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Mit Maske, Schal und Mantel im Unterricht?

Trier : Mit Maske, Schal und Mantel im Unterricht?

Auch im Winter soll in den Klassenräumen regelmäßig gelüftet werden. Die Kreisverwaltung Trier-Saarburg empfiehlt Schülern und Lehrern, sich entsprechend warm anzuziehen, damit sie während des Unterrichts nicht frieren.

Man halte es für zumutbar, wenn sich Schüler und Lehrer „entsprechend kleiden, um den dann immer wieder geöffneten Fenstern Rechnung zu tragen“, sagt eine Sprecherin der Kreisverwaltung Trier-Saarburg. Mit anderen Worten: Weil auch im Winter die Klassenräume ständig und (dort wo sich die Fenster nicht ganz öffnen lassen) dauerhaft gelüftet werden müssen, um das Risiko einer Corona-Infektion zu reduzieren, sollen Schüler und Lehrer mit Mütze, Schal, Handschuhen und dicker Jacke im Unterricht sitzen, um sich nicht zu erkälten. Auch in der kalten Jahreszeit müsse, wie im Hygienekonzept des Landes für die Schulen vorgeschrieben, mindestens alle 20 Minuten gelüftet werden, sagt die Sprecherin. Darüber hinaus werde man den Schulen empfehlen, dass die Schüler und Lehrer im Unterricht zusätzlich Masken tragen, um dadurch das Ansteckungsrisiko weiter zu reduzieren.

Auch wenn Masken während des Unterrichts getragen würden, müsse trotzdem weiter gelüftet werden, stellt ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums klar. Seit Wochen arbeitet das Ministerium zusammen mit Experten, wie etwa Virologen, wie das Lüftungskonzept auch im Winter umgesetzt werden kann. Noch liegt das Konzept aber nicht auf dem Tisch, auch wenn es bereits trotz der tagsüber sommerlichen Temperaturen morgens in den Klassenräumen durchaus schon recht kühl sein kann.

Mobile Lüftungsgeräte scheinen dabei für das Ministerium kein Thema zu sein. Der Sprecher verweist auf Kosten von bis zu 3000 Euro pro Gerät. Ergänzt aber auch: „Gesundheit ist aber keine Kostenfrage, wenn der Nutzen solcher diskutierten Geräte eindeutig belegt wäre, wäre das in gemeinsamer Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen auch zu stemmen.“ Doch genau diesen Nutzen zweifelt man offenbar an. „Schon jetzt gibt es erhebliche Zweifel am Sinn des Einsatzes solcher Geräte, die sich vor allem darauf begründen, dass die Geräte konstruktionsbedingt sogar kontraproduktiv sein könnten“, so der Ministeriumssprecher, der auf eine Studie des Umweltbundesamtes verweist. Darin heißt es, dass Lüftungsanlagen mit unzureichender Filterung „unter bestimmten Umständen“ eine Gefahrenquelle darstellen könnten. Dann nämlich, wenn sich eine oder mehrere infizierte Personen in einem Raum mit einer solchen Anlage aufhielten, könne es „über die Zeit zu einer Anreicherung von infektiösen Aerosolen in der Luft kommen“. Dieses Problem könne sich verstärken, wenn die Geräte nicht regelmäßig – „und das kann je nach Einsatz bedeuten: täglich“ – fachgerecht gewartet und gereinigt würden, heißt es aus dem Ministerium.

Außerdem sei ungeklärt, ob die Hersteller genügend Geräte für alle Klassenzimmer in Deutschland bereitstellen könnten. Alleine in Rheinland-Pfalz gebe es landesweit 1600 Schulen mit mehreren Zehntausend Räumen.

Auch der Kreis Trier-Saarburg verweist auf die hohen Kosten, die mit der Anschaffung solcher Geräte verbunden seien. Der Kreis sei Träger von 17 Schulen mit mehreren Hundert Räumen.

„Zum einen wird es schwierig sein, eine solch große Anzahl von Lüftungsgeräten zu bekommen. Zum anderen spielt hier auch der Kostenfaktor eine Rolle“, so die Kreissprecherin. Ganz untätig sei man aber nicht gewesen. Man habe CO2-Messgeräte angeschafft, die an die Schulen verteilt werden sollen. „Damit soll überprüft werden, ob die Häufigkeit der Fensterlüftung ausreichend ist“, so die Sprecherin. Mit den Geräten, die normalerweise in Wohnräumen vor einer zu hohen Kohlendioxid-Konzentration etwa durch defekte Heizungen warnen sollen, sollen in den Klassenräumen anzeigen, wenn die Luft verbraucht ist. Wo viele Menschen in einem Raum sind, wird viel ausgeatmet. Pro Person sind das etwa acht Liter Luft in der Minute. Darin enthalten ist eben auch CO2. Das ausgeatmete Kohlendioxid in der Luft enthält auch viele Aerosole. Das sind kleinste Teilchen, an die sich bei einer infizierten Person Sars-CoV-2-Viren aus den Atemwegen anheften können. Eine hohe Konzentration von Aerosolen erhöht hier also das Risiko für alle anderen im Raum, sich anzustecken. Schlagen die Messgeräte Alarm, ist es also Zeit zu lüften.

Und an dem Lüften führe kein Weg vorbei, heißt es aus dem Ministerium. Auch wenn mobile Luftreiniger aufgestellt würden. Oder wenn, wie im Kreis Trier-Saarburg, empfohlen wurde, Masken im Unterricht getragen würden.

Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich gibt sich noch zurückhaltend, was das vom Land angekündigte Lüftungskonzept für die kalte Jahreszeit angeht. Die kreiseigenen Schulen verfügten nicht über mechanische Lüftungsanlagen und müssten daher über die Fenster gelüftet werden.

Da man sich beim Land nicht vorstellen könne, in allen Unterrichtsräumen Lüftungsgeräte zu installieren, bleibe abzuwarten, wie die Ausführungshinweise des Ministeriums lauten werden, sagt ein Sprecher der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich.

Zumindest bislang scheint das Hygienekonzept des Landes aufgegangen zu sein. Zu größeren Corona-Ausbrüchen in Schulen ist es nicht gekommen. Gestern legte das Gesundheitsministerium die Zahlen der zweiten Reihentestung an 25 Schulen im Land vor. 923 Schüler, Lehrer und Schulmitarbeiter wurden auf das Virus getestet. Dabei hätten sich keine Hinweise auf eine Infektion ergeben, hieß es gestern.

Das Landesuntersuchungsamt habe 655 Proben von Schülerinnen und Schülern der Klassen eins bis zwölf untersucht. Hinzu seien noch 268 Proben von Mitarbeitern, darunter auch Lehrer gekommen.

„Die Ergebnisse sind erfreulich“, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Es gebe keinen Anhalt für eine unbemerkte Einschleppung des Coronavirus durch die Rückkehr von Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrern nach den Sommerferien.