Neue Weinmanufaktur van Volxem in Wiltingen wird am Sonntag, 7. Juli 2019, eröffnet

Großprojekt abgeschlossen : Ein Weingut, das  europaweit Maßstäbe setzt

Es ist das Leuchtturmprojekt für eine Region: Roman Niewodniczanski hat in Wiltingen eine einzigartige Manufaktur gebaut. Der TV durfte sich umschauen, bevor der Winzer seine Türen am Sonntag, 7. Juli, für Besucher öffnet.

Roman Niewodniczanski kniet auf dem Steinfußboden seines Holzfasskellers und wischt. Jemand hat bei einer Veranstaltung Balsamico-Essig verschüttet, und der Fleck auf der grauen hochwertigen Fläche stört den Spitzenwinzer. Ausgerechnet jetzt! Schließlich naht das Wochenende und damit die Eröffnung seiner neuen Weinmanufaktur auf dem Wiltinger Schlossberg. Doch Niewo, wie er im Volksmund genannt wird, packt nicht nur gerne selbst mit an, sondern legt auch Wert aufs Detail. Eine Tatsache, die augenfällig ist. Denn bei diesem Projekt hat der 50-Jährige nichts dem Zufall überlassen.

Und doch geschah das Unvorherzusehende: Als mitten in den Bauarbeiten sein Bauleiter starb, stand er erst einmal alleine da und schlug sich durch. Ohne großen Erfolg, wie er zugibt: „Zwischendurch  bin ich echt verzweifelt. Ich habe das selbst nicht schaffen können.“ Doch dann übernahm Axel Roth (Roth Architektur Trier) als Berater die begleitende Bauleitung. Er verstand es, die hohen Ansprüche des Bauherrn und dessen Liebe zum Detail umzusetzen. Ergebnis: „Van Volxem ist eine der modernsten, neu gebauten Weinmanufakturen Europas“, sagt Fabian Theiß, Geschäftsführer des Verbands deutscher Prädikatsweingüter (VDP) Mosel Saar Ruwer.

Die Manufaktur Van Volxem Zu klein waren die Produktionsgebäude des wachsenden Weingutes mitten in Wiltingen geworden – zu eng die Zufahrtswege für die schweren Maschinen (der TV berichtete). So entstanden ab Januar 2016 auf dem Wiltinger Schlossberg auf mehr als 6800 Quadratmetern zwei unterirdisch miteinander verbundene Gebäude, vier Keller, Streuobstwiesen, ein Teich, Hecken und Schieferbeete.

Ein Rundgang durch die neue Weinmanufaktur Van Volxem

Vorteil des Geländes: Die vorhandenen Kellerräume der ehemaligen Kellerei Schmitt Söhne konnten eingebunden werden. Die Exklusivität des offensichtlichen Millionen-Projektes bleibt indes unübersehbar.  Alles sei langfristig finanziert, sagt  Niewodniczanski, der sich, was das Finanzvolumen angeht, nicht in die Karten blicken lässt. Als Mitglied der Familie Niewodniczanski, der mit der Bitburger Braugruppe eine der größten Biermarken Deutschlands gehört, habe er das Privileg und die Sicherheiten, eine solche Finanzierung zu bekommen, sagt er. Geld aus der Braugruppe sei aber nicht in das Weingut geflossen.

Genuss im Turm Schon von weitem zu sehen thront ein zweigeschossiger Turm auf dem Schlossberg. Nicht ohne Grund: Das Gebäude steht in der geografischen Mitte des Saarweinbaus, der sich auf 27 Kilometern zwischen Serrig und Konz erstreckt. Im Obergeschoss liegt Besuchern der naturbelassene Nebenarm der Saar zu Füßen. Drei Panoramascheiben lassen Licht, aber keine Hitze durch. Die mittlere, die größte eingebaute Scheibe in Rheinland-Pfalz mit Dreifachverglasung, Sonnen- und Vogelschutzglas, misst 8,50 Meter in der Länge und ist 2,50 Meter hoch.

Das ist das Produktionsgebäude auf dem Schlossberg bei Wiltingen, wo die Weine hergestellt und abgefüllt werden. Foto: TV/Verona Kerl

„Das war ein schwer zu lösendes Problem“, erinnert sich Axel Roth. „Die Firma kam mit zwei Scheiben an, falls eine kaputt gehen sollte.“ Besucher, die sich künftig in dem großzügigen Verkostungsraum in italienischem Design zu Veranstaltungen treffen, werden ihm dankbar sein. Denn die Aussicht ist bestechend schön. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tals erkennt man vage den Bismarckturm, erbaut 1893 als Bestandteil der Weinbaudomäne Ockfen. Eine Zeit, an die Roman Niewodniczanski immer wieder gerne erinnert, erlebte doch der Saarwein um 1900 seine Blütezeit. An dieses Niveau will der ehrgeizige Weingutsbesitzer anknüpfen. „Ab Frühjahr 2020 werden wir hier Events  veranstalten: Genuss im Turm, Wein und Musik. Internationale Winzer und Kollegen aus der Region werden ihre Weine präsentieren. Köche werden zu Gast sein“, erklärt Niewodniczanski. Die Vinothek im Erdgeschoss  ist an Werktagen durchgehend geöffnet. „Jeder soll sich hier wohlfühlen und ein gutes Glas Wein trinken können. Ich will keine Hemmschwelle.“ Er wolle zum Beispiel auch Radtouristen ansprechen, die auf dem Saar-Radweg unterwegs seien.

Nachhaltigkeit und Ökologie Niewodniczanski, der früher aus seiner Sicht nur als Erbe der Eifeler Bierbrauer dargestellt wurde, der den Wein entdeckt habe, hat ein Generationenprojekt gebaut. Das betont er stets. Daher war es für ihn keine Frage, nachhaltig zu bauen. Wärme erzeugt er mit einer Hackschnitzelheizung, Strom mit einer Photovoltaikanlage auf dem Hauptdach.

Roman Niewodniczanski in seinem Holzfasskeller. Gefertigt wurden die Behälter aus familieneigenen Eifeler Eichen. Foto: TV/Verona Kerl

Die produziert sogar so viel Strom, dass Besucher künftig ihre Elektroautos auf dem Parkplatz kostenlos aufladen können. Hinzu kommt eine moderne Kälte- und Klimatechnik, aufgefangenes Wasser von den großen Dachflächen wird in den Teich mit naturnaher Bepflanzung geleitet, Baumaterialien sind unter dem Nachhaltigkeitsaspekt ausgesucht worden.  „Wir sind das nachhaltigste Weingut Deutschlands“, sagt Niewodniczanski stolz.

Funktionalität und Ästhetik So manchen Strauß hatte Kellermeister Dominik Völk mit seinem Arbeitgeber Niewodniczanki während der Bauarbeiten auszufechten. Nicht immer waren sie einer Meinung. Völk achtete akribisch auf Funktionalität, Niewo ebenso akribisch auf Ästhetik. Axel Roth meint treffend: „Er ist ein kompromissarmer Bauherr. Aber sehr menschlich. Er integriert die Handwerker gut und lobt viel.“

So vereint der komplett in Naturstein ausgekleidete Holzfasskeller Augenschmaus und Anspruch. Dort lagern Weißweine in Fässern, hergestellt aus familieneigenen Eifeler Eichen. Nebenan im Raritätenkeller reifen ausgewählte Lagen und Jahrgänge bienenwabenartig in Wänden verankerten Edelstahltanks. Trotz aller Diskussionen: Das Ziel,  Logistik und Effizienz sämtlicher Produktionsprozesse zu verbessern, hat in dieser Zeit niemand aus den Augen verloren. Der Beweis: Seit zwei Jahren läuft die Weinherstellung in dem neuen  Gebäudekomplex reibungslos und effizient.

Ein Arbeiter bringt die letzten Leuchten im Raritätenkeller an. Foto: TV/Verona Kerl

Internationale Reputation Roman Niewodniczanski ist selbst sein bester Marketingmann. Unermüdlich wirbt der Winzer des Jahres 2018 (Vinum Weinguide) für den Saarwein. Er habe einen Exzellenzanspruch, betont er immer wieder. Und er überzeugt mit seinem Produkt. 12 000 Flaschen Rotschiefer Kabinett, Jahrgang 2016, trinken künftig First-Class-Reisende in der All Nippon Airways (Ana), der größten japanischen Fluggesellschaft. Sein 2017er Schieferriesling werden Erste-Klasse-Flieger der Japan Airlines (JAL) genießen, und der Deal mit der Lufthansa ist ebenfalls perfekt: Sie kaufte 50 000 Flaschen des 2017er Saarrieslings für die Business-Class (ab Januar).

Durch seine internationale Präsenz, zuletzt auch im mongolischen Fernsehen, bringt er nicht nur sein eigenes Weingut, sondern den Saarwein insgesamt ins Bewusstsein der Menschen. Obwohl die Saar als eines von sechs Teilgebieten des Anbaugebiets Mosel (knapp 8800 Hektar) mit etwa 792 Hektar Anbaufläche klein sei, werde zurzeit so viel darüber geschrieben wie über keine andere Region in Deutschland, sagt der Winzer. Im neuen Besucherturm macht er ebenfalls Marketing für sich und das Anbaugebiet. Dort will er zum einen die Arbeit, den Weinbau, die Geschichte der Saarweine per Videoinstallation präsentieren und darüber hinaus Touristen anziehen. Für die Videoinstallation hat er die Künstlerin Ela Sattler aus Wien mit ins Boot geholt.
Resonanz und Kritik
Obwohl die italienischen Architekten Trojer Vonmetz aus Terlan die Linienführung der Gebäude an die Topografie der Landschaft anlehnten, kritisierten Anwohner der umliegenden Dörfer den „Bunker“ auf dem Schlossberg. Kritik, die den Bauherrn nicht kaltließ. „Am Anfang, als der Rohbau stand, gab es kritische Stimmen. Aber seit die Verkleidung aus Muschelkalk, einem regionaltypischen Gestein, an den Fassaden ist, sieht es die Bevölkerung als Bereicherung an, nicht als etwas Negatives.“

Endlich: Die Eingangstür aus Italien ist da, und Bauherr Roman Niewodniczanski erleichert. Foto: TV/Verona Kerl
Kellermeister Dominik Völk zeigt dem TV den Raritätenkeller des Weinguts, wo die Fässer wabenförmig angeordnet sind. Foto: TV/Verona Kerl
Noch ist hier Baustelle: Auf der oberen Etage des Genussturms im komplett italienischen Design sollen regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. Foto: TV/Verona Kerl
Foto: TV/Verona Kerl

Wer sich ein eigenes Bild von der Manufaktur machen möchte, kann das am Sonntag, 7. Juli, von 12 bis 18 Uhr machen. Roman Niewodniczanski verspricht nicht nur einen Einblick, sondern auch eine Hüpfburg und ein Fußballtor für Kinder sowie einen Bierstand. Der Eintritt ist frei.

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