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Wenn gesunde Nahrung krank macht

Wenn gesunde Nahrung krank macht

Obst, Nüsse, Gemüse sind gesund. Aber nicht für alle. Denn sie können auch krank machen. Viele Allergiker reagieren auf Nahrungsmittel. Bis zu sieben Prozent der Bevölkerung vertragen bestimmte Lebensmittel nicht.

Wer Freunde zum Essen einlädt, sollte sich vorher genau erkundigen, wer was isst. Dass der eine oder andere Vegetarier ist, das weiß man vielleicht. Aber immer mehr Menschen vertragen einige Nahrungsmittel nicht. Sie reagieren allergisch darauf. Etwa auf Eier. Oder auf Milch. Auch Weizenmehl kann bei einigen Allergien auslösen.
30 Prozent der Erwachsenen gehen davon aus, dass sie bestimmte Lebensmittel nicht vertragen. Ihr Körper rebelliert gegen die "gesunden" Lebensmittel. Sie bekommen Blähungen, Durchfall, Hautausschlag, Asthma oder Kreislaufversagen, wenn sie etwa einen Apfel oder Nüsse essen. "Beschwerden nach dem Verzehr von Lebensmitteln werden immer noch unterschätzt, nicht oder falsch diagnostiziert und nicht ausreichend therapiert", sagt Sonja Lämmel, Ernährungsexpertin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Der Anteil der behandlungsbedürftigen Nahrungsmittel-Allergiker werde auf fünf bis sieben Prozent geschätzt. "Jedes Nahrungsmittel kann ein möglicher Allergieauslöser sein", sagt Lämmel.

Hauptauslöser bei Säuglingen seien Kuhmilch, Soja und Hühnerei. Bei Kindern kommen laut DAAB Nüsse, Fisch und Weizen hinzu. Jugendliche und Erwachsene reagierten häufiger auf rohe Gemüse- und Obstsorten, Gewürze und Nüsse. Häufig würden die Reaktionen darauf in Kombination mit einer gleichzeitig vorliegenden Pollenallergie auftreten. Dann liege eine Kreuzallergie vor. 60 Prozent aller Heuschnupfenpatienten reagieren laut den Experten auch auf bestimmte Lebensmittel allergisch.

Am weitesten verbreitet ist die Unverträglichkeit von Milch- und Fruchtzucker, im klassischen Sinne eigentliche keine Allergie. Doch häufig sind eben auch Pollenallergiker von einer solchen Intoleranz betroffen. Der Allergikerbund schätzt die Zahl der von Laktose-(Milchzucker) und Fructose(Fruchtzucker)-Unverträglickeit Betroffenen in Deutschland auf 20 Millionen. Gerade Fruchtzucker galt immer als gesund. Er ersetzte normalen Zucker etwa in Diabetikerprodukten, wie Diät-Schokolade und -Keksen. Doch längst ist bekannt, dass Fruchtzucker nicht so gesund ist, wie immer vermutet. Viele Menschen vertragen nur eine bestimmte Menge Fruktose. Wird diese überschritten, reagieren sie.
Längst hat die Nahrungsmittelindustrie etwa auf die Milchzuckerunverträglichkeit reagiert. Selbst bei Discountern gibt es mittlerweile laktosefreie Produkte, ob Milch, Käser oder Joghurt.
Viele Betroffene wissen aber oft gar nicht, ob sie an einer Nahrungsmittelallergie oder einer Intoleranz leiden. Zumeist sind die Symptome eher unspezifisch. Die Diagnose einer Nahrungsmittel-Allergie erfordere vom Arzt und Patient viel Geduld und "fast detektivischen Spürsinn", heißt es beim DAAB. Oft reichten die üblichen Haut- und Bluttests nicht aus.
Am besten alles dokumentieren


Es wird empfohlen, ein ausführliches Tagebuch zu führen, in dem alle verzehrten Lebens- und Genussmittel, aber auch besondere Ereignisse wie Geburtstagsfeiern, Krankheiten, Wetter, eingenommen Medikamente und Pollenflug festgehalten werden sollten. Erst wenn eine gesicherte Diagnose vorliegt, sei eine langfristige Ernährungsumstellung zu rechtfertigen, so der Allergiker-Bund.
Doch selbst, wenn Betroffene Lebensmittel vermeiden, auf die sie reagieren, nehmen sie sie manchmal zu sich, ohne dass sie etwas davon wissen. Betroffen sind vor allem Nussallergiker. Denn viele Produkte enthalten Nüsse, von denen man es gar nicht erwartet, wie etwa Cremespeisen, Wurst, Pasteten oder Brote. Auch in normaler Milchschokolade werden häufig Nüsse verarbeitet.
Oft unklare Hinweise


Da eine Nussallergie nicht selten einen schweren Verlauf nehmen kann, bis hin im schlimmsten Fall zu einem tödlich verlaufenden Allergieschock, sollten Betroffene sich genau die Zutatenliste anschauen. Seit 2005 müssen alle Lebensmittel mit Zutaten, die Allergien auslösen können, entsprechend gekennzeichnet sein (siehe Extra).
So steht bei vielen Produkten drauf: "Kann Spuren von ... enthalten". Häufig jedoch ist die Kennzeichnung unklar. So können sich hinter der Bezeichnung Schalenfrüchte verschiedene Nusssorten verbergen, Molkenprotein etwa Milch und hinter Bulgur Weizen.Extra

Wer bestimmte Nahrungsmittel oder Zusatzstoffe nicht verträgt oder allergisch auf sie reagiert, ist darauf angewiesen, dass auf den Verpackungen steht, was sich exakt in einem Produkt befindet. Eine solche Kennzeichnung ist in allen Ländern der Europäischen Union vorgeschrieben. Angegeben werden müssen die 14 sogenannten Hauptallergene, die die meisten aller Lebensmittelallergien verursachen. Dazu zählen etwa glutenhaltiges Getreide, Milch, Schalenfrüchte, Senf, Schwefeldioxid und Sulfite (ab zehn Milligramm pro Kilogramm oder Liter) sowie Weichtiere. Die Inhaltsstoffe müssen entweder im Produktnamen, in der Zutatenliste oder in einem zusätzlichen Hinweis zu finden sein. Ausgewiesen werden müssen auch die "Zutaten der Zutaten" etwa bei Fruchtfüllungen. Von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen ist lose Ware. Ausführliche Informationen stehen auf dem Informationsportal www.was-wir-essen.de des aid infodienstes. arn