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Angeal Merkel: Die Altkanzlerin feilt an ihrer Zukunft

Angela Merkels Pläne : Einmal Kanzlerin, immer Kanzlerin

Angela Merkel ist seit Ende ihrer Kanzlerschaft abgetaucht. Was plant sie? Eines scheint sicher: Auf den Spuren ihrer Vorgänger Gerhard Schröder und Helmut Kohl wird sie wohl nicht wandeln.

Wenn Olaf Scholz (SPD) und seine Vorgängerin Angela Merkel (CDU) derzeit etwas gemeinsam haben, dann dies: Von beiden heißt es im politischen Berlin, sie seien abgetaucht. Kanzler Scholz bemüht sich freilich gerade, diesen Eindruck zu widerlegen, er regiert schließlich. Dem Vernehmen nach ist für kommenden Sonntag ein weiteres Fernsehinterview geplant, dann ein Gespräch mit einem großen amerikanischen Medium. Scholz reist Anfang der Woche nach Washington zu US-Präsident Joe Biden. Das passt. Politpensionärin Merkel hingegen plant im Moment nichts, zumindest nichts, worüber sie die Öffentlichkeit informieren würde. Wie immer ist es ihr egal, was an Gerüchten kursiert oder ob jemand fragt: Was macht eigentlich Merkel?

Einmal Kanzlerin, immer Kanzlerin. Ob man will oder nicht. Deswegen ist das Interesse nach wie vor groß daran, womit sich die 67-jährige nach 16 Jahren im Amt  künftig die Zeit vertreiben wird. Umso mehr, wo doch ein anderer Altkanzler, ihr direkter Vorgänger Gerhard Schröder, in der Russland- und Ukrainepolitik wieder kräftig mitmischt und damit seine eigene Partei, die SPD, in die Bredouille bringt.

Von Merkel sind solche Querschüsse nicht zu erwarten; das sagt jeder Weggefährte, mit dem man spricht. Erst Recht glaubt niemand, dass sie der Versuchung erliegen könnte, lukrative Jobs in der Wirtschaft anzunehmen. Gasmann Schröder ist da kein Vorbild. Dass Merkel den Ehrenvorsitz der CDU abgelehnt hat, wie Ex-Parteichef Armin Laschet kürzlich berichtete, wird in der Union dann auch so erklärt: Sie wolle nicht wie Helmut Kohl enden, der als Ehrenvorsitzender in den Gremiensitzungen gesessen und sich dann besserwisserisch eingemischt habe. Offiziell lautet die Begründung: „Die Auffassung der Bundeskanzlerin Angela Merkel ist, dass dieses Instrument des Ehrenvorsitzenden nicht richtig in die Zeit passt“, so Paul Ziemiak, inzwischen ehemaliger CDU-Generalsekretär. Unklar ist noch, wie die Union Merkel würdigen wird. Die große Abschiedssause fand wegen Corona nicht statt. Möglich ist eine Ehrung auf dem geplanten Präsenzparteitag im September.

Als Merkel noch regierte, meinte sie einmal: „Wenn ich im Kochtopf rühre, sage ich ja nicht, die Kanzlerin rührt jetzt im Kochtopf.“ Die Frage lautete, ob sie ihr Amt in der Freizeit ablegen könne. Wer Merkel mal am Rande von Veranstaltungen erlebt hat, der weiß, wie humorvoll und entspannt sie sein kann; ganz und gar nicht kanzlerinnenmäßig. Viel Freizeit hatte sie nie, ab und an ging es mit Ehemann und Freunden in ein Restaurant nahe der Friedrichstraße, hin und wieder ins Konzert oder sie machte am Wochenende ein Abstecher in ihr Ferienhaus in der Uckermark. Im Urlaub wurde meist gewandert. Inzwischen sollte man meinen, sie gönne sich ohne Amtsgeschäfte mehr. Nur was, bleibt im Verborgenen.

Wie ihre Trutzburg wirkt das Bundestagsgebäude Unter den Linden 71. Dort residiert jetzt Merkel, seit sie Anfang Dezember nicht mehr die Regierung führt. Mitarbeiter und Räumlichkeiten stehen ihr zu. Pflichtbewusst wie eh und je soll sie regelmäßig morgens ins Büro kommen; ihre gepanzerte Limousine und der Wagen der Sicherheit parken dann im Innenhof.  Oben in der vierten Etage hält ihr Team eisern dicht, wenn es um die Zukunftspläne der früheren Regierungschefin geht. Einzige Ausnahme - die Ankündigung ihrer Büroleiterin Beate Baumann, zusammen mit Merkel ein Buch schreiben zu wollen. Zwei bis drei Jahre werde man daran arbeiten. Seit 30 Jahren sind beide ein Team.

Merkel ist wie ein Geist, er erscheint plötzlich, dann ist er wieder weg. Mit Glück sieht man sie kurz beim Einkaufen, etwa im Berliner KaDeWe oder in ihrem Lieblings-Supermarkt an der Mohrensraße. Manchmal geht es nicht anders, dann muss sie sich doch einlassen. Als UN-Chef António Guterres Merkel das Angebot für eine Beraterrolle bei den Vereinten Nationen unterbreitete, ließ sie über ihr Büro dankend ablehnen. Kurz vor dem Ende ihrer Dienstzeit hatte sie erklärt, eine Pause machen zu wollen und zu überlegen, was sie „eigentlich interessiert“. Diese Phase scheint noch nicht endgültig abgeschlossen.

Wobei es im Berliner Betrieb dann doch Insider gibt, die glauben, mehr zu wissen. Also heißt es jetzt, bis zum Sommer werde Merkel tatsächlich „nichts“ machen. Dann aber wolle sie wohl Vorlesungen halten an den Hochschulen, die ihr die Doktorwürde verliehen haben – und mit dem besagten Buch beginnen. Verbrieft ist das nicht. Aber sollte es so kommen, hätte die Altkanzlerin wieder viel zu tun: 18 Ehrendoktorwürden wurden Merkel während ihrer Regierungszeit verliehen. Den letzten Titel erhielt sie vergangenes Jahr von der renommierten Johns-Hopkins-Universität in Washington. Immer eine Reise wert.