1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Inland

Karl Lauterbach besorgt über Impfsituation

Entwicklung der Corona-Zahlen : Experten geben vorsichtig optimistischen Ausblick

Omikron breitet sich in Deutschland rasant aus - aber niemand weiß, wie groß die Welle schon ist. Millionen Ältere ohne Impfschutz gelten als akut gefährdet. Doch insgesamt macht Omikron auch etwas Hoffnung.

Bundesregierung und führende Experten blicken mit vorsichtigem Optimismus, aber akuter Sorge um die Millionen Ungeimpften auf die wachsende Omikron-Welle in Deutschland. „Vorsorge und Vorbereitung auf die Omikron-Welle ist das Gebot der Stunde. Wir haben in diesen Tagen in der Hand, wie hoch die neue Welle bei uns wird“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion Janosch Dahmen. Er zeigte sich offen für weitere Verschärfungen. „Wenn wir Signale bekommen, dass Krankenhäuser überlastet und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur bedroht sind, müssen wir mit zusätzlichen Konktaktbeschränkungen gegensteuern“, sagte Dahmen. Er mahnte an, die Empfehlung des Expertenrats zur Grundlage für die Entscheidungen von Bund und Ländern zu machen.

An diesem Dienstag wird das Gremium, dem Virologen und andere Experten angehören, erneut zusammentreten. Auch die Bildungsminister der Länder wollen am Mittwoch beraten, am Freitag folgt dann eine Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zur Corona-Lage. Es wird erwartet, dass dann über Anpassungen wie eine verkürzte Quarantänedauer gesprochen wird. Vor dem Hintergrund der Sorge vor einem schlagartigen Personalausfall in Kliniken und anderen Versorgungsbereichen hatte es Forderungen nach einer kürzeren Quarantänepflicht gegeben, andere Staaten haben diese bereits umgesetzt.

Dahmen sprach sich dagegen aus. „Eine Verkürzung der Quarantäne ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll, weil wir damit ein Instrument gegen die Weitergabe des Virus abschwächen. Insbesondere wegen der hochübertragbaren Omikron-Variante sind ausreichende Quarantäne-Zeiten zur Eindämmung der Ansteckungen nötig“, sagte er. „Es ist aber nicht ausschließen, dass wir zur Aufrechterhaltung kritischer Infrastruktur irgendwann gezwungen sind, die Quarantäne-Regeln anzupassen. In dieser Situation sind aber noch nicht.“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte sich bereits offen für einen solchen Schritt gezeigt. Er warnte nun eindringlich davor, die Omikron-Variante nicht ernst genug zu nehmen. Studien zeigten, dass sich Omikron wesentlich schneller verbreite, aber auch etwas weniger schwere Fälle verursache, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) der „Bild am Sonntag“. „Das ist aber keine Entwarnung für ältere Ungeimpfte.“ Knapp 13 Prozent der mehr als 24 Millionen Menschen ab 60 sind nicht gegen Corona geimpft. Insgesamt sind mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland nicht geimpft. Die Corona-Inzidenz stieg am Sonntag den vierten Tag in Folge.

Der Wert lag bei 222,7 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche. An den Feiertagen wurden aber laut Robert Koch-Institut (RKI) wohl viele Fälle nicht erfasst. Derzeit ist deshalb unklar, wie hoch die Omikron-Welle in Deutschland bereits ist. Ihr Höhepunkt wird erst noch erwartet. Binnen eines Tages gab es 12.515 Neuinfektionen.

Lauterbach ist nach eigenen Worten „sehr, sehr in Sorge“ um die Ungeimpften. Er appellierte noch einmal an die Menschen, sich gegen Corona impfen zu lassen. „Viele Ungeimpfte haben das Gefühl, dass der Zug für sie eh abgefahren sei. Das stimmt nicht!“ Die erste Impfung senke das Sterberisiko bereits nach 14 Tage drastisch. „Mit der Steigerung der Erstimpfungen können wir in der Omikron-Welle die Zahl der Corona-Toten wirksam senken“, sagte er.

Wegen der befürchteten explosionsartigen Ausbreitung von Omikron fürchten die Expertinnen und Experten weiter eine Überlastung der Kliniken, obwohl die Variante seltener krank macht. Nach Angaben des Berliner Virologen Christian Drosten trägt ein Ungeimpfter mit Omikron-Infektion drei Viertel des Risikos einer Klinikeinweisung eines Ungeimpften mit der Delta-Variante von Corona. Für Ungeimpfte vor allem über 60 wird es laut Drosten jetzt „richtig gefährlich“.

Hoffnungsvolle Vorhersagen gibt es für kommendes Frühjahr. Erwartet wird, dass es im Frühjahr an Omikron angepasste Impfstoffe gibt. Geimpfte haben laut dem Virologen Drosten nach einer weiteren an Omikron angepassten Impfung einen breiten Schutz gegen die Varianten. Nicht verlassen könne man sich darauf, dass Ungeimpfte, die mit Omikron erstmals eine Corona-Infektion bekommen, „dass die damit auch geschützt sind gegen Delta und alle Vorgängerviren, die co-zirkulieren werden“, sagte Drosten am Freitag im Deutschlandfunk.

 An diesem Montag enden in mehreren Bundesländern die Weihnachtsferien. Grünen-Gesundheitsexperte Dahmen forderte angesichts dessen mehr Tests. „In den Schulen brauchen wir tägliche Tests und leider auch die Maskenpflicht. Die beste Test-Methode für die Schulen sind PCR-Pool-Tests, weil sie am zuverlässigsten Infektionsherde sichtbar machen“, sagte er. Die Offenhaltung von Schulen und Kitas habe Priorität. Auch die neue Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Karin Prien (CDU) hatte sich entsprechend geäußert. „Die Schulen sollten das Letzte sein, was noch einmal flächendeckend geschlossen wird. Das Infektionsschutzgesetz enthält nach der Änderung keine Rechtsgrundlage für flächendeckende Schulschließungen“, sagte die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein.