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Was TV-Leser zum Impfen wissen wollen

Coronavirus : Viele Fragen rund ums Impfen

Soll ich mich mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen? Wann werde ich geimpft? Solche und ähnliche Fragen konnten die TV-Leser an Experten stellen. Bei der TV-Telefonaktion zum Thema „Corona und Impfen“ gab es „heiße Drähte“.

Das TV-Telefon stand nicht still: Vier Experten beantworteten zwei Stunden lang pausenlos Leserfragen. Die Verunsicherung rund um die Corona-Schutzimpfung scheint groß zu sein. Einige Leserinnen und Leser nutzten die Aktion, um Ihren Unmut und ihr Unverständnis über den fehlenden Impfstoff und nicht vergebene Impftermine zu äußern. Hier eine Auswahl an Fragen und Antworten:


Ich bin schon zweimal geimpft. Warum muss ich trotzdem einen Antigentest machen, wenn ich meine Frau im Altenheim besuche?

Dr. med. Harald Michels, Leiter des Gesundheitsamtes für die Stadt Trier und den Kreis Trier-Saarburg: Weil man noch nicht sicher weiß, ob man sich beim Kontakt mit einem Virusträger ansteckt und sich Viren im Nasen-Rachen-Raum vermehren können und man dann, obwohl man selbst nicht erkrankt, trotzdem andere anstecken kann. Es gibt erste ermutigende Studien aus Israel: Es wurde festgestellt, dass, wenn man sich vierzehn Tage nach der ersten Impfung mit einem mRNA-Impfstoff mit Covid-19 infiziert, im Vergleich zu Infektionen bei Ungeimpften, nur noch ein Viertel der Virusausscheidung im Nasen-Rachen-Raum zu finden war.
Im Tierversuch hat man in Studien mit Rhesusaffen nach der zweiten Impfung keine Virusausscheidung mehr feststellen können. Weil die Datenlage hierzu noch nicht abschließend beim Menschen bewertet werden kann, müssen nach der Impfung weiter die gleichen Hygienemaßnahmen wie vor Impfung ergriffen werden.


Ich bin mir unsicher, ob ich mich mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen soll. Die Wirksamkeit soll ja nicht so hoch sein.

Michels: Die Wirksamkeit des Impfstoffs, bei einem Impfschema mit längeren Zeitintervallen zwischen erster und zweiter Impfung, ist deutlich besser, als man vermutet. Bei einem längeren Impfschema im Abstand von neun bis zwölf Wochen, lag die Impfeffektivität doch bei um die 90 Prozent und er schützt zu hundert Prozent vor schweren Verläufen und Krankenhauseinweisungen.


Ich bin 65 Jahre alt und bin an Krebs erkrankt. Kann ich in die Gruppe derjenigen kommen, die als erste geimpft werden?

Dr. med. Thomas Becker, Internist und Betriebsarzt im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier: Nein, mit chronischen Erkrankungen können sie nicht in Gruppe eins kommen. 60- bis 70-Jährige können bei einigen wenigen Erkrankungen, wie Krebserkrankungen und schweren Lungenerkrankungen, in Gruppe zwei kommen.


Ich bin Allergiker, habe ich deswegen Einschränkungen bei der Impfung?

Becker: Probleme bestehen nur, wenn man gegen einen Inhaltsstoff der Impfung allergisch ist. Die bei dem Impfstoff von Biontech auch in der Presse kommunizierten allergischen Zwischenfälle lassen sich höchstwahrscheinlich vollständig auf Allergien gegen Polyethylenglycol (PEG) zurückführen.


Ich bin 67 Jahre alt und leide unter Asthma bronchiale und nehme ein Blutverdünnungsmittel, weil ich eine Lungenembolie hatte. Zu welcher Priorisierungsgruppe gehöre ich? Und kann ich, obwohl ich Blutverdünner nehme, geimpft werden?

Dr. med. Walter Gradel, niedergelassener Internist, Geriatrie und Palliativmedizin in Trier-Ehrang: Sie gehören sowohl aufgrund ihres Alters und Ihrer Erkrankungen zur Priosisierungsgruppe 3 (erhöhte Priorität). Die Blutverdünnung stellt keine Kontraindikation für die Impfung dar. Die Impfung muss aber auf jeden Fall in den Oberarmmuskel erfolgen und es sollte etwas länger auf die Injektionsstelle gedrückt werden.


Wie erfahre ich, wann ich mit der Impfung dran bin?

Gradel: Wie die Einladung erfolgen wird, ist im Moment noch nicht ganz klar. Es wird aber in jedem Fall rechtzeitig publik gemacht, vielleicht wird es sogar ein Einladungssystem geben.


Bei mir, 56, wurde eine Sarkoidose der Lunge festgestellt und ich muss Cortison nehmen. Zu welcher Priorisierungsgruppe gehöre ich und kann ich mich bedenkenlos mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen?

Gradel: Bei der Sarkoidose handelt es sich um eine sogenannte interstitielle Lungenerkrankung. Damit zählen Sie zur Priorisierungsgruppe zwei (hohe Priorität). Sie können sich auf jeden Fall mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen. Die Verträglichkeit scheint besser als bei anderen Impfstoffen zu sein und auch die Wirksamkeit liegt bei zumindest 70 Prozent, was deutlich über der Wirksamkeit zum Beispiel der Grippeimpfung liegt. Auch scheint der AstraZeneca-Impfstoff gut vor schweren Krankheitsverläufen bei einer möglichen Covid-19-Erkrankung zu schützen. Das ist viel besser, als nicht geimpft zu sein.


Bei welchen Kontraindikationen kann nicht gegen das Coronavirus geimpft werden?

Dr. med. Michael Knoll, Leitender Oberarzt für Gastroenterologie/Infektiologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier: Wenn Sie eine akute behandlungsbedürftige Erkrankung, insbesondere eine fieberhafte Infektionskrankheit, haben, schwanger sind oder in den letzten zwei Wochen eine andere Impfung erhalten hatten. Und wenn Sie jünger als 18 Jahre sind. Ausnahme: Mit dem Biontech-Impfstoff kann man ab 16 Jahren geimpft werden.


Muss ich etwas für die Corona-Schutzimpfung zahlen oder werden die Kosten übernommen?

Knoll: Die Krankenkasse zahlt die Impfung.