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Deutschland, Indien und eine ganz besondere Energiewende

Deutsch-indische Regierungskonsultationen am Montag : Sehr viel erneuerbare Energie und der Krieg

Indien pflegt traditionell gute Beziehungen mit Russland. Das Land hat Energiehunger und will auf erneuerbare Energien umstellen. Dabei soll Deutschland helfen. Am Montag starten in Berlin die 6. deutsch-indischen Regierungskonsultationen – belastet durch den Ukraine-Krieg

Ring frei für die sechste Runde deutsch-indischer Regierungskonsultationen. Runde fünf war im November 2019. Die Bundeskanzlerin hieß noch Angela Merkel. Die Welt war eine andere. Wenn der indische Premierminister Narendra Modi mit großen Teilen seines Kabinettes am kommenden Montag zu den dann bereits sechsten deutsch-indischen Regierungskonsultationen nach Berlin kommt, hat sich nur eines nicht geändert: Indien, Riesenstaat und Subkontinent, hat eine einen immensen Hunger nach Energie. Seine 1,4 Milliarden Einwohner brauchen Strom, Wärme, Wasser – erst recht bei aktuellen Hitzegraden in Indien mit Temperaturen von 50 Grad und mehr. Und so werden Bundeskanzler Olaf Scholz und Premier Modi, wie auch einige ihrer Fachminister, mehrere Abkommen für eine Energiepartnerschaft unterzeichnen. Deutschland will Indien bei der nachhaltigen Entwicklung des Landes wie auch beim Umstieg auf Erneuerbare Energien helfen und unterstützen. Denn in Berlin ist man sich bewusst: Die großen globalen Herausforderungen wie Klimaschutz, Kampf gegen Erderwärmung und der Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter werden kaum gelingen, wenn das bevölkerungsreiche Indien nicht mit dabei ist.

Natürlich werden Scholz und Modi auch über den Ukraine-Krieg sprechen. Indien pflegt seit langem gute Beziehungen mit Russland und kauft auch Waffen- und Raketensysteme von dort. Die Bundesregierung hat sehr wohl registriert, dass Indien zur Gruppe jener 35 Staaten gehörte, die sich bei einer Dringlichkeitssitzung der UN-Generalversammlung Anfang März in New York einer (rechtlich nicht bindenden) Verurteilung des russischen Angriffskrieges nicht angeschlossen hat. Indien enthielt sich – ebenso wie China – der Stimme – auch zur Forderung nach einem sofortigen Truppenabzug aus der Ukraine. Zuletzt war der russische Außenminister Sergej Lawrow zur Kundenakquise in Neu-Delhi, um neue Abnehmer für russisches Gas zu finden. Schließlich muss Moskau die durch den Bruch mit Europa schwindende Liefermenge bei Gas irgendwie ausgleichen. Indien wäre da mit seinem großen Energiebedarf ein lukrativer Vertragspartner. Lawrow lobte die Inder für deren neutrale Haltung im Ukraine-Krieg. „Wir wissen es zu schätzen, dass Indien die Situation in der Gesamtheit der Fakten und nicht einseitig betrachtet“, so Lawrow.

Scholz wird im Gespräch mit Modi die Stimmung testen. Und dann über eine Einladung entscheiden. Denn bislang ist noch offen, ob Deutschland, das in diesem Jahr die G7-Präsidentschaft hat, Indien als Gastland zum G7-Gipfel Ende Juni im oberbayerischen Elmau einladen werde. Die Regierung Modi hat sich bislang den Sanktionen des Westens gegen Russland nicht angeschlossen, sondern vielmehr die Öl-Importe aus Russland erhöht. Doch genau davon will Indien durch die Partnerschaft mit Deutschland für nachhaltige Entwicklung und den Umstieg auf Erneuerbare Energien ja eigentlich runter.