Le Vasterival“ und wurde von seiner Besitzerin Prinzessin Greta Sturdza entwickelt. Im Prinzip geht es darum, Zweige so zu entfernen, dass Bäume und Sträucher eine luftigere Form zeigen. Durch den behutsamen Schnitt, bei der die natürliche Wuchsform erhalten bleibt, gibt man der tiefer stehenden Herbst- und Wintersonne eine Bühne. Gehölze werden vorteilhaft in Szene gesetzt. Für die meisten Laubgehölze ist der beste Schnittzeitpunkt noch bis Mitte November. Robuste, immergrüne Nadelgehölze kann man im Winter während frostfreier Perioden schneiden. Manchmal liefert ja sogar eine vom Sturm abgebrochene Astpartie die Intitialzündung für mehr Durchsicht.

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