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WIe lässt sich die Trauer um einen lieben Menschen verarbeiten?

TV-Telefonaktion : Trauer: „Wann kommt Oma zurück?“

Zwei Expertinnen beantworteten Leserfragen am TV-Telefon.


Mein Mann ist gestorben. Wir waren über 50 Jahre verheiratet und ich fühle mich sehr einsam, gerade jetzt in der Pandemie mit den vielen Bestimmungen. Die Stille im Haus kann ich nur noch schwer ertragen, der Alltag fällt mir immer schwerer. Haben Sie einen Tipp?

Bettina Jondral, Diplom-Sozialpädagogin der Lebensberatung der Diakonie in Traben-Trarbach/Wolf: Es ist schmerzlich, einen lieben Menschen zu verlieren. Wichtig ist für Sie, dass Sie in der Akutphase nicht allein mit der Trauer bleiben. Überlegen Sie, wen Sie um Unterstützung bitten könnten. Gibt es jemanden in der Familie oder im Freundeskreis? In manchen Gemeinden gibt es Trauercafés oder Selbsthilfegruppen, Trauerberater bieten Einzelgespräche an. Ob zurzeit Treffen stattfinden oder ob es zumindest die Möglichkeit gibt, mit Menschen, die in einer gleichen Situation sind, zu telefonieren, können Sie bei entsprechenden Anlaufstellen erfragen.

Zusätzlich hilfreich kann auch ein Buch sein. „Es wird wieder schön, aber anders“ richtet sich an verwitwete Frauen.

Mein Sohn, 5. trauert sehr um seine Oma. Ich möchte ihm gerne helfen. Gibt es gute Kinderbücher zum Thema Tod und Sterben?

Jondral: Ja, die gibt es. „Für immer in meinem Herzen“ ist ein Trauer- und Erinnerungsbuch für Kinder ab fünf Jahren. In diesem Buch finden Kinder Antworten auf Fragen zum Thema Tod und viele Anregungen und Hilfestellungen.


Ich lebe allein und habe viele Jahre lang meinen Vater gepflegt. Vor sieben Wochen ist er gestorben. Ich weine viel, ich kann und will nicht loslassen. Nun habe ich Angst, in eine Depression zu rutschen.

Carmen Ludwig, Psychologin (B.Sc.) in der Lebensberatung des Bistums Trier in Bitburg: Depressive Verstimmungen sind eine normale Reaktion auf eine Krise. Lassen Sie die schmerzlichen Gefühle zu. Dass es Ihnen widerstrebt, loszulassen, ist in Ordnung. Bleiben Sie weiterhin in einer anderen, inneren Beziehung zu Ihrem Vater. Diese „neue“ innere Beziehung wird Teil des Trauerprozesses sein, der Ihnen dabei hilft, sich langsam zu verabschieden. Schaffen Sie gezielt Zeitfenster, in denen Sie an Ihren Vater zurückdenken. Kleine Rituale können dabei hilfreich sein, wie das Anzünden einer Kerze. Versuchen Sie, soweit es geht, Ihre Tagesstruktur aufrechtzuerhalten. Und pflegen Sie weiterhin Ihre sozialen Kontakte und sprechen Sie mit Menschen, die Ihnen guttun. Sehr hilfreich können auch Trauergesprächskreise sein.


Unsere Tochter, 5, stellt sich vor, dass ihre verstorbene Oma im Sarg noch „ein bisschen“ lebendig ist. Fragen wie „Wann kommt Oma zurück?“ oder „Kann sie sich in dem engen Sarg umdrehen?“ sind an der Tagesordnung.  Mein Mann und ich sind damit völlig überfordert. Müssen wir uns Sorgen machen?

Ludwig: Die Fragen Ihrer Tochter sind natürlich. Wie Kinder den Tod verstehen, ist stark von Alter und Entwicklungsstand abhängig. Mit fünf Jahren wird der Tod der Oma von Ihrer Tochter als vorübergehender Zustand verstanden. Nehmen Sie die Fragen  ernst und beantworten Sie sie ehrlich. Versuchen Sie ihr die Endgültigkeit des Todes nahezubringen, indem Sie diese ihr selbst in Zusammenhang bringen. Sagen Sie ihr beispielweise: „Oma kann nicht mehr mit Dir auf den Spielplatz gehen “ anstatt „Oma kommt nicht mehr zurück“. Unterstützend kann für Ihre Tochter auch unsere offene Kindertrauergruppe (6 bis 12 Jahre) sein. Diese wird in Kooperation mit den Lebensberatungsstellen Bitburg und Gerolstein sowie mit dem Caritasverband Westeifel e.V. angeboten.