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Schwimmen lernen: So wichtig, so schwierig

Trier/Mainz   : Schwimmen lernen: So wichtig, so schwierig

Viele Schwimmbäder sind zu, die Kinder sitzen auf dem Trockenen. Die CDU im Land erwartet von der Regierung, Badbetreibern mit einem Millionenpaket durch die Corona-Krise zu helfen.

Weil Schwimmbäder in vielen Kommunen in diesem Sommer entweder völlig geschlossen sind oder wegen Corona weniger Besucher zulassen, weichen risikofreudige Badefans gerne auf Flüsse aus. Die Mutproben sind gefährlich, weil Strömungen unberechenbar und die Gewässer nicht überwacht sind.

Drastische Erwartungen äußert der Deutsche Schwimmlehrerverband, der in diesem Jahr von bis zu 20 Prozent mehr Badetoten in Deutschland ausgeht. Ein tragischer Fall Ende Juni schreckte auf: Da ertrank ein fünfjähriger Junge im hessischen Trebur im Rhein. Seine Mutter starb beim Versuch, ihren Sohn zu retten. Beide Opfer konnten angeblich nicht schwimmen.

Auch die rheinland-pfälzische Landespolitik versetzte der tragische Unfall in Alarmbereitschaft. Dirk Herber, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Mainzer Landtag, fordert die Landesregierung auf, mit Fachverbänden ein Konzept zu erarbeiten, damit Kinder schneller schwimmen lernen. „Kinder müssen schwimmen können, wenn sie an die weiterführenden Schulen gehen“, fordert Herber.

Daran mangele es in Rheinland-Pfalz, weil es an Schwimmbädern fehle, moniert die CDU. An rund 200 Grundschulen im Land, so zeige die Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der CDU-Fraktion, dauere der Weg zum nächsten Schwimmbad 30 Minuten. Schwimmunterricht falle bei solchen Entfernungen oft aus.

In der Corona-Krise drohten Schwimmflächen im Land weiter zu verschwinden, weil viele Bäder geschlossen seien. Schwimmbäder, in denen Rheinland-Pfälzer derzeit planschen dürfen, drohe ein höheres Defizit wegen wegbrechender Einnahmen und Hygienekosten. Herber schlägt daher ein Sofortprogramm von fünf Millionen Euro vor, um Bäder überhaupt zu erhalten. Langfristig brauche es dann noch weitere Investitionen in die Schwimmbäder. Der CDU-Politiker warnt davor, dass die Kommunalaufsicht ADD den Rotstift im kommenden Jahr angesichts überstrapazierter Haushalte bei freiwilligen Leistungen wie Schwimmbädern ansetze.

An Schulen schlägt Herber mehr Lehrschwimmbecken, ausgebildete Schwimmlehrer vor und denkt an Anreize wie kostenlose Saisonfreikarten, wenn Kinder das Bronze-Zeichen erwerben. „Die Landesregierung hat den Schwimmunterricht in Schulen schon vor der Corona-Krise sträflich vernachlässigt“, sagt Herber.

Das Innenministerium widerspricht der CDU-Kritik, Kommunen bei Schwimmbädern im Stich zu lassen. Obwohl der Bau und Betrieb von Schwimmbädern in kommunaler Hand liege, habe das Land von 2006 bis 2019 mehr als 100 Millionen Euro an Zuschüssen für Sanierungen bewilligt, teilt das SPD-geführte Haus mit. Den Vorwurf zu weiter Entfernungen weist Stich zurück. „Über 88 Prozent der rheinland-pfälzischen Schulen sind in einem Umkreis von sieben Kilometern eines Schwimmbads gelegen. In einem ländlich geprägten Bundesland wie Rheinland-Pfalz mit sehr vielen kleinen Gemeinden halte ich das für einen beachtlichen und wirklich vorzeigbaren Wert.“ Trotz der guten Bäderinfrastruktur habe die Landesregierung „noch einmal zusätzlich einen Schwimmbadfördertitel eingerichtet, der seit 2018 ansteigend bis zum Haushaltsjahr 2020 mit rund 5,3 Millionen Euro jährlich ausgestattet ist“, betont Innenstaatssekretär Randolf Stich auf Anfrage unserer Zeitung. Die Summe solle auch über 2020 hinaus jährlich verstetigt werden

Geht es um den Schwimmunterricht, sieht der Eifeler Oliver Pick (Landesvize der Lehrergewerkschaft VBE) in Teilen der Region einen „Mangel an Übungsplatz“. Die Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der CDU zeigt mit Zahlen des Schuljahres 2018/19, dass es vielen Grundschülern in der Region an Schwimmunterricht fehlt. Der Anteil an Grundschulen, die keinen Schwimmunterricht anboten, lag da in Trier mit 13 Prozent und in der Vulkaneifel mit 15,4 Prozent zwar deutlich unter dem landesweiten Schnitt von 38,2 Prozent. Trister sah es im Eifelkreis Bitburg-Prüm, Trier-Saarburg und dem Kreis Bernkastel-Wittlich aus, wo je 40 Prozent und 45,2 Prozent der Grundschulen auf Schwimmunterricht verzichteten. Pick sagt aber, das Land lege inzwischen großen Wert darauf, mehr Lehrer im Schwimmunterricht fortzubilden. Schwimmen zu können, räumt Pick ein, helfe bei Badeunfällen in Flüssen wohl kaum. „Den gefährlichen Strömungen begegnet man auch kaum, wenn man schwimmen lernt“, sagt Pick.

Ein rigoroses Verbot, in Flüssen zu schwimmen, lehnt der CDU-Abgeordnete Herber ab. Er schlägt vor, an großen Flüssen wie Mosel und Rhein Flächen auszuweisen und von Rettungskräften überwachen zu lassen. „Ein Verbot würde viele Menschen eher dazu verleiten, sich noch lauschigere, verstecktere Plätzchen zu suchen. Das würde mehr Unfälle provozieren“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete.