leserbriefe: Alles schon mal dagewesen

leserbriefe : Alles schon mal dagewesen

Zum Artikel „Ein Jahr lang dem Land dienen?“ (TV vom 6. August) schreiben Rolf Hansen und Gerlach Pfeiffer:

Eindeutig ja zu einem Sozialdienst, der auch die Wehrpflicht für junge Menschen mit einschließt. Zwei Dinge sollten wir in der laufenden Diskussion berücksichtigen, sofern sie vorher nicht „offiziell“ für beendet erklärt wird:

1. Wehrpflicht macht den Frieden sicherer! Unsere Volksvertreter werden es sich zweimal überlegen, ob sie ihre eigenen Söhne und Töchter in den Krieg schicken sollen oder eine Truppe von Leuten, die sich ja einen anderen Job hätten suchen können.

2. Im Augenblick besteht der Eindruck, als ob unser Staat, der für uns alle die Rahmenbedingungen geschaffen hat, von sehr vielen Leuten als Lustwiese, Dancefloor, Laufsteg, Raum für Selbstverwirklichung oder Abzockplattform genutzt wird. Sich hier persönlich einzubringen, zu integrieren und zurückzugeben verlangt mehr Respekt als die üblichen Lippenbekenntnisse und kann einer ganzen Generation ihr Selbstwertgefühl zurückgeben.

Rolf Hansen, Daun

Es ist seit einiger Zeit festzustellen, dass das Thema Militarisierung zunehmend an Fahrt gewinnt. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg sollten auch die Mädchen zu einer Dienstpflicht herangezogen werden – die Jungen waren ja schon im Militärdienst eingebunden. Im NS-Staat war dieser Gedanke prädestiniert.

Bereits 1934 wurde die Organisation eines „Reichsarbeitsdienstes (RAD)“ ausgearbeitet und 1935 in Kraft gesetzt: „Alle jungen Deutschen beiderlei Geschlechts sind verpflichtet, ihrem Volk im RAD Dienst zu leisten.“ Zunächst für Jungen sechs Wochen, und ab 1939 auch für Mädchen. „RAD ist Ehrendienst am deutschen Volke“. Was waren viele junge Leute stolz, zum Beispiel bald zum Obergruppenführer oder zur Maidenoberführerin aufzusteigen! Dieser RAD war eine hervorragende Vorstufe für mögliche Dienste in einem möglichen Krieg.

Stehen wir auch heute wieder da?

Die Bundeswehr wird bevorzugt für Auslandseinsätze ausgerüstet und trainiert. Heute sind Bundeswehreinheiten in 14 ausländischen Staaten aktiv. Aufgrund der Weisung der USA sind sie nun sogar in den baltischen Staaten mit dem besten (noch) einsetzbaren Kriegsgerät direkt an der russischen Grenze stationiert.

Ziel der USA ist möglicherweise, dass weit außerhalb ihres direkten Herrschaftsbereichs zunächst eine Gefahr provoziert und später ein Krieg stattfinden soll, oder? Siehe Korea, Vietnam, Syrien und andere Länder.

Ohne die USA und die Nato wäre Deutschland (und auch Europa) mit Russland nach meiner Meinung in einem guten und normalen Nachbarschaftsverhältnis (Russland hat noch nie Deutschland angegriffen!). Sind die nicht in der Nato integrierten Staaten Europas wie Finnland, Schweiz, Österreich jemals von Russland überfallen worden?

Dann der Hinweis auf die „bösen Russen“, da sie doch die Krim und einen (früher immer russischen) Teil der Ukraine „besetzt“ hätten. Als wenn nicht vergleichbar die USA Deutschland seit zig Jahren quasi „besetzt“ halten.

Oder Israel, das seit Jahrzehnten Teile des Libanon, Syriens, Jordaniens und der palästinensischen Gebiete „besetzt“ hält und entgegen zahlreicher Verurteilungen durch die UN die palästinensischen Ostgebiete „völkerrechtswidrig“ ausbeutet und Tausende jüdische Siedlungen rechtswidrig auf diesem fremden Staatsgebiet baut. Darf Deutschland dann nicht auch Schlesien und Ostpreußen auf gleiche Weise „wiedergewinnen“?

Übrigens: Deutschland hat seit über 200 Jahren keine Reichswehr/Wehrmacht/Bundeswehr gebraucht. Oder meinen Sie, das Militär wäre 1864, 1913, 1919, 1938, 1945, 2000 oder 2018 notwendig gewesen?

Wäre es nicht besser gewesen, die Deutschen hätten 1870, 1913 oder 1938 die verdammten Militaristen liquidiert?! Und heute?

Gerlach Pfeiffer, Kirchweiler

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