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Wer hat an der Uhr gedreht?

Wer hat an der Uhr gedreht?

Dran gedacht? In der Nacht zum Sonntag ist die Zeit umgestellt worden. Kritiker der Zeitumstellung werden wieder lauter - das ursprüngliche Ziel wurde verfehlt. In dieser Nacht ist es erneut so weit.

Berlin Die Kritiker sind sich sicher und führen zahlreiche Gutachten ins Feld: Kühe geben anfänglich weniger Milch, Menschen leiden unter Schlafstörungen und Energie wird allenfalls minimal eingespart - die Zeitumstellung ist aus Sicht ihrer Gegner großer Unsinn. In dieser Nacht ist es wieder so weit, um zwei Uhr wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Dann gilt die Sommerzeit. Doch wie lange soll das noch so weitergehen? Die Union fordert die SPD nun auf, bei der Abschaffung der Zeitumstellung nicht länger auf der Bremse zu stehen.

Vielen Bürgern, aber auch vielen Politikern ist das Prozedere seit Jahren ein Graus. Im Frühjahr eine Stunde vor, im Herbst wieder eine Stunde zurück - und das schon seit 1980, als in Europa Sommer- und Winterzeit eingeführt wurden. Damals ging es ums Energiesparen, doch selbst die EU-Kommission musste schon vor Jahren einräumen, dass das Ziel verfehlt wird. Zwar knipsen die Bürger durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht an - dafür wird im Frühjahr und Herbst morgens mehr geheizt. Zuletzt kam ein Gutachten des Büros für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) beim Bundestag zu einem ähnlichen Ergebnis. Außerdem bereite die Zeitumstellung manchen Menschen viel größere Probleme, "als in früheren Jahren angenommen wurde", so die Experten.

Nun ist die Debatte über eine Abschaffung nicht neu. 2013 fasste die CSU einen solchen Beschluss, 2014 folgte die CDU. Doch passiert ist bisher nichts. Weil das ohne Europa nicht möglich ist. Einer, der seit Jahren gegen das Spiel mit der Uhr kämpft, ist der EU-Parlamentarier Herbert Reul (CDU). Er beklagt, dass die EU-Kommission das Thema "nicht ernst" nehme. "Von der Untätigkeit lassen wir uns aber nicht entmutigen", so Reul zu unserer Zeitung. Gerade erst sei eine Liste mit über 22 000 Unterschriften von niederländischen Bürgern dem Europäischen Parlament überreicht worden, ähnliche Petitionen habe es schon aus anderen EU-Ländern gegeben. Reul betont, das Thema sei ein "typisches Beispiel" dafür, dass Politiker nicht die Kraft hätten einen Beschluss zurückzunehmen, "wenn sich die Unsinnigkeit herausgestellt hat".

So wird das auch in Berlin gesehen. Die Linksfraktion hat jetzt einen Antrag in den Bundestag eingebracht, wonach die Bundesregierung sich für eine "Abschaffung der EU-weiten verpflichtenden Zeitumstellung" einsetzen soll. Initiator Ralph Lenkert sagt: "Es gibt bei einem größeren Teil der Bevölkerung den Konsens darüber, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden soll."
Auch die Unionsfraktion verabschiedete Anfang des Jahres ein Positionspapier gegen die Umstellung. "Ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen ist nicht nachzuweisen", so Unionsmann Philipp Lengsfeld. Eigentlich seien die meisten Abgeordneten in der Frage einer Meinung, doch die SPD weigere sich, ein "gemeinsames Signal" der großen Koalition nach Brüssel zu senden. Es gebe "wichtigere politische Anliegen", heißt es bei den Genossen. Lengsfeld schließt deswegen nicht aus, "dass die Umstellung auch Wahlkampfthema wird".

Bleibt die entscheidende Frage, welche Zeit am Ende gelten soll? Da ist man sich uneins. Die Linke will die Sommerzeit beibehalten, wenn's länger hell sei, fördere dies die Freizeitaktivitäten und die Gesundheit.
Die Union will hingegen laut Lengsfeld zurück zur alten Zeit - also zur Winterzeit. "Denn es ist doch völliger Quatsch, den Tag einfach nur um eine Stunde zu verschieben", so Lengsfeld.