1. Nachrichten
  2. Politik

Corona-Krise: Welche schärferen Kontaktregeln nun gelten

Coronavirus : Bund und Länder verschärfen Kontaktverbote - auch für Kinder

Kinder und Erwachsene dürfen sich privat bis zum 31. Januar mit weniger Menschen treffen als bislang erlaubt. Wer in einem Corona-Hotspot lebt, darf sich nur in einem bestimmten Radius bewegen. Welche Regeln nun gelten und welchen Lichtblick es gibt.

Wo es zu tiefroten Corona-Hotspots kommt, müssen Bewohner künftig beim Autofahren genau auf ihre Kilometeranzeige achten. Denn in Kreisen und Städten, die binnen von sieben Tagen 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner melden, sollen sich Menschen nicht in einem Bewegungsradius außerhalb von 15 Kilometer vom eigenen Wohnort bewegen, wenn kein triftiger Grund dazu vorliegt wie die Arbeit. Das stimmten Bund und Länder am Dienstag in einem gemeinsamen Papier ab.

Bei triftigen Gründen, um sich als Bürger aus einem Corona-Hotspot weiter als 15 Kilometer vom eigenen Wohnort zu bewegen, schloss die Politik tagestouristische Ausflüge explizit aus. Der Bewegungsradius für Hotspots kann damit auch als Reaktion auf überlaufene Wintersportgebiete wie den Erbeskopf im Hunsrück gelten. Aber: In Rheinland-Pfalz weist nur die Stadt Speyer einen derart hohen Wert an Neuerkrankungen auf, um als tiefroter Corona-Hotspot zu gelten.

Um Kontakte in der Corona-Krise noch weiter einzuschränken, dürfen sich Menschen vorläufig nur noch mit einer Person treffen, die nicht im eigenen Haushalt lebt. Das gilt auch für Kinder. „Das bedeutet harte Einschnitte für Kinder und Jugendliche, ich hätte mir eine andere Regel gewünscht“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Im Raum stand gar in einem älteren Entwurf, der unserer Zeitung vorliegt, Treffen mit Freunden und Bekannten aus anderen Haushalten vorläufig komplett zu verbieten. Zuletzt waren Treffen von fünf Menschen aus höchstens zwei Haushalten erlaubt – Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre waren davon ausgenommen.

Ansonsten geht der ursprünglich bis zum 10. Januar geltende Lockdown in die Verlängerung. Bis mindestens zum 31. Januar geschlossen bleiben weiterhin Gaststätten, Bars, Hotels, Restaurants, aber auch Freizeiteinrichtungen wie Kinos, Theater, Hallenbäder und Saunen. Auch die Schulen bleiben weiter im Fernunterricht. Dreyer kündigte eine schnelle Entscheidung von Bildungsministerin Stefanie Hubig an, wie es in den Schulen im Land – gerade für die Kleinsten – weitergehe. Kitas bleiben bei dringendem Bedarf geöffnet.

Eltern sollen im Jahr 2021 einen zusätzlichen Anspruch auf Kinderkrankengeld erhalten, kündigte Dreyer an. Der Bund wolle gesetzlich regeln, dass pro Elternteil zehn zusätzliche Tage gewährt werden können und 20 zusätzliche Tage für Alleinerziehende.

Dreyer betonte: „Wir hoffen, dass der Shutdown Wirkung zeigt und müssen weiter daran arbeiten, die Infektionszahlen zu senken.“ Die durchschnittliche Inzidenz im Land sei zwar binnen zwei Wochen von über 170 auf 110 gesunken, aber immer noch zu hoch. „Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht über den Berg. Krankenhäuser sind überlastet, viele Menschen sterben“, warnte sie in Mainz.

In Rheinland-Pfalz sind derzeit 16 935 Menschen an Covid 19 erkrankt, 222 liegen mit dem Virus in Krankenhäusern, 102 davon werden beatmet. 1582 Rheinland-Pfälzer sind in Verbindung mit dem Coronavirus seit Ausbruch der Pandemie gestorben.

Um das Infektionsgeschehen in Altenheimen weiter einzudämmen, verschärft das Land dort die Regeln.

Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, müssen Besucher sich dort künftig per Antigen-Schnelltest testen lassen, wenn das besuchte Heim in einem Kreis oder in einer Stadt liegt, wo die 7-Tage-Inzidenz höher ist als im Landesschnitt. Weitere Regeln in den Heimen bleiben bestehen: Besucher müssen dauerhaft eine FFP2-Maske tragen. Pro Bewohner ist höchstens ein Besucher pro Tag erlaubt, zwei, wenn die Besucher aus einem Haushalt stammen.

Immerhin: Biontech-Chef Ugur Sahin zeigte sich beim Neujahrsempfang von Ministerpräsidentin Dreyer zuversichtlich, die Corona-Krise in diesem Jahr entscheidend bekämpfen zu können.

Der Forscher kündigte an, dass „bis zum Sommer genügend Impfstoff da ist, um alle Menschen impfen zu können, die es wünschen“. Er verwies – neben dem Impfstoff der Mainzer Firma Biontech – auf weitere Mittel, die in den kommenden Wochen und Monaten vor der Zulassung stünden. Sahin sagte, in den kommenden Monaten gelte es weiter, diszipliniert zu bleiben, um aus der kalten Jahreszeit rauszukommen.

„Wenn wir es in der Zeit schaffen, ausreichend Impfdosen an die zu bringen, die sie nötig haben, haben wir den bestmöglichen Job getan.“