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Zum Paddleboarding nach Anna Maria Island

Zum Paddleboarding nach Anna Maria Island

Touristen, Strände und Rentner, die ihren Lebensabend in warmen Gefilden verbringen wollen: Das gibt es auch anderswo in Florida. Doch die Golfinsel Anna Maria ist etwas anders: keine Hochhäuser, keine Hotelburgen, keine Hektik - und viel Grün.

Eine wackelige Angelegenheit ist es schon, dieses Stand-Up Paddleboarding: Ein überdimensioniertes Surfbrett, dazu ein Paddel mit langem Stiel - mehr braucht es nicht. Und natürlich ein Gewässer, über das das Board gleiten kann. Das Meer vor Anna Maria Island an der Golfküste Floridas ist dafür perfekt - wenn es ruhig ist und keine Wellen das Wasser aufpeitschen.

Wenn so wie an diesem Tag der Wind ordentlich bläst, hat Shawn Duytschaver eine gute Alternative: „Wir gehen auf die andere Seite der Insel in die Mangroven“, sagt der Mann mit den Surfshorts, der Mütze und der Sonnenbrille, während er den Wind auf dem Pier prüft. Seit fast zwei Jahrzehnten ist er fast täglich auf dem Wasser unterwegs, verleiht und verkauft Kajaks und Boards.

Mindestens ein Auto, mindestens zwei Kajaks und meist ein Motorboot hat hier jeder in der Garage oder im Vorgarten, sagt Captain Scott, ein pensionierter Meeresbiologe, der seinen Gästen bei Kajak-Touren auf dem Atlantik das einzigartige Ökosystem der Golfküste erklärt. Scott ist der Meinung, er sei im Paradies angekommen - „wo sollte ich denn sonst leben wollen?“.

Von den Schildkröten erzählt er, die am Strand ihre Nester bauen - weswegen es verboten ist, nächtliche Spaziergänge im Sand zu machen und es keinerlei Lichter entlang des Wassers gibt. Von den vielen Vögeln, die an der Golfküste zuhause sind. Und von den Tümmlern, die hier durch das Wasser fegen und zur Freude der Touristen immer wieder ihre Delphinsprünge machen.

Die Golfinsel Anna Maria Island ist eine der ruhigsten Ecken Floridas - und eine der grünsten. Auch hier, im äußersten Westen des Sonnenscheinstaates, gibt es das typische Florida-Publikum: viele Rentner, die ihren Lebensabend in warmen Temperaturen verbringen wollen. Und viele Touristen, die das schöne Wetter und die feinsandigen Strände schätzen. Und doch sind da Unterschiede zum Rest des Sunshine-States: Es gibt keine Hochhäuser, keine Hotelburgen, keine Ladenketten - und keine Hektik.

25 Meilen pro Stunde, etwa 40 Stundenkilometer, ist das Tempolimit auf der gesamten Insel. Und jeder hält sich daran. Das Auto ist ebenso Transportmittel wie die Golfkarre oder das Fahrrad. Viele gehen auch zu Fuß. Damit die althergebrachte Bewegung für Touristen und Einheimische gleichermaßen zum Erlebnis wird, haben sich Ed Chiles und Michael Coleman, zwei Rentner, etwas einfallen lassen: Zehn Millionen Dollar müsste man aufbringen, dann könne man dem Örtchen Anna Maria eine echte Innenstadt verschaffen, haben Michael und seine Frau einst im Spaß gesagt - ein paar Jahre später ist der Business District da.

Das Herz ist die Pine Avenue, die zwar keine Fußgängerzone ist, „aber der Verkehr ist schon deutlich weniger geworden“, sagt Ed. Und: rechts und links der Straße flanieren Urlauber wie Einheimische durch die kleinen Boutiquen.

Ein paar Häuser weiter ist eine andere große Unternehmung im Gange: Im „Village Café at Rosedale“ hat man sich zum Ziel gesetzt, mit null Energie auszukommen. „Wir wollen, dass Anna Maria die grünste kleine Stadt in ganz Nordamerika wird“, sagt Brian Seymour, der Manager des kleinen Restaurants. Er führt Zisternen, die Solaranlage auf dem Dach und ein ausgeklügeltes System vor, mit dem Energie gespart wird.

Umwelt- und Naturschutz spielen eine große Rolle auf Anna Maria Island, sagt auch Roberta Schaefer, die Inhaberin von „Ginny's & Jane E's Bakery Café“, einem chaotischen Laden, in dem es allerlei Souvenirs gibt - und ein noch besseres Angebot an kleinen, feinen Speisen. Roberta kommt aus dem kalten Neuengland und hat an Floridas Westküste ein neues Zuhause gefunden. „Ich kann mir nicht mehr vorstellen, wieder in die Kälte zu ziehen“, sagt die drahtige Frau.

Und so geht es den meisten, die das ganze Jahr über hier leben. Sie vermissen nichts. Und wenn sie wirklich in die große Stadt müssen, ist Tampa nur eine Autostunde entfernt. Viel wichtiger allerdings ist ihnen allen die noch vergleichsweise unberührte Natur, der Strand und das Meer, die hervorragenden kleinen Restaurants - und die entspannten Mitmenschen, wie Roberta und Michael bestätigen: „Das ist ja auch kein Wunder, dass hier jeder gute Laune hat: Man muss nicht in der Kälte leben und sich jeden Tag warm einpacken.“

Lage: Anna Maria Island liegt im Südwesten Floridas an der Golfküste in der Nähe von Sarasota.

Anreise: Am einfachsten ist die Anreise über den Flughafen Tampa/St. Petersburg. Von dort dauert es mit einem Mietwagen etwa eine Stunde, bis man von Bradenton über die Brücke nach Anna Maria Island kommt. Reisende aus Deutschland müssen in der Regel einmal an einem amerikanischen Flughafen umsteigen, um nach Tampa zu fliegen. Deutsche Urlauber brauchen für die Einreise in die USA kein Visum, der Reisepass genügt. Vorab müssen Reisende jedoch eine elektronische Einreiseerlaubnis einholen. Diese kostet 14 US-Dollar (rund 11 Euro).

Reisezeit: Die Sommer sind auch an Floridas Westküste schwül - allerdings weht fast immer ein laues Lüftchen vom Atlantik her. Von Oktober bis Mai ist das Wetter am schönsten - es ist überwiegend sonnig und warm, doch die Luftfeuchtigkeit ist niedriger und macht die Temperaturen angenehmer.

Unterkunft: Große Bettenburgen sucht man auf den Golfinseln vergeblich. Es gibt kleine Hotels, Motels, Pensionen und Villen, in denen einzelne, voll ausgestattete Apartments mit mehreren Schlafzimmern vermietet werden.

Informationen: Visit Florida, 2540 W.Eec.CenterCircle. Suite 200, US-Tallahassee, Florida 32301, Tel.: 001/850/488 56 07.