Wie geht’s weiter? Nürburgring interessiert sich für insolventen Flughafen Hahn

Hahn · Die Hängepartie am Hunsrück-Airport Hahn zieht sich ins neue Jahr. Die schon vor einem halben Jahr als Käufer präsentierten Investoren haben immer noch nicht gezahlt. Nun könnte eine deutsche Rennstrecke mit russischem Hintergrund zum Zuge kommen.

 Der Flughafen Hahn hat im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet.

Der Flughafen Hahn hat im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet.

Foto: dpa/Andreas Arnold

Schon seit Herbst 2021 ist der Hunsrück-Flughafen Frankfurt-Hahn insolvent. Bereits vor einem halben Jahr hat ihn die Swift Conjoy GmbH mehrheitlich und mit unterschriebenem Vertrag gekauft, aber nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur trotz Fristverlängerung immer noch nicht bezahlt. Nun könnte der einzige größere Flughafen in Rheinland-Pfalz, an dem das Land Hessen einen Minderheitsanteil hält, teils unter den Einfluss der Besitzgesellschaft des Nürburgrings und ihres russischen Haupteigentümers kommen.

Hahn-Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner teilt der dpa mit: „Dass es im Transaktionsprozess zu Verzögerungen kommt, ist ärgerlich. Wir prüfen weitere Maßnahmen und Alternativen, um schnell Klarheit für den Flughafen Frankfurt-Hahn zu schaffen."

Dazu gehören nach dpa-Informationen auch vertrauliche Gespräche im Umfeld des Nürburgrings - etwa mit der Ring-Besitzgesellschaft NR Holding um dem wohlhabenden russischen Pharma-Unternehmer Viktor Charitonin. Dass diese schon im ursprünglichen Hahn-Bieterverfahren dabei gewesen ist, hat sie der dpa vor einiger Zeit bestätigt. Zum aktuellen Stand äußerte sich die Gesellschaft nicht.

Gemäß EU-Recht erhält in einem solchen Verfahren der Bieter mit dem höchsten Gebot den Zuschlag, hier also seinerzeit die Swift Conjoy GmbH in Frankfurt. Sollte diese ihre Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen, kann der Insolvenzverwalter auf unterlegene Interessenten zugehen - und von Swift Conjoy womöglich Schadenersatz verlangen.

Plathner hat sich bislang nicht zu neuen möglichen Investoren am Airport Hahn geäußert. Swift Conjoy hatte im Juni 2022 neue Investitionen und Jobs am Airport angekündigt. Bislang hat sie auf mehrere dpa-Anfragen nicht reagiert.

Der ebenfalls einst insolvente Nürburgring floriert mit dem aktuellen russischen Haupteigentümer Charitonin wieder. Die Rennstrecke in der Eifel hat etliche wirtschaftliche Standbeine von Motorsport und sogenannten Touristenfahrten von Hobbyrennfahrern über Firmenevents bis hin zum legendären Musikfestival Rock am Ring.

Kurz nach Russlands Überfall in der Ukraine hat im März 2022 ein Sprecher der Betreibergesellschaft des Nürburgrings erklärt, gemeinsam mit Charitonins Holding „stehen wir dafür, Menschen aus der ganzen Welt zusammenzubringen – fernab von Herkunft, Hautfarbe, Vorlieben oder Religion». Auch Russen und Ukrainer kämen zum Nürburgring. Charitonin findet sich auf keiner EU-Sanktionsliste für Russland.

Nach mehr als einem Jahr Hahn-Insolvenz in der Corona-Pandemie teilt Insolvenzverwalter Plathner mit: „Der Geschäftsbetrieb hat sich in den vergangenen Monaten erfreulich entwickelt. Es wurde ein ganzes Bündel an Sanierungsmaßnahmen umgesetzt, die den Flughafen Hahn wieder attraktiver für Airlines und Passagiere machen.» Der Betrieb an dem Airport mit einer seltenen und begehrten Nachtfluggenehmigung, aber ohne Bahnanschluss werde „in vollem Umfang weitergeführt».

Ein Sprecher von Plathner verweist auf gestiegene Erlöse bei den Parkgebühren trotz Tarifsenkungen und den neuen Duty-free-Shop in Eigenregie. Hinzu kommen ein wieder geöffnetes Schnellrestaurant und ein zusätzliches Café. Andere Läden wie etwa Boutiquen fehlen noch.

Die Zahl der Flugziele wächst hingegen wieder. Für den am 26. März 2023 beginnenden Sommerflugplan seien schon mehr Flugverbindungen als im Corona-Sommer 2022 angekündigt, sagt Plathners Sprecher. Ryanair zum Beispiel will von April 2023 an zusätzlich nach Faro in Portugal und Wizz Air ab Juni 2023 auch nach Kutaissi in Georgien fliegen.

Laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) steigerte sich die Zahl der Passagiere am Hahn vom Januar bis November 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 105,6 Prozent auf rund 1,26 Millionen. Das Frachtgeschäft verringerte sich indes um 14,9 Prozent auf 203 495 Tonnen.

Hahn-Betriebsratsvize Karl-Heinz Heinrich sagt: „Der Flugbetrieb läuft ganz normal weiter. Da sind wir zufrieden.» Plathner und der Chef für das operative Hahn-Geschäft, Rüdiger Franke, machten einen guten Job. Jetzt in den Weihnachtsferien und rund ums Jahresende floriere das Passagiergeschäft ohnehin. Mitten in der Insolvenz suche der Hahn auch händeringend weiteres Personal.

Derweil laufen die schon vor zweieinhalb Jahren begonnenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz am Hahn weiter. Es geht um den Verdacht auf bandenmäßige Untreue, Subventionsbetrug und Insolvenzverschleppung. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Worten Verfahren gegen einst „fünf Verantwortliche von sechs am Hahn tätigen Firmen und einen Geschäftspartner» eingeleitet. Die Dauer der Ermittlungen sei immer noch unklar, teilt eine Sprecherin nun mit. Das bei zwei Razzien sichergestellte Beweismaterial sei umfangreich.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort