1. Nachrichten
  2. Politik

Warum Donald Trump nochmals Präsident werden will​

US-Wahlen : Warum Donald Trump nochmals Präsident werden will

Donald Trump möchte noch einmal Präsident der Vereinigten Staaten werden. Seine Berater hatten versucht, den Ex-Präsidenten davon abzuhalten, die erneute Kandidatur so kurz nach dem Debakel bei den Zwischenwahlen anzukündigen.

Lieblingstochter Ivanka schaffte es nicht, von Miami auf einen Sprung nach Palm Beach zu kommen, um live dabei zu sein, als ihr Vater versprach, „Amerika wieder großartig und glorreich zu machen“. Sie zog es vor, bei ihren Kindern zu bleiben. Auch Ehemann Jared Kushner fand keine Zeit für die Ankündigung der erneuten Kandidatur seines Schwiegervaters. Ebenso wie kein einziger Republikaner aus dem US-Kongress Donald Trump vor Ort die Ehre erwies. Der hatte seinen Auftritt vor einem Meer aus 33 Sternenbannern im goldenen Ballraum von Mar-A-Lago so terminiert, dass eine Anreise aus Washington trotz Wahlen der neuen Fraktionsführung in Senat und Repräsentantenhaus möglich gewesen wäre.

Der Kongressabgeordnete Matt Gaetz aus Florida, einer von Trumps bisherigen Superfans, schob sein Fernbleiben auf das Wetter. Da der Wetterdienst keine besonderen Vorkommnisse gemeldet hatte, dürfte es eher die politische Großwetterlage gewesen sein, die ihn und andere von einer Stippvisite in der Strandvilla abgehalten hatten.

Trump hatte den Republikanern bei den Zwischenwahlen zum Kongress durch die Unterstützung extremer Kandidaten den Senat gekostet und ihnen statt einer „roten Welle“ bestenfalls eine hauchdünne Wackelmehrheit im Repräsentantenhaus gebracht. Seine Berater hatten versucht, den Ex-Präsidenten davon zu überzeugen, dass dies kein guter Zeitpunkt sei, den Hut für das Weiße Haus noch einmal in den Ring zu werfen. Zumal die Republikaner tief zerstritten darüber sind, wer die Verantwortung für das Wahldebakel trägt.

Trump wies in seiner Rede jede Schuldzuweisung zurück. Die „Fake News“ verschwiegen die großartige Bilanz seiner Kandidaten bei den Midterms. Wie an so vielen Stellen seiner anfangs mit wenig Energie vom Teleprompter abgelesen Ausführungen nahm es Trump mit den Fakten nicht so genau. Die meisten von ihm unterstützten Kandidaten traten in sicheren Wahlbezirken an, die mit oder ohne seiner Rückendeckung gewonnen hätten. Es waren Trumps MAGA-Bewerber in den Wechselwähler-Staaten und Wahlkreisen, die verloren und der Partei seit den Midterms 2018 die dritte Schlappe in Folge eingetragen hatten. Trumps Top-Berater Jason Miller hatte eine 35 Minuten lange „sehr nach vorn gerichtete Rede“ versprochen. Stattdessen klagte der Ex-Präsident darüber, wie Joe Biden eine unter seiner Führung glänzende und starke Nation abgewirtschaftet habe. Der bald 80-jährige Demokrat sei so senil, „dass er auf Reisen in Idaho, willkommen in Florida sagt“. Der Präsident aber nutzte messerscharf sein Megafon, um kurz vor 21 Uhr Ostküstenzeit Trump vom fernen Bali aus die Show zu stehlen. Während dieser kurz darauf darüber spekulierte, wie China ihn die Wahlen 2020 gekostet hätte, wie die Menschen um ihren Truthahn zu Thanksgiving fürchten müssten, oder sich über Angela Merkels Akzent echauffierte, sprach Biden über den Weltfrieden. Die in Polen eingeschlagene Rakete sei nach allem, was bekannt sei, nicht von Russland aus abgeschossen worden. Aus 35 Minuten machte Trump 65 Minuten. „Amerikas Comeback beginnt genau jetzt“, verkündet der Redner im dunkelblauen Anzug und roter Krawatte. „Seid ihr bereit?“ Ergeben schallen ihm aus dem Ballsaal von Mar-A-Lago „Yeah!“- und „Trump“-Rufe entgegen.

Kurz darauf blendete nicht nur CNN die Live-Übertragung aus. Selbst sein Haussender Fox hatte genug. Weniger Glück hatten die Gäste vor Ort in Mar-A-Lago, die Ordner daran hinderten, den Ballraum zu verlassen. Der konservative „Drudge-Report“ brachte das Spektakel trocken auf den Punkt. „721 Tage bis zu den Wahlen...“ titelte er auf seinem Portal. „Die Chancen sind im freien Fall“. So beurteilen viele Analysten den denkwürdigen Abend in von Mar-A-Lago. Am besten brachte es der Kolumnist der Washington Post, Dana Milbank, auf den Punkt. „Der Zauber ist weg“.