Zu krank zum Arbeiten

Wer krank ist und nicht mehr arbeiten kann, der bekommt eine Rente: die sogenannte Erwerbsminderungsrente. Bei dem von der Bundesregierung beschlossenen Rentenpaket wurde auch diese angepasst. Kritikern geht die Verbesserung aber nicht weit genug.

Der TV gibt im Rahmen seiner Rentenserie Antworten auf die wichtigsten Fragen.Was bedeutet Erwerbsminderungsrente?Wer schwer krank ist, kann nicht immer bis zum regulären Rentenalter arbeiten. Betroffene Arbeitnehmer können dann früher in Rente gehen. Sie erhalten die sogenannte Erwerbsminderungsrente. Sie kann als volle Rente ausgezahlt werden oder als Teilrente, wenn etwa der Betroffene noch mindestens drei, höchstens aber sechs Stunden am Tag arbeiten kann.Wie berechnet sich die Frührente?Sie errechnet sich durch die bis zum Eintritt der Erwerbsminderung eingezahlten Beiträgen. Bei jüngeren Arbeitnehmern wurde bisher so getan, als ob sie bis 60 Jahre voll weitergearbeitet hätten. Es werden also zusätzliche Zeiten berücksichtigt, für die keine Beiträge bezahlt wurden. 2012 betrug die durchschnittliche volle Erwerbsminderungsrente 723 Euro, bei einer teilweisen Erwerbsminderung wurden im Schnitt 492 Euro gezahlt.TV-Serie Basiswissen Rente

Was hat sich seit Juli geändert?"Die sogenannte Zurechnungszeit wurde um zwei Jahre angehoben", sagt Simone Kaufmann, Rentenexpertin der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz. Das bedeutet: Arbeitnehmer, die wegen Krankheit nicht mehr arbeiten können, werden dann so gestellt, als hätten sie bis 62 Jahre gearbeitet. Bislang lag diese Zurechnungszeit bei 60 Jahren. Als Berechnungsgrundlage gilt das durchschnittliche Einkommen in den vergangenen Jahren. "Zum anderen wirken sich Einkommenseinbußen in den vergangenen vier Jahren vor Eintritt in die Frührente nicht mehr mindernd auf die Rentenhöhe aus", sagt Kaufmann. Im Schnitt erhöhe sich Rente durch diese Anpassung dann um 40 Euro im Monat.Wer profitiert von der höheren Erwerbsminderungsrente?Laut Rentenversicherung sind das alle, die vor dem Erreichen des 62. Lebensjahres aus gesundheitlichen Gründen in Frührente gehen müssen.Welche Voraussetzungen gelten?Die Erwerbsminderungsrente erhalten nur Arbeitnehmer, die mindestens fünf Jahre in die Rentenversicherung einbezahlt haben, drei Jahre davon als Pflichtversicherte. Wer also längere Zeit als Selbstständiger oder wegen Familienauszeit keine Beiträge gezahlt hat, verliert unter Umständen Ansprüche auf die Erwerbsminderungsrente.Muss die Frührente beantragt werden?Ja. Der Antrag muss bei der Rentenversicherung gestellt werden. Es kann auch sein, dass die Krankenkasse den betroffenen Arbeitnehmer auffordert, eine Reha-Maßnahme zu machen, durch den sich sein Gesundheitszustand bessern und er wieder arbeitsfähig werden soll. Hat die Reha jedoch keinen Erfolg, kann Antrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt werden. Falls der Antrag abgelehnt wird, kann der Antragsteller Widerspruch einlegen.Was sagen Kritiker zu den Änderungen bei der Frührente?Durch die Änderungen profitieren nur Neurentner. Wer bereits Erwerbsminderungsrente erhält, bekommt nicht mehr Geld. Kritiker bemängeln, dass die Erhöhung noch immer nicht hoch genug ausfällt, um ein Armutsrisiko bei Frührentnern auszuschließen. Im letzten Teil der Serie lesen Sie morgen die Antworten der Rentenexperten auf die Fragen der Leser.