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Was die neuen Corona-Regeln für die Menschen bedeuten

Corona : Für Ungeimpfte wird es ungemütlich

Das sind die neuen Corona-Regeln ab Mittwoch: In vielen Bereichen haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt.

Die strengeren Maßnahmen seien notwendig, weil es noch immer zu viele Ungeimpfte gebe, sagt der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). Er macht sehr deutlich, dass er kein Verständnis hat für Impfverweigerer. Es müsse Schluss sein, dass sich Menschen vor der Corona-Impfung drücken. „Die Einstellung, dass Menschen sagen: Das geht mich nichts an, sollen doch andere ihren Beitrag leisten, die können wir uns nicht mehr erlauben. Jetzt ist Solidarität gefragt. Alles andere ist fahrlässig und unverantwortlich“, sagt Hoch bei einer Pressekonferenz in Mainz. Es gebe ausreichend Impfstoff und genügend Möglichkeiten, sich impfen zu lassen. Neben den sogenannten Booster-Impfungen sei es jetzt auch wichtig, noch bestehende Impflücken zu schließen. Er appellierte daher: „Nutzen Sie die flächendeckenden Impfangebote im Land, neben den niedergelassenen Ärzten auch die Impfbusse, die kommunalen Impfangebote, die 21 Krankenhausstandorte und die reaktivierten Impfzentren, die ebenfalls ab dieser Woche in die Impfkampagne einsteigen.“

In der Region beteiligen sich die Krankenhäuser in Bitburg, Hermeskeil, Gerolstein und das Mutterhaus in Trier an den Impfungen. Auch das Impfzentrum in Trier öffnet ab Mittwoch wieder.

Hoch ist überzeugt, dass die ab Mittwoch geltenden strengeren Corona-Maßnahmen dazu führen, dass sich mehr Menschen, die bislang noch nicht gegen Corona geimpft sind, sich für eine Impfung entscheiden werden. Von Mittwoch an gilt ein Quasi-Lockdown für Ungeimpfte. Er hofft auch, dass eine allgemeine Impfpflicht, wie sie jetzt diskutiert wird, damit auch überflüssig wird. Hoch ist noch nie ein Freund gewesen von einer verpflichtenden Impfung für alle. Zudem, so sagt er, hätten sich Bund und Länder bei ihrer Runde am vergangenen Donnerstag gerade erst auf eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie etwa in Pflegeheimen und Krankenhäusern verständigt. Zunächst sollte diese Vereinbarung umgesetzt werden, bevor nun wieder ein neuer Vorschlag auf den Tisch kommt.

Ohnehin scheint der Minister nicht sonderlich gut auf die Beschlüsse der Ministerpräsidenten-Konferenz zu sprechen zu sein. Vor allem was die 2G-Regel angeht. Ungeimpfte werden von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen, wenn in einem Bundesland die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz über einem Wert von drei liegt. In Rheinland-Pfalz ist das seit Tagen der Fall, allerdings mit leicht fallender Tendenz.

Hoch verteidigt das bisherige System in Rheinland-Pfalz mit drei Warnstufen. Das habe gut funktioniert. Und es hat sich an mehr an der regionalen Corona-Lage orientiert, je nach Inzidenz und dem Anteil der Covid-Patienten in den Krankenhäusern. Von Mittwoch an gilt bundesweit, dass allein die Hospitalisierungsinzidenz über die Corona-Maßnahmen entscheidet. „Wir halten uns dran“, sagt Hoch zähneknirschend. Und fügt hinzu: „Die Hospitalisierungsinzidenz ist nun mal wie sie ist.“

Ab Mittwoch heißt es dann in vielen Bereichen für Ungeimpfte: Wir müssen draußen bleiben. Dann gilt im gesamten Land die sogenannte 2G-Regel. Das heißt, Zutritt haben nur nachweislich Geimpfte und Genesene. Ungeimpfte dürfen dann zum Beispiel nicht mehr in Kneipen, Restaurants, Kinos, Clubs, Fitness-Studios oder auch zum Friseur. Ausnahmen gibt es laut Hoch nur für Personen, die aus medizinischen Gründen nicht gegen das Coronavirus geimpft werden können (sie müssen eine qualifizierte ärztliche Bescheinigung über die entsprechende Diagnose vorlegen) sowie für Kinder und Jugendliche bis einschließlich elf Jahre. Für Kinder von 12 bis 17 Jahren wird ein zusätzlicher Test benötigt.

2G gilt dann bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen und im Freien mit festen Plätzen oder wenn die Veranstalter von sich aus entscheiden, nur Geimpfte und Genesene reinzulassen wie etwa beim Trierer Weihnachtsmarkt. Auch in die Innengastronomie (Ausnahme: Kantinen und Mensen), in Hotels, Pensionen und Jugendherbergen dürfen nur noch Geimpfte und Genesene. Das gilt auch für Museen. Auch bei Bus- und Schiffsreisen gilt 2G, ebenso bei körpernahen Dienstleistungen wie etwa beim Friseur oder bei der Nagelpflege. Auch Sport in Innenräumen (das gilt auch für Schwimmbäder) ist nur noch möglich, wenn man nachweisen kann, dass man geimpft oder genesen ist. Ebenso dürfen Ungeimpfte nicht mehr an Proben von Musik- oder Theatervereinen teilnehmen.

Eine Sonderregelung gibt es für Gottesdienste und religiöse Versammlungen. Daran dürfen auch weiterhin Ungeimpfte teilnehmen. Aber nur, wenn sie einen tagesaktuellen Test vorlegen.

Dass das Leben für Ungeimpfte unbequemer wird, verteidigt Hoch. „Die müssen mit den Einschränkungen leben.“ Auch etwa, wenn sie wegen der ebenfalls ab Mittwoch geltenden 3G-Regel in Bussen und Bahnen nicht mehr zum Einkaufen kämen, weil sie keinen Test vorzeigen könnten. „Dann ist das halt so“, sagt der Minister knallhart und verweist darauf, dass die Betroffenen die Nachbarn bitten müssten, für sie einkaufen zu gehen.

Auch der Präsident des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Gereon Haumann, hat kein Verständnis mehr für die Ungeimpften. „Wir wären heute nicht in dieser desaströsen Lage, wenn sich nicht so viele einfach verweigert hätten. Nun hat die Gesellschaft das Recht, Verantwortlichkeit und Gemeinsinn aktiv von denen einzufordern, die noch nicht geimpft sind, obwohl sie impffähig sind“, sagt Haumann. Die Geduld der schweigenden Mehrheit schwinde immer mehr.

Diese „schweigende Mehrheit“, also die Geimpften und Genesenen, nimmt Gesundheitsminister Hoch allerdings auch in die Pflicht. Es sei sehr sinnvoll, wenn diese sich regelmäßig testen ließen. So wie das in Pflegeheimen von Mittwoch an Pflicht sein wird. Dort müssen sich  nicht nur ungeimpfte, sondern auch geimpfte und genesene Mitarbeiter sowie Besucher täglich testen.