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Wenn ein Hautkratzer tödlich wird

Wenn ein Hautkratzer tödlich wird

Die meisten Kinder sind heutzutage ganz gut gegen Masern, Mumps oder Röteln geschützt. Doch bei vielen Erwachsenen hapert es mit dem Impfschutz. In einer Serie klärt der TV in dieser Woche täglich über Vor- und Nachteile des Impfens auf.

"Kinderlähmung ist grausam. Schluckimpfung ist süß." So wurde in den 1970er Jahren massiv für die Impfung gegen Polio (Kinderlähmung) geworben. Der Impfstoff wurde auf ein Stück Zucker gegeben, das die Kinder dann geschluckt haben. Ganz unumstritten war die Impfung allerdings nicht. Denn durch den Impfstoff, der Polio-Viren enthielt, konnten auch Erkrankungen ausgelöst werden. Mittlerweile wird der veränderte Impfstoff gespritzt. Zumeist wird er in einer Sechsfach-Impfung gegen Diphtherie, Haemophilus Influenzae, Hepatitis B, Keuchhusten, Kinderlähmung und Wundstarrkrampf (Tetanus) in einer einzigen Spritze gegeben.

Es ist in der Regel die erste Impfung, die ein Neugeborenes im dritten Lebensmonat im Rahmen der vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchung erhält. Durch die Kombi-Impfung erklärt sich auch, warum es gerade gegen diese Infektionserkrankungen eine recht hohe Impfrate gibt. So sind laut Zahlen des Trierer Gesundheitsamtes im Kreis Trier-Saarburg im Schnitt 95 Prozent der derzeitigen Erstklässler gegen die sechs Krankheiten, die teilweise tödlich verlaufen können, geimpft; in der Stadt Trier sind es immerhin gut 93 Prozent. Bei einer Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent ist die Gefahr gering, dass sich eine der Infektionskrankheiten ausbreiten kann. Volker Schneiders, Leiter des Dauner Gesundheitsamtes, spricht von einer sogenannten Herden-Immunität. Bei Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken besteht ein solch ausreichender Schutz in vielen Gebieten der Region nicht, obwohl bei den sogenannten U-Untersuchungen immer wieder der Impfstatus kontrolliert wird. Einige Eltern entscheiden sich gegen die Impfungen.

In Trier und im Landkreis Trier-Saarburg liegt die Impfrate bei den im vergangenen Jahr eingeschulten Kindern zum Teil bei 87 Prozent - bei Windpocken sogar nur bei 75 Prozent. Trotzdem hält Harald Michels, Leiter des Trierer Gesundheitsamtes, den Impfschutz bei Kindern für relativ gut. Die letzte Masernerkrankung wurde dem Gesundheitsamt 2008 gemeldet. Im Vulkaneifelkreis liegt die letzte Masernmeldung sogar schon sieben Jahre zurück.

Trotzdem könne keine Entwarnung gegeben werden. Weil immer mehr Menschen, ob privat oder beruflich, weit reisten, bestehe die Gefahr, dass sie sich bei mangelndem Impfschutz dort mit gefährlichen Infektionskrankheiten ansteckten - wie etwa Diphtherie. Die durch ein Bakterium übertragene Krankheit greift vor allem den Rachenraum an. Falls Diphtherie nicht rechtzeitig behandelt wird, kann es durch verengte Atemwege zum Ersticken kommen. Vor allem in Russland, Indonesien, Indien oder auf den Philippinen ist die Krankheit noch verbreitet. Wie Polio (Kinderlähmung) wird Diphtherie über Tröpfchen etwa durch Husten oder Niesen übertragen.Polio noch nicht ausgerottet


Auch Polio ist weltweit nicht ausgerottet. Sie kommt vor allem in Nigeria, Pakistan und Afghanistan häufig vor. In einigen Ländern wurde das Virus auch in Abwässern oder Badegewässern nachgewiesen. Oft treten bei Erkrankten Rückenschmerzen oder Muskellähmungen auf. Das Besondere an Polio ist, dass selbst Jahrzehnte nach der Erkrankung die Lähmungen noch zunehmen können und Muskelschwund auftreten kann. Vor allem Erwachsene seien nicht ausreichend gegen Polio und Diphtherie geschützt, sagen Michels und Schneider übereinstimmend.

Auch gegen Tetanus bestehe bei vielen Erwachsenen kein ausreichender Schutz. Schon geringe Verletzungen etwa durch Holzsplitter, rostige Nägel oder Dornen können zum Wundstarrkrampf führen. Ausgelöst wird er durch ein Bakterium, das weltweit vor allem im Erdreich vorkommt. Wenn es in den Körper eingedrungen ist, produziert das Bakterium ein Gift, das bis zum Gehirn dringen kann. Es kann zu äußerst starken Muskelkrämpfen kommen. Bis zu 20 Prozent der Erkrankten sterben trotz Behandlung.

Der TV wird in dieser Woche in einer täglichen Serie die Vor- und Nachteile des Impfens beleuchten.
Extra

Die Impfung gegen die ansteckende Lungenentzündung (Pneumokokken-Impfung) wird für alle Menschen über 60 Jahre empfohlen sowie für alle Personen mit chronischen Erkrankungen wie etwa Blutzucker- oder Herz-Kreislauferkrankungen. Im Erwachsenenalter wird gegen Pneumokokken in der Regel nur einmal geimpft (früher wurde diese Impfung alle fünf bis sechs Jahre aufgefrischt). Die Grippe-Impfung sollten alle Personen bekommen, die auch die Pneumokokken-Impfung erhalten. Zusätzlich sollte die Grippe-Impfung aber auch bei allen besonders gefährdeten Personen erfolgen. Die Grippe-Impfung muss jedes Jahr aufgefrischt werden. Die Impfungen schützen nicht nur den Geimpften, sondern der Geimpfte verbreitet die Krankheit auch nicht weiter. Deshalb ist eine möglichst hohe Durchimpfungsrate wichtig. Manche Krankenkassen übernehmen daher die Kosten für die Grippe-Impfung auch für Mitglieder, die zu keinem der oben genannten Personenkreise gehören. Die im Ärztenetzwerk Medi Trier zuammengeschlossenen Mediziner haben eine Impf-Woche initiiert. Sie kontrollieren die Impfpässe der Patienten, beraten über sinnvolle Impfungen und notwendige Impfauffrischungen.Extra

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für folgende Impfungen für Kinder bis 17 Jahre: Diphtherie, Haemophilus Influenza (eine vor allem für Babys gefährliche Infektionskrankheit), Hepatitis B (eine durch Viren verursachte Leberentzündung), Masern, Meningokokken (bakterielle Hirnhautentzündung), Röteln, Mumps, Keuchhusten, Pneumokokken (bakterielle Lungenentzündung), Kinderlähmung, Tetanus (Wundstarrkrampf) und Windpocken. Für Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren wird auch die Impfung gegen das Humane Papillomavirus (HPV) bezahlt. Es kann Gebärmutterhalskrebs verursachen. Für Erwachsene werden die Kosten für die jährliche Grippeschutzimpfung und gegen bakterielle Lungenentzündung übernommen. wie