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Diskussion um verlängertes Renteneintrittsalter

Soziales : Rente mit 68? Viele sagen Nein dazu

Noch ist die Rente mit 67 nicht umgesetzt, da sorgt der Vorschlag für einen Renteneintritt mit 68 bereits für Aufregung. Was halten Politiker aus der Region und Gewerkschafter davon? Wir haben nachgefragt.

Wenn es darum geht, das Renteneintrittsalter weiter anzuheben, ist Ärger programmiert. Daher ist es nicht überraschend, dass der Vorschlag eines Beratergremiums von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für eine Rente mit 68 von den Gewerkschaften, Teilen der Politik (allen voran den Linken und der SPD, aber auch die CSU hat bereits ihr Nein verkündet) lautstark abgelehnt wird.

Es gebe viele Berufe, vor allem solche, in denen körperlich hart gearbeitet werde, bei denen Menschen nicht bis ins hohe Alter arbeiten können, formuliert DGB-Regionalgeschäftsführer James Marsh seinen Widerspruch gegen die Pläne.

Die Berater des Bundeswirtschaftsministers begründen ihren Vorstoß damit,  dass das Renteneintrittsalter  langfristig nicht von der Entwicklung der Lebenserwartung abgekoppelt werden könne. Sie schlagen eine „dynamische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung“ vor. Zuletzt wurde 2007 das Renteneintrittsalter erhöht. Für alle Jahrgänge ab 1964 gilt seitdem: volle Rente erst mit 67.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Rheinland-Pfalz bei 64 Jahren liegt. In der Region waren laut Statistischem Landesamt im Jahr 2018 rund 2200 sozialversicherungspflichtige Erwerbstätige älter als 65 Jahre, von insgesamt 177 000 hier in der Region beschäftigten Arbeitnehmern. Nach Angaben des DGB-Rentenreports für Rheinland-Pfalz waren 2018 lediglich sieben Prozent der 65-Jährigen im Land noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die von der Politik durchgeführte schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 an der Lebensrealität der Menschen im Land vorbeigehe, heißt es im Report des Gewerkschaftsbundes. Nach den vom DGB vorgelegten Zahlen bekommt ein Rentner in Rheinland-Pfalz durchschnittlich 1139 Euro, eine Rentnerin 667 Euro. Mit weniger als 650 Euro bei den Frauen liegt der Wert in der Region (mit Ausnahme von Trier) unter dem Durchschnittswert. Männer erhalten in den Kreisen Bernkastel-Wittlich, Vulkaneifel und Trier-Saarburg im Schnitt eine Rente von 1000 bis 1200 Euro. In Trier und im Eifelkreis liegt der Betrag unter 1000 Euro. Laut DGB ist jeder sechste Rentner in Rheinland-Pfalz armutsgefährdet. Und das könnte sich mit einer Anhebung des Renteneintrittsalters weiter verschärfen. „Viele ArbeitnehmerInnen haben überhaupt keine Aussicht, diese Altersgrenze zu erreichen“, sagt Corinna Rüffer, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Trier. Eine Anhebung des Rentenalters, „um eine versteckte Rentenkürzung durchzusetzen, ist Gift. Einen solchen Vorschlag kann nur jemand machen, der keine Idee davon hat, was körperliche Arbeit bedeutet“, so Rüffer. Es könne nicht sein  sein, dass die Menschen jährlich mit neuen Vorschlägen zum Renteneintrittsalter verunsichert würden, kritisiert der rheinland-pfälzische DGB-Chef Dietmar Muscheid die Pläne.

„Wer die Rente von morgen sichern will, sollte besser heute dafür sorgen, dass möglichst alle jungen Frauen und Männer einen Ausbildungsplatz und damit die Perspektive bekommen, als Fachkräfte zukünftige Beitragszahler zu werden.“

 Als „unsozial, unnötig und unzumutbar“ bezeichent die Trierer Linken-Bundestagsabgeordnete Katrin Werner den Vorschlag:  „Wir brauchen eine Rentenkasse, in die alle einzahlen, auch Beamte, Selbstständige sowie Politikerinnen und Politiker“. Auch Arbeitgeber müssten einen höheren Beitrag zur Rentenversicherung leisten, so Werner. „Damit wäre ein höheres Rentenniveau und eine Rente ab 65 möglich.“

Auch einige CDU-Politiker wie der Cochemer Bundestagsabgeordnete Peter Bleser lehnen den Vorstoß ab. Noch befinde sich das Gesetz für die Rente mit 67  in der Umsetzung, sagte der scheidende Parlamentarier unserer Redaktion. Er plädiert dafür, die Finanzierung der Rente durch „eine möglichst hohe Anzahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten“ sicherzustellen.  Darüber hinaus sei eine zusätzliche private Vorsorge  empfehlenswert.

Diese wiederum lehnt DGB-Regionalgeschäftsführer Marsh rigoros ab: „Menschen müssen von ihrer Rente leben können. Die private Vorsorge ist der falsche Weg.“

Die Diskussion über ein höheres Renteneintrittsalter dürfe kein Tabu sein, sagt der Eifeler CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder. Durch den Anstieg der Lebenserwartung und den demografischen Wandel stiegen die Ausgaben der Rentenversicherung. „Die Finanzierung der gesetzlichen Rente muss daher neu ausgerichtet werden. Anpassungen beim Renteneintrittsalter können dabei eine Stellschraube sein.“ Zunächst müsse aber die Rente mit 67 vollständig umgesetzt werden. Schnieder plädiert für einen flexiblen Renteneintritt: „Diejenigen, die jeden Tag körperlich anstrengende Arbeit leisten, können in vielen Fällen nicht über das 67. Lebensjahr hinaus arbeiten. Der Büroangestellte hingegen möchte vielleicht sogar länger arbeiten.“ Auch der aus Pellingen (Trier-Saarburg) stammende CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Steier ist für einen flexiblen Renteneintritt. Dazu sollte künftig die Anzahl der Beitrittsjahre berücksichtigt werden. „Ein Maurer, der bereits mit jungen Jahren in das System einzahlt, ist in diesem hohen Alter anders zu bewerten, als etwa ein Akademiker, der erst später begonnen hat, einzuzahlen.“ 

Die Hunsrücker FDP-Abgeordnete Carina Konrad spricht sich für eine neue Finanzierung des Rentensystems aus: Statt  Rente mit 68 für alle ist sie für eine gesetzliche Aktienrente nach schwedischem Vorbild.