Wer haftet bei Internet-Bankraub?

Wer haftet bei Internet-Bankraub?

Virenschutz und Firewall sind beim Onlinebanking Pflicht. Rund 2900 Betrugsversuche beim Onlinebanking zählte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) 2009, die Hälfte mehr als im Vorjahr.

Trier. (red/td) Der durchschnittliche Schaden liegt bei 4800 Euro. Da fragen Bankkunden sich: Wer zahlt, wenn etwas schiefgeht? Kann der Kunde haftbar gemacht werden?

Es kommt in erster Linie darauf an, ob er seine Sorgfaltspflichten verletzt hat, berichtet die Stiftung Warentest.

Was Verbraucher tun und was sie lassen müssen, dazu gibt es bisher kaum Gerichtsentscheidungen - schon gar keine höchstrichterlichen. Denn meist erstatten die Banken lieber das Geld, als schlagzeilenträchtige Prozesse zu riskieren.

Kauf teurer Software ist nicht zumutbar



Als eines der wenigen befasste sich das Landgericht Köln mit Onlinebanking. Ergebnis: Wenn der Normalnutzer eine Antivirensoftware einsetzt und eine Firewall, muss er nicht haften (Az. 9 S 195/07). Genauso sah es das Landgericht Nürnberg-Fürth (Az. 10 O 11391/07).

Das ist auch herrschende Meinung unter Rechtsexperten: Virenschutz und Firewall sollte jeder Kunde haben. Das gilt auch, wenn er Kontoprogramme benutzt wie Star Money, Quicken oder Wiso-mein-Geld. Geld müssen Kunden dafür nicht ausgeben. Der Kauf teurer Software sei Normalnutzern nicht zumutbar, meinten die Kölner Richter. Ein Gratis-Virenscanner reicht.

Bei der Stiftung Warentest haben Antivir Personal Free Antivirus und Alwil Avast 4.8 mit "gut" abgeschnitten. Außerdem muss die Software wöchentlich aktualisiert werden, bei Nutzern mit DSL-Anschluss täglich.

Dasselbe gilt auch für Betriebssystem und Browser: Wenn ein Update bereitsteht, sollten Kunden es her unterladen, denn so werden neu entdeckte Sicherheitslücken geschlossen.

Auch eine Firewall kann als Mindestvoraussetzung gelten. Der Virenscanner allein bietet nämlich keinen Komplettschutz. Nur eine Firewall schützt den Rechner vor Angriffen durch sogenannte Trojaner. Sie verhindert das Einschmuggeln solcher Schadprogramme und kontrolliert auch ausgehende Aktionen, zum Beispiel während der Nutzer Kontonummer und Pin eintippt.

Warnungen der Banken beachten



Windows 7 und Vista verfügen bereits über eine Firewall. Bei Windows XP prüft sie aber nur die eingehenden Daten, nicht die ausgehenden. XP-Nutzer sollten daher eine zusätzliche Firewall installieren. Auch da gibt es Gratis-Versionen, zum Beispiel Ad-Aware Free oder Zone Alarm. Das Kölner Landgericht ist der Ansicht, dass Kunden darauf achten müssen, ob in der Adresse "http" steht oder das sichere "https". Und sie müssen die Warnungen der Banken beachten, Pin und Tan nie am Telefon oder auf Anforderung per E-Mail herauszugeben. Wer so einen Betrug nicht bemerkt, handelt fahrlässig und muss einen Teil des Schadens selbst tragen (Landgericht Berlin, Az. 37 O 4/09).

Wer über WLan ins Internet geht, sollte es unbedingt verschlüsseln. Standard ist der WPA2-Code, noch sicherer ist WPS. Ganz ohne Verschlüsselung WLan zu nutzen, gilt als grob fahrlässig, urteilte der Bundesgerichtshof (Az. I ZR 121/08).

Weitere Themen im Juniheft von test: Bierzapfsysteme, Fluggastrechte, Navigationsgeräte, Schädlinge im Haus und Sonnenschutzfolien.

Wörterbuch Firewall: Wörtlich übersetzte: "Brandmauer". Ein Überwachungsprogramm, das den Computer vor unbefugten Zugriffen von außen schützen soll. Virenscanner: Programm, das den Rechner auf Schadprogramme (Computerviren) untersucht, die unbemerkt vom Nutzer den PC manipulieren sollen. Trojaner: Schadprogramme, die sich als vermeintlich nützliches Programm tarnen und auf den Rechner einschmuggeln, um ihn anschließend zu manipulieren. Pin: "Persönliche Identifikationsnummer" oder Geheimzahl, die der Nutzer braucht, um sich in seinem Bankkonto anzumelden. Tan: "Transaktionsnummer". Einmalige und einzigartige Geheimzahl, deren Eingabe erforderlich ist, um einen Buchungsvorgang abschließen zu können. Der Kunde bekommt nach der Anmeldung zum Onlinebanking eine Liste mit Transaktionsnummern zugeschickt. Browser: Programm zum Betrachten von Internetseiten. WLan: "Wireless Local Area Network" - drahtloser Zugang zum Internet zum Beispiel über ein Gerät zu Hause. (r.g.)