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Leserbriefe: Altertümlich anmutend

Leserbriefe : Altertümlich anmutend

Zum Artikel „Land steckt Millionen in Digitales“ (TV vom 25. April) schreibt Ralf Werner:

Im Jahr 2012 habe ich mit meiner Familie ein kleines Haus im Ermesgraben in Schweich bezogen. Das Baugebiet wurde damals sehr gelobt und als „größtes Neubaugebiet in Rheinland-Pfalz“ angepriessen. Sicher auch zu Recht – die Lebensqualität in Schweich ist hoch, Geschäfte des täglichen Bedarfs sind in der Nähe, und über die gute Verkehrsanbindung ist man als Grenzgänger auch (relativ) schnell in Richtung Büro unterwegs.

Beim Einzug habe ich mich auch damals schon gewundert, warum in einem so großen Neubaugebiet nur DSL mit theoretisch 16 Mbit verfügbar ist (in der Praxis liegt der Downstream sogar nur bei 12 Mbit, der Upstream bei gut 2 Mbit). Eine altertümlich anmutende Internetversorgung.
Seitens der Politik hat man bereits 2012 groß mit den Schlagwörtern Breitband und Digitalisierung getönt. Ich habe dies zum Anlass genommen und 2014 das Büro der damaligen Staatssekretärin Bär angeschrieben. Nach einiger Zeit bekam ich auch Nachricht aus dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, in der mitgeteilt wurde, dass der Stadt Schweich die Grundproblematik bekannt sei und bereits Ansätze erarbeitet wurden, um die Versorgungssituation zu verbessern.
2018 wurde nun aus der Staatssekretärin eine Staatsministerin für Digitalisierung. Nachdem zwischen 2014 und 2018 (außer markigen Sprüchen der Politiker) nichts passiert ist, habe ich mir erlaubt, Frau Bär Ende März noch mal anzuschreiben und auf die Situation vor Ort hinzuweisen – keine Reaktion. Eine Rückfrage eine Woche später ergab, dass eine Antwort in Bearbeitung sei. Ende April wieder eine Erinnerung und Bitte um Beantwortung meines Anliegens – keine Reaktion.
Ich fasse zusammen: 2018 leistet sich Deutschland eine Staatsministerin für Digitalisierung, deren Mitarbeiter es nicht schaffen, Bürgeranfragen innerhalb von vier Wochen zu beantworten. Über Digitalisierung müssen wir an dieser Stelle wohl nicht mehr reden. Da wünscht man sich doch die Zeit zurück, als man kurze Nachrichten noch per Postkarte adressiert hat. Da wusste man, dass man inklusive Postlaufzeit innerhalb einer Woche eine Antwort hatte …

Ralf Werner, Schweich