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Kinderärzte rechnen noch in diesem Jahr mit Impfstoff für unter 12-Jährige

Schutz vor Corona : Kinderärzte rechnen noch in diesem Jahr mit Impfstoff für unter 12-Jährige

Kinder unter 12 Jahren sind die einzige Bevölkerungsgruppe, für die es noch keine Zulassung von Corona-Impfstoffen gibt. Sollte es soweit kommen, ist aber noch eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission entscheidend.

Deutsche Kinder- und Jugendmediziner rechnen zeitnah mit einem Corona-Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren. Das sagte Jörg Dötsch, Direktor der Kinderklinik an der Uni-Klinik Köln und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, unserer Redaktion. „Wir erwarten noch in diesem Jahr eine Zulassung des Impfstoffes für die unter 12-jährigen“, so Dötsch. Dass die Ständige Impfkommission (Stiko) dann gleich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen wird, zweifelte Dötsch jedoch an. „Es ist wahrscheinlich, dass nach der Zulassung die Stiko eine eingeschränkte Empfehlung für Risikogruppen, zum Beispiel Kinder mit schweren chronischen Erkrankungen, aussprechen wird“, sagte Dötsch.

Das deutsche Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten vor einer Woche für ihren Corona-Impfstoff eine Notfallzulassung für den Einsatz bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragt. Die entsprechenden Daten seien der Behörde übermittelt worden, teilte Pfizer via Kurznachrichtendienst Twitter mit. Ein Beratergremium der FDA will sich am 26. Oktober mit dem Antrag befassen. Zuvor hatten klinische Studien gezeigt, dass der Impfstoff von Kindern in dieser Altersgruppe gut vertragen wird und eine stabile Immunantwort hervorruft.

Käme es zu einer Zulassung in Deutschland und zu einer auch nur eingeschränkten Stiko-Empfehlung, würde Kinder- und Jugendarzt Dötsch dies begrüßen. „Dies wäre eine sehr gute und wichtige Verbesserung für die betroffenen Kinder und deren Familien“, sagte er. „Nach unserer Einschätzung ist auch wahrscheinlich, dass die Stiko mit einer Empfehlung für alle Kinder und Jugendlichen wartet, bis umfangreichere Daten zu den Nebenwirkungen in der Altersgruppe vorliegen.“ Hintergrund sei der relative milde Verlauf von Covid-19 bei den unter 12 –Jährigen.

Eine mögliche Impfempfehlung für Kinder unter 12 Jahren wird aus Sicht der Stiko aber noch schwieriger als die für 12- bis 17-Jährige. Kein Kind unter 17 sei in Deutschland ausschließlich an Covid-19 gestorben, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens vor wenigen Tagen. Weil die Krankheitslast bei den 12- bis 17-Jährigen so gering gewesen sei, sei die Entscheidung zur Impfung in der Nutzen-Schaden-Abwägung so schwierig gewesen. „Bei den Jüngeren wird das noch schwieriger sein“, sagte Mertens.