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Zwischen Beschützen und Fordern

Wann ist wie viel Selbstständigkeit von Kindern gewünscht und wann nicht? Eltern müssen diese Frage stets immer wieder neu für sich und ihr Kind beantworten.

Eltern kann man es bekanntlich nur schwer recht machen. Braucht man im Grundschulalter noch Unterstützung beim Aufräumen, ist man zu unselbständig. Möchte man als Vierzehnjährige mit einer Freundin allein in Urlaub fahren, ist das zu viel Selbstständigkeit. Was ist denn in welchem Alter angemessen und wünschenswert?

Das Autonomiebestreben von Kindern ist unterschiedlich stark ausgeprägt und nicht unbedingt am biologischen Alter festzumachen. Die einen genießen es bewusst gern und lange, von den Eltern umsorgt zu werden, die anderen wollen schon als Kleinkinder alles selber machen.

Es gilt daher für Eltern, die richtige Balance zwischen Beschützen einerseits und Fordern andererseits zu finden. Ist das Unabhängigkeitsbedürfnis des Kindes stimmig, passt es zu seiner Gesamtpersönlichkeit und bisherigen Erfahrungen in dieser Hinsicht? Oder pickt der Nachwuchs sich in Sachen Selbstständigkeit die Rosinen heraus und zeigt sich in Bezug auf eher unangenehme Aufgaben und Pflichten gern unbeholfen? Beim Nachdenken über diese Fragen und bei der Beobachtung des Kindes im Alltag wird schnell klar, ob gerade eher Beschützen oder Fordern angebracht ist. Nicht zuletzt sollten Eltern hin und wieder auch ihre eigene Haltung zur Autonomie der Kinder auf den Prüfstand stellen: Manchmal wünschen wir uns Selbstständigkeit, zu der die Kinder noch nicht bereit sind – und manchmal halten wir an alten Gewohnheiten und Grenzen fest, obwohl die Kinder sich schon längst weiterentwickelt haben.

Petra Gottwald ist Diplom-Psychologin und stellvertretende Leiterin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V., Trier.

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