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Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Kommentar : Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Nach Thomas Schmitt gibt es mit den Landräten Heinz-Peter Thiel und Gregor Eibes inzwischen zwei weitere prominente regionale Kommunalpolitiker, die schon gegen das Coronavirus geimpft worden sind. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass in den nächsten Tagen und Wochen wahrscheinlich weitere Namen dazukommen dürften.

Ist das skandalös oder doch eher ein Skandälchen?

Fakt ist, dass derzeit wohl nur wenige in der Haut der für die Bekämpfung der Corona-Pandemie-Folgen zuständigen Politiker und Experten auf Bundes-,   Landes- und regionaler Ebene stecken mögen. Sie tragen eine hohe Verantwortung, sind quasi rund um die Uhr gefordert und werden dennoch häufig  von Öffentlichkeit und Medien kritisiert. Das ist mit Sicherheit  nicht vergnügungssteuerpflichtig.

Allerdings: Gerade weil sie ständig im Fokus stehen, und die Erwartungshaltung einer immer dünnhäutiger  werdenden Bevölkerung an sie groß ist, sind derzeit Ehrlichkeit, Transparenz und Kommunikation ganz besonders gefragt.

Sicher gibt es gute Gründe, die für den Gesundheitsschutz zuständigen Landräte, Oberbürgermeister oder Dezernenten  mit hoher Priorität zu impfen. Wenn das aber so ist, muss das von den Betroffenen auch offensiv vertreten und gesagt werden.

Wer erst den Finger pflichtschuldigst hebt, nachdem er gefragt wurde, obwohl die eigene Impfung vielleicht schon wochenlang zurückliegt, kommt in Erklärungsnot. Da spielen vermeintlich gute Argumente für den frühzeitigen Termin keine Rolle mehr.

Die Glaubwürdigkeit ist angeknackst, wenn nicht sogar flöten. Und die Politikerverdrossenheit ist wieder ein Stückchen größer. Daran eine Mitschuld zu tragen, müssen sich  Herren Schmitt, Thiel und Eibes schon vorwerfen lassen.


r.seydewitz@volksfreund.de