Wenn Kinder sich fürchten, ist Hilfe angesagt

Gesundheit : Was tun, wenn Kinder partout nicht alleine schlafen wollen

Nachgefragt: Zwei Experten beantworten Leserfragen am TV-Telefon zum Thema Angst. Dabei können sie den Anrufern viele Ratschläge geben:

Unsere Tochter, 5, schläft partout nicht alleine im Kinderzimmer. Besonders schlimm ist es, seit wir umgezogen sind und das Baby auf der Welt ist.

Dr. med. Günther Stratmann, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier:

Das ist natürlich viel an Veränderung: Geschwisterkind und Umzug. Sie können versuchen, das Problem Schritt für Schritt zu lösen. Suchen Sie Ziele, die Ihre Tochter erreichen kann. Konkret: Das Kind lernt erst, alleine im Bett einzuschlafen. Führen Sie ein Ritual ein, etwa indem Sie solange im Kinderzimmer bleiben, bis sie eingeschlafen ist.  Wird das Ziel erreicht, sollten Sie dies verstärken, also belohnen. Entscheidend ist, dass Ihr Kind die Erfahrung macht, es trifft nicht das ein, was es fürchtet. Dadurch gewinnt es an Sicherheit. Es geht darum, altersentsprechend selbstständig zu sein.


Unser Sohn, 13,  schafft es nicht, regelmäßig in die Schule zu gehen. Montags geht er gar nicht und von Freizeitaktivitäten zieht er sich immer mehr zurück. Er sagt, ihm gehe es dann ganz schlecht. Sagen wir, er kann  zuhause bleiben, lassen Angst, Bauch- und Kopfschmerzen nach. Wir wissen nicht mehr was wir machen sollen?

Stratmann: Den Kindern geht es dann tatsächlich schlecht. Es handelt sich bei Ihrem Sohn wohl um soziale Ängste. Die Teilnahme am Unterricht ist ja mittlerweile so eingeschränkt, dass psychotherapeutische Hilfe notwendig ist. Mithilfe einer Therapie kann daran gearbeitet werden, dass ihr Sohn wieder in die Schule gehen kann und in sozialen Situationen zurechtkommt. Vermieden werden muss, dass sich das Vermeidungsverhalten, also dass er nicht in die Schule geht, ausweitet.


Seitdem unsere Tochter, 12, sich vor einem Jahr mit Freunden Horrorgeschichten erzählt hat, kommt sie jede Nacht zu uns ins Ehebett. Wir haben schon alles Mögliche probiert, aber es hilft nichts.

Ute Isselhard-Thinnes, Diplom-Sozialarbeiterin in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Wittlich: Wichtig ist, dass Sie eine klare Entscheidung treffen, dass Ihre Tochter wieder im eigenen Bett schlafen soll. Teilen Sie Ihrer Tochter dies mit. Und die Frage ist, wie kann Ihr Kind wieder aus dem Stress rauskommen und sich selbst beruhigen. Eine Idee könnte sein, gemeinsam mit Ihrer Tochter einen Traumfänger zu basteln, der böse Träume einfängt. Es wird Geduld erfordern, bis sie wieder alleine schläft, ein Jahr ist eine lange Zeit. Hilfe können Sie bei einer Lebensberatungsstelle erhalten.


Ich leide unter verschiedenen Ängsten und Zwängen und ich beobachte, dass mein Sohn,  4, auch immer ängstlicher wird. Was kann ich tun?

Isselhard-Thinnes: Arbeiten Sie mit einem Verhaltenstherapeuten an Ihren eigenen Ängsten, damit diese sich reduzieren.
Denn Kinder lernen, was sie als bedrohlich einschätzen von engen Bezugspersonen, was wiederum zu Ängsten und Vermeidungsverhalten führen kann.