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Laut einer Umfrage ist Mehrheit für Wechselunterricht

Coronavirus : Eltern wollen, dass Schule wieder beginnt

Laut einer Umfrage ist Mehrheit für Wechselunterricht, aber gegen den Wegfall von freien Tagen.

Ein Stück mehr Normalität, das ist es, was sich Eltern und Lehrer wünschen. Schrittweise soll die zurückkommen. Seit gestern dürfen wieder alle Fünft- und Sechstklässler in die Schule – zumindest wechselweise. Es ist nach der Rückkehr der Grundschüler vor zwei Wochen der zweite Schritt zur Öffnung der Schulen. Diese waren kurz vor den Weihnachtsferien geschlossen worden. Seitdem wurde die Mehrzahl der Schüler im Fernunterricht unterrichtet. Nächste Woche, 14 Tage vor den Osterferien, sollen dann alle anderen Schüler wieder in den Wechselunterricht kommen.

Laut einer Umfrage der Landeselternvertretung befürwortet eine Mehrheit der Eltern die Rückkehr der Schüler in die Schule – allerdings nur in den Wechselunterricht. Demnach waren 57,8 Prozent der Eltern für eine Öffnung der Grundschule für den Wechselunterricht. Für den reinen Präsenzunterricht stimmten laut Landeselternvertretung nur 28,7 Prozent. „Was sehr interessant ist, die Prozentzahl der noch Unentschlossenen ist mit 32,4 Prozent einigermaßen hoch“, so Landeselternsprecher Reiner Schladweiler aus Temmels (Trier-Saarburg). Noch höher sei die Zahl der Unentschlossenen bei den Eltern von Kindern an weiterführenden Schulen. „39,9 Prozent der Befragten sind hier noch hin- und hergerissen“, so Schladweiler.

Für eine Öffnung der weiterführenden Schulen in den Wechselunterricht waren laut der Umfrage etwas mehr als die Hälfte, 21 Prozent hätten sich für einen reinen Präsenzunterricht an weiterführenden Schulen ausgesprochen.

Die Bildungsminister der Länder waren sich einig, dass alle Schüler vor Ostern zurückkehren sollten in die Schulen. In der Praxis heißt das aber nicht, dass für alle Schüler bis zu den Ferien auch zusammenhängender Unterricht möglich ist. Da die meisten Schüler zum Wechselunterricht kommen, bedeutet die Rückkehr der Siebt- bis 13-Klässler, dass sie maximal eine Woche zur Schule kommen. Zieht man Gymnasien noch die Tage ab, an denen die mündlichen Abiturprüfungen stattfinden, reduziert sich die Präsenz in den Schulen noch einmal.

Damit die Kinder überhaupt am Fernunterricht teilnehmen können, mussten laut der Umfrage 69 Prozent der Eltern erst einmal digitale Endgeräte für ihre Kinder anschaffen. Nur elf Prozent der Schüler hätten von der Schule einen Laptop oder ein Tablet erhalten, davon sei aber jedes fünfte Gerät nicht kompatibel gewesen mit der Schulsoftware.

„Wollen wir zu einer möglichst großen Normalität an den Schulen zurückkehren, was der Wunsch vieler Lehrkräfte, Eltern sowie vor allem der Schülerinnen und Schüler ist, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden, die sicherstellen, dass Schulen keine Infektionsherde werden“, sagt Klaus-Peter Hammer, Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW. Vor allem die neuen Varianten des Coronavirus bereiteten nicht nur den Lehrkräften große Sorgen. „Auch die Eltern haben Angst, dass über ihre Kinder das Virus in die Familien getragen werden könnte“, sagt Hammer.

Eine klare Absage erteilen die Eltern Forderungen auf bewegliche Ferientage zu verzichten, um mögliche Lerndefizite durch Homeschooling auszugleichen. 64 Prozent der Eltern waren bei der Umfrage für die Beibehaltung dieser Tage, rund 27 Prozent würden darauf verzichten.

Auch der Philologenverband, die Interessensvertretung der Lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen, ist dagegen, dass Ferien verkürzt werden oder auch an Samstagen Unterricht stattfindet. „An den Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz ist auch während der Zeit der Schulschließungen qualitativ hochwertiger Fernunterricht geboten worden. Schülerinnen und Schüler haben diese Angebote dankbar genutzt, und auch von Elternseite gab es an dieser Stelle viel Lob“, so die Landesvorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, Cornelia Schwartz. Diese Art von Unterricht fordere nicht nur Schülerinnen, Schüler und deren Eltern, sondern „in extremem Maße auch Lehrkräfte, die sich bisher mehr oder weniger klaglos mit technischen Geräten und schnellem Internet selbst und auf eigene Kosten ausgestattet haben“. Der Philologenverband sei der Auffassung, „dass da, wo gut gearbeitet wurde, auch eine Pause dringend notwendig ist: für Schüler sowie Lehrer“.