Mordversuch aus Mitleid: Trierer Familiendrama vor Gericht

Justiz : Mordversuch aus Mitleid: Trierer Familiendrama vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass ein 63-Jähriger dem Leiden seiner Tochter ein Ende setzen wollte. Dann versuchte er, sich selbst zu töten. Beides schlug fehl. Am Dienstag beginnt der Prozess.

Weil er seine an einer unheilbaren Augenerkrankung leidende Tochter töten wollte, muss sich ein 63-jähriger Mann aus Trier-Saarburg ab Dienstag vor dem Trierer Landgericht verantworten. Oberstaatsanwalt Eric Samel wirft dem Angeklagten versuchten Mord vor. Nach der blutigen Attacke auf seine Tochter hatte der 63-Jährige noch vergeblich versucht, auch sich selbst zu töten.

Das über ein halbes Jahr zurückliegende Familiendrama hatte über die Grenzen der Region für Aufsehen gesorgt. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte seine 35-jährige Tochter mit einem Teppichmesser attackiert und schwer verletzt, nachdem er sie zuvor aus der Klinik abgeholt und zu ihrer Wohnung in Trier-Süd gebracht hatte. Trotz lebensgefährlicher Schnittverletzungen soll sich die Frau noch aus der Wohnung in den Flur geschleppt haben, wo sie von Nachbarn gefunden wurde.

Nach der Attacke auf seine Tochter soll der Vater versucht haben, sich mit dem Messer selbst zu töten. Aber auch dieser Versuch schlug fehl. Beide überlebten schwer verletzt, auch weil der Rettungsdienst rasch vor Ort war und die Schwerstverletzten in die Klinik brachte.

Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Peter Fritzen hat sich der Angeklagte stets aufopferungsvoll um seine Tochter gekümmert, die an einem unheilbaren, schweren Augenleiden mit fortschreitender Erblindung erkrankt sei. Vor diesem Hintergrund habe sich der 63-Jährige entschlossen, „dem Leiden der Tochter ein Ende zu setzen und sowohl ihr Leben als auch sein eigenes zu beenden“.

Da die Tochter von dem Vorhaben nichts geahnt haben soll, gehen die Ermittler vom Mordmerkmal der Heimtücke aus. „Das ist definitiv ein Verfahren, das ich in dieser Tragik bislang noch nicht erlebt habe“, sagt Oberstaatsanwalt Eric Samel, der in dem Verfahren auch die Anklage vertreten wird.

Für den am Dienstag beginnenden Prozess vor dem Ersten Schwurgericht des Trierer Landgerichts sind zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt. Bleibt es dabei, könnte Ende Juli das Urteil fallen.

Ob die Tochter als Nebenklägerin auftritt, war zunächst unklar. Nach Angaben aus Justizkreisen sind schon für den ersten Prozesstag Zeugen geladen.

Wird der Angeklagte verurteilt, droht dem in Untersuchungshaft sitzenden Vater eine lange Gefängnisstrafe. Der verheiratete Mann ist strafrechtlich bislang noch nicht in Erscheinung getreten.

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