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Wenn sich der Nachwuchs fürchtet

Wenn sich der Nachwuchs fürchtet

Was hilft, wenn die Enkelin sich im Dunkeln fürchtet? Was tun, wenn der Teenager nach dem Auszug des Bruders unter Verlustängsten leidet? Zwei Stunden lang gaben Fachleute TV-Lesern Tipps am Telefon.

Wie Eltern am besten mit Kinderängsten umgehen, haben unsere Spezialisten bereits während der TV-Telefonaktion beantwortet. Hier eine Auswahl an Fragen und Antworten:Meine Enkelin (8) hat bei uns Ferien gemacht und hatte abends plötzlich Angst im Dunkeln. Sie konnte nicht einschlafen, hat geweint. Ich habe ihr dann gesagt, dass ihr Bruder doch auch keine Angst hat und dass sie immer zu mir kommen kann. Woran kann dieses Verhalten liegen?Jochen Fredrich, Psychologe bei der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V.: In bestimmten Phasen zeigen die Kinder starkes Heimweh. Tagsüber sind sie durch Aktivitäten abgelenkt und abends, wenn sie zur Ruhe kommen, kann sich dann Heimweh zeigen. Vergleiche mit dem Bruder, der keine Angst hat, sollten allerdings vermieden werden. Wichtig ist, dass ihre Enkelin die Möglichkeit hat, die Angst zu benennen. Setzen Sie sich abends zu ihr und fragen Sie sie, wovor sie sich fürchtet. Sprechen Sie mit ihr auch über etwas Schönes. Gut, dass Sie ihr versichern, dass Sie für sie da sind!Seit mein Sohn (19) ausgezogen ist, hat unser Jüngster (13) plötzlich Angst, wenn ich abends ausgehe. Am liebsten hätte er, dass ich dableibe. Er besteht darauf, dass ich ihn zwischendurch anrufe und ihn wecke, wenn ich wieder da bin. Mein Mann sagt ihm, dass er sich nicht so anstellen soll. Haben Sie einen Tipp?Fredrich: Sprechen Sie in der Familie über die veränderte Lebenssituation: Was hat der Auszug des Bruders und Sohnes in jedem Einzelnen bewirkt? Ihr 13-Jähriger zeigt wahrscheinlich Verlustängste. Sprechen Sie mit Ihrem Mann, dass er ihn nicht als Weichei hinstellen soll. Er sollte Verständnis für die Ängste zeigen. Denn die Ängste ernst zu nehmen und darüber zu sprechen, ist ein wichtiger Schritt, um damit umgehen zu können.Unser Sohn (10) hat einen Actionfilm gesehen, und die Erinnerungen an die Gestalten dieses Films machen ihm Angst. Er klammert nun und schläft täglich bei uns im Eheschlafzimmer. Wir müssen das Licht anlassen und die Tür auflassen. Er geht auch nicht mehr ins Kino. Kann ein Film so was auslösen? Und was können wir tun?Ludger Brünnette, Leiter der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Wittlich: Ja, einige Kinder bekommen vor allem Ängste durch Filme, in denen Misserfolge oder Unfälle dargestellt werden. Diese zeigen Szenen, die aus der Welt der Kinder gegriffen sind, und sie erfahren dadurch, dass das Unglück plötzlich hereinbrechen kann. Dass ihnen, den Eltern, Verwandten oder Tieren was passieren kann. Dass ihr Sohn das Kino nun meidet, zeigt, dass sich die Angst generalisiert hat. Das heißt, sie springt auf andere Bereiche über. Helfen Sie Ihrem Sohn, wieder Mut zu schöpfen! Das Zimmer attraktiv zu gestalten, kann etwa helfen, dass er wieder dort schläft. Machen Sie mit Ihrem Sohn gemeinsam einen Plan, wie lange er es in seinem Zimmer aushalten kann. Und besprechen Sie mit ihm, wie er die Dauer steigern kann. Unser fünfjähriger Sohn kriecht nachts immer zu uns ins Bett. Ist das normal?Christiane Ehlert-Olejnik, Diplom-Psychologin der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Diakonie in Traben-Trarbach: Das kann normal sein. Denn das nächtliche Ins-Bett-Kriechen Ihres Sohnes hat mit normalen Entwicklungsängsten zu tun - der Angst vor dem Alleinsein. Wichtig ist, zu wissen, ob das Kind tagsüber mutig genug ist, ob es selbstständig ist, Freunde hat und sich altersgemäß verhält. In der Nacht holt er sich die Sicherheit bei den Eltern für den Tag. Sie als Eltern müssen schauen, wie sehr es Sie stört. Sie brauchen ja auch Ihren Schlaf. Handeln Sie mit Ihrem Kind aus, was für alle Beteiligten in Ordnung ist. Ist Ihr Sohn allerdings tagsüber auch ängstlich und vermeidet bestimmte Situationen, dann sollten Sie sich Expertenrat in einer Beratungsstelle holen. kat