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Wissenswertes rund um den Eierlikör.

Ernährungskolumne : Ei-Ei-Ei Eierlikör

Eierlikör ist ein beliebter Küchenhelfer: Er macht Kuchen saftig, verfeinert Eis oder Desserts und schmeckt pur. Die beliebte Spirituose mit etwas angestaubtem „Tantchen“-Image ist auch unter den Namen Advocaat, Avocat, Advocat bekannt.

Sein Ursprung soll in Brasilien liegen: Seinerzeit mixten Kolonialisten ein beliebtes Getränk aus Avocados mit Rohrzucker und Rum, sie gaben ihm den Namen Advocaat. In Europa wurden Avocados durch die Zutat Eigelb ersetzt.

Was kommt noch hinein? Ursprünglich waren Milch oder Sahne ein Tabu, sogar der Europäische Gerichtshof verbot dies. Seit Juni 2019 stellt jedoch die neue Spirituosenverordnung klar, dass der „Advocaat“ auch Milcherzeugnisse enthalten darf. Ob das gut oder schlecht für den Ruf von Eierlikör ist, muss jeder für sich entscheiden. Klar ist: Auch nach der neuen Regelung muss ein Liter Eierlikör mindestens 140 Gramm reines rohes Eigelb enthalten sowie einen Mindestgehalt an Zucker von 150 Gramm und 14 Volumenprozent Alkohol. Der Zusatz von Honig ist zulässig, Aromastoffe oder Aromaextrakte auch. Der Schuss Milch oder Sahne macht den Eierlikör flüssiger. Solch ein Zusatz muss auf dem Etikett stehen. Denn Milch zählt zu den 14 kennzeichnungspflichtigen Allergenen, die auf dem Etikett erkennbar sein müssen, selbst wenn – wie bei Spirituosen – eine Zutatenliste nicht vorgeschrieben ist.

Wer selber den Rührlöffel schwingt, weiß, was drin ist. Beim Eierkauf kann man auf den Erzeugercode und damit auf Haltungsform und Herkunftsland achten und eine tierschutzgerechte Wahl treffen. Diese Kennzeichnungspflicht entfällt, sobald die Eier verarbeitet werden. Wichtig bei der Zubereitung ist, stets auf eine gute Küchenhygiene und einen hochprozentigen Alkohol zu achten. Das bannt die Gefahr einer Infektion mit Salmonellen. Denn vor allem auf Eierschalen können diese vorkommen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt Selbermachern Alkohol und Roheier separat zu mischen. Diese Mischung sollte mindestens drei Tage bei Zimmertemperatur stehen. Das reduziert die natürliche Keimbelastung.  Erst danach werden weitere Zutaten untergerührt. Die gezuckerte Eigelb-Alkohol-Mischung muss einen Alkoholgehalt von mindestens 10 Volumenprozent aufweisen. Geeignet ist unvergällter Alkohol, dieser ist in Apotheken erhältlich. Alternativ können auch Kornbrand oder Wodka verwendet werden. Das selbstgemachte Getränk sollte kühl und dunkel gelagert werden und zügig verbraucht werden. Prösterchen!

Susanne Umbach ist Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

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