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Geständnis: Geldautomaten-Sprenger vor dem Trierer Landgericht

Geständnis : Zwei Geldautomaten-Sprenger packen im Prozess vor dem Trierer Landgericht aus

Großer Tag der Geständnisse vor dem Landgericht Trier: Warum zwei Männer versucht haben, Geldautomaten in der Region zu sprengen. So liefen die geplanten Taten ab.

Pleiten, Pech und Pannen könnte über den gescheiterten Beutezügen zweier junger Männer aus dem Köln-Bonner Raum stehen, die im vergangenen Jahr versucht hatten, ihr knappes Budget mit der Sprengung von Bankautomaten aufzubessern. Nun sitzen die beiden Männer (nicht drei, wie irrtümlich berichtet) als Angeklagte vor der Vierten Großen Jugendkammer des Landgerichts Trier. Mit angeklagt ist eine junge Frau, die als Helferin im Hintergrund agiert haben soll. Sie gilt noch als Heranwachsende und befindet sich gegen Auflage auf freiem Fuß, die Jungs sitzen seit Juli 2020 in Untersuchungshaft. Keiner der drei Angeklagten ist vorbestraft. Wie berichtet, sollen die beiden Männer zwischen Mai und Juli 2020 in Hillesheim, Bernkastel-Kues, Königswinter und Antweiler (Kreis Ahrweiler) erfolglos versucht haben, Geldautomaten zu sprengen. Beim letzten Anlauf in Antweiler wurden die beiden auf frischer Tat ertappt und festgenommen.

Der gestrige Verhandlungstag sollte zum Tag der Wahrheit werden – die Verteidiger Marion Faust und Bastian Bödeker hatten ihren Mandanten wohl dringend nahegelegt, angesichts der erdrückenden Beweislage komplett auszupacken. Danach verlasen Faust und Bödeker die schriftlich fixierten Geständnisse, die bis ins Detail die Tatabläufe von der ersten Planung bis zum Ende in Antweiler wiedergaben. Chronischer  Geldmangel sei das einzige Motiv des damaligen Bundeswehrsoldaten und seines Kumpels gewesen. Die Idee, dagegen mit Automatensprengungen vorzugehen, habe man aus dem Internet bezogen. Die Angeklagten: „Auf Facebook wurde erklärt, dass dies gar nicht schwer sei. Und technische Anleitungen zur Automatensprengung mit Gas gibt es auch im Internet.“ Dabei kam den Angeklagten zu Hilfe, dass die dazu erforderlichen Funkfernzünder als Arbeitsmaterial für Pyrotechniker 2020 noch frei im Onlinehandel erworben werden konnten. Um dies unverfänglicher wirken zu lassen, musste die damalige Freundin des Hauptangeklagten die Bestellungen aufgeben. Und hauptsächlich  dafür sitzt sie nun mit vor Gericht. Der Angeklagte: „Dass ich sie da reingezogen habe, dafür möchte ich mich bei ihr in aller Form entschuldigen.“

Für eine Probesprengung mit dem ersten Material musste dann in einer Kiesgrube ein alter Kühlschrank herhalten. Und in Belgien wurden Tarnkennzeichen für den BMW des Hauptangeklagten gestohlen. Danach fühlte man sich fit für das erste Objekt, ein Sparkassen-Pavillon in Hillesheim. Die Angeklagten: „Wir gingen arbeitsteilig vor, es krachte gewaltig, ein Bild der Verwüstung. Aber der moderne, gesicherte Automat gab kein Geld her.“ Ein Automat in Königswinter wehrte sich mit seiner Vernebelungsanlage und einen Versuch in Bernkastel-Kues musste man abbrechen, weil ein später Bankkunde vorfuhr. Danach starteten sie den nächsten Versuch in Antweiler – nicht ahnend, dass sie schon von der Polizei observiert und dort erwartet wurden. „Wir wollten niemanden verletzen, deshalb sind wir wohl nicht radikal genug vorgegangen, das war immer von Angst begleitet. Wir sind froh, dass es vorbei ist“, sagen sie.