1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Inland

Corona-Folgen treffen prekär Beschäftigte besonders hart

Einbrüche auf dem Arbeitsmarkt : Corona-Folgen treffen prekär Beschäftigte besonders hart

Die Corona-Pandemie hat deutliche Spuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt hinterlassen. Minijobber, Leiharbeiter oder befristet Beschäftigte bekommen die Folgen am stärksten zu spüren. Dabei sind Frauen und ausländische Beschäftige überproportional betroffen. Und es zeigt sich auch ein Ost-West-Gefälle.

Die Corona-Pandemie hat für Beschäftige in prekären Arbeitsverhältnissen besonders schwere Folgen. So fiel der Beschäftigungsrückgang bei Minijobbern, Leiharbeitern oder befristet Beschäftigten mehr als dreimal so hoch aus (minus 5,2 Prozent) wie bei Normalbeschäftigten (minus 1,6 Prozent). Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die unserer Redaktion exklusiv vorliegt.

Besonders hart trifft es Minijobber, die ihren Job ohne Anspruch auf Sozialleistungen verloren, wie aus der Anfrage hervorgeht. Das gilt vor allem in jenen Branchen, die durch die Pandemie besonders gebeutelt sind. Im Gastgewerbe etwa betrug der Rückgang 27 Prozent. Befristet Beschäftigte oder Menschen in der Zeitarbeit hatten zwar Anspruch auf Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld. Da in dieser Beschäftigtengruppe die Löhne aber besonders häufig niedrig sind, fallen die Ansprüche meist deutlich geringer aus als bei den regulär Beschäftigten.

„Unternehmen schätzen die Flexibilität von Leiharbeit, Befristungen und Minijobs - die Zeche zahlen aber die Beschäftigten und die Allgemeinheit“, sagte die Vizefraktionsvorsitzende der Linken, Susanne Ferschl, unserer Redaktion. Das habe die Corona-Pandemie überdeutlich gezeigt. Sie forderte: „Unsichere und schlecht bezahlte Jobs, wie auch fehlende Ansprüche in der Sozialversicherung, müssen staatlich subventioniert werden.“ Trotzdem wolle die Bundesregierung prekäre Beschäftigungsverhältnisse nicht eindämmen. „Insbesondere Grüne und SPD begehen damit bei ihren Wählern Wortbruch“, kritisierte Ferschl. Sie sprach von einem „arbeitsmarktpolitischen Irrlichtern der Ampel“. Gerade Minijobs müssten in die sozialen Sicherungssysteme einbezogen werden.

Insgesamt arbeiteten im Jahr 2020 rund sieben Millionen Menschen in diesen sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Sie waren befristet tätig, in Teilzeit bis zu 20 Stunden pro Woche, als geringfügig Beschäftigte oder in Leiharbeit. Zum Vergleich: 26,4 Millionen Menschen waren in Normalarbeitsverhältnissen beschäftigt. Diese Zahlen gehen aus dem Mikrozensus 2020 hervor.

Dabei ist unter den atypisch Beschäftigender Anteil von Frauen mit 70 Prozent deutlich höher als von Männern. Bei der Teilzeit liegt der Frauenanteil sogar bei 78 Prozent. Zudem ist der Anteil von atypisch beschäftigen Ausländern (31 Prozent aller ausländischen abhängig Beschäftigten) eindeutig höher als unter Deutschen (19,4 Prozent aller deutschen abhängig Beschäftigten).

Ein Gefälle zeigt sich auch zwischen Ost und West: Im Osten liegt der Niedriglohnanteil selbst unter den Beschäftigten mit Normalarbeitsverhältnis (18,1 Prozent) mehr als doppelt so hoch wie im Westen der Republik (7,3 Prozent), wie aus der Anfrage hervorgeht. Auch Frauen sind häufiger von Niedriglöhnen betroffen (11,5 Prozent), das gilt selbst in Normalarbeitsverhältnissen. Unter Männern liegt der Niedriglohnanteil stattdessen bei sieben Prozent.

Beim Blick auf die verschiedenen Branchen zeigt sich, dass der Anteil von befristet Beschäftigten am größten im Bereich Erziehung und Unterricht (11,5 Prozent) ist, gefolgt vom Gastgewerbe (9,6 Prozent) und von Verkehr und Lagerei (7,5 Prozent). Den höchsten Anteil an Leiharbeitsbeschäftigten findet man ebenso im Bereich Verkehr und Lagerei (2,4 Prozent), im Bergbau und verarbeitenden Gewerbe (2,3 Prozent) sowie im Handel (1,9 Prozent).