Wer zahlt was im Streitfall?

Rechtsschutzversicherungen können noch verbraucherfreundlicher werden, urteilt die Zeitschrift Finanztest. Die Experten der Stiftung Warentest haben die Verbraucherfreundlichkeit ihrer Versicherungsbedingungen geprüft.

Berlin. (ftd) Die Wirtschaftskrise macht einige Leistungen der Rechtsschutzversicherer zurzeit besonders interessant, zum Beispiel die Hilfe bei Streitigkeiten im Arbeits- und im Kapitalanlagerecht. Die Wirtschaftskrise ist in den Arbeitsgerichten angekommen. Die Zahl der Prozesse steigt. Meist geht es um Kündigungen. Natürlich können sich Arbeitnehmer wehren. Doch ihr Recht bekommen sie nicht kostenlos. Wer um seinen Arbeitsplatz kämpft, muss Anwaltsgebühren, Gerichtskosten und falls nötig Sachverständigen- und Zeugenentschädigungen bezahlen. Mit einer Rechtsschutzversicherung ist der Kampf um den Job leichter. Arbeitsrechtsschutz gibt es einzeln zu kaufen, doch viel häufiger verkaufen ihn die Versicherer zusammen mit Schutz für Privat-, Verkehrs- und Mietrecht.

Finanztest hat sich die Bedingungen der großen Pakete vorgenommen. Das Ergebnis war mäßig: "Sehr gute" Bedingungen fand Finanztest in keiner der 45 untersuchten Versicherungen. Acht bekamen ein "Gut", die meisten sind "befriedigend", drei nur "ausreichend". Am wenigsten Lücken hat der Tarif "T07 erweiterte Leistungen" der Rechtsschutz Union. Sie verlangt für Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz 311 Euro im Jahr. Wer noch Mietrechtsschutz benötigt, zahlt weitere 55 Euro. Die Preise gelten für Verträge mit einjähriger Laufzeit und einem Selbstbehalt des Kunden. Bei der Rechtsschutz Union sind das 100 Euro, bei den anderen 150 Euro. Je nachdem, um was für ein Rechtsproblem es geht, zahlen manche Versicherer viel, andere eingeschränkt und manche gar nicht. Wenigstens beim Arbeitsrechtsschutz gibt es kaum Lücken. Große Unterschiede zwischen den Versicherern gibt es hingegen im Privatrechtsschutz.

In diesen Teil des Rechtsschutzpakets fällt zum Beispiel der Streit um Kapitalanlagen. Nur die DA Direkt und die Itzehoer helfen ohne Einschränkungen, wenn sich ein Kunde mit seiner Bank wegen einer verlustbringenden und falschen Beratung streitet. Einige andere Anbieter zahlen zwar auch, aber nur bis zu bestimmten Anlage- oder Schadenshöhen. Gut dran sind Kunden noch bei der Rechtsschutz Union. Sie trägt die Kosten für Anwalt und Gericht, wenn es in dem Streit um eine Anlage von maximal 250 000 Euro geht. Die meisten Anbieter haben den Schutz für Anlegerstreit ganz gestrichen. Hier können Kunden lediglich die Anwaltshotline anrufen. Fast alle Versicherer bieten telefonischen Rechtsrat. Häufig erlauben sie den Versicherten so viele Anrufe, wie diese möchten - ganz gleich, wo ihr Problem angesiedelt ist. Meist kostet das nichts extra. Die Großzügigkeit hat Gründe. Am Telefon werden viele Anfragen schnell geklärt, ohne dass der Versicherer viel zahlen müsste. Für die Auswahl einer Rechtsschutzversicherung sollte die Telefonberatung aber nicht entscheidend sein.

So lässt sich bei der Auswahl sparen: Die Pakete für Privat-, Berufs-, Verkehrs- und Mietrechtsschutz sind teuer. Bevorzugt werden Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Sie bekommen Rechtsschutz meist um 15 Prozent billiger. Für alle Interessenten klug ist die Wahl eines Tarifs mit Selbstbehalt. Viele Versicherer bieten nur noch solche Tarife an. Dann zahlt der Kunde in jedem Schadensfall 150 Euro selbst. Das senkt den Preis bei vielen Anbietern um fast 100 Euro im Jahr und zahlt sich aus, wenn man die Police nur selten benötigt.

Die verbraucherfreundlichsten Bedingungen für eine Kombipolice aus Privat-, Berufs-, Verkehrs- und Mietrechtsschutz hat die Rechtsschutz Union in ihrem Tarif "T07 erweiterte Leistungen". Die Police kostet 366 Euro im Jahr (Laufzeit ein Jahr). Fast genauso gut, aber 147 Euro günstiger ist das Angebot der Auxilia. Der Kunde muss jedoch dem Kraftfahrer e. V. beitreten.

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