Beim Infarkt im Hirn kommt es auf jede Minute an

Kostenpflichtiger Inhalt: Trier : Beim Infarkt im Hirn kommt es auf jede Minute an

Jedes Jahr erleiden über  15 000 Menschen in Rheinland-Pfalz einen Schlaganfall. Betroffen sind auch Jüngere.

„Der Schlaganfall ist – weltweit gesehen – unter allen Erkrankungen die Hauptursache für ein Leben mit Behinderung.“ Das sagt der Chefneurologe des Trierer Brüderkrankenhaus, Matthias Maschke.

Im vergangenen Jahr haben mehr als 15 000 Menschen in Rheinland-Pfalz einen Schlaganfall erlitten. Allein in Trier und im Kreis Trier-Saarburg wurden laut Maschke rund 1100 Patienten deswegen behandelt.  Bundesweit sind jedes Jahr knapp 270 000 Menschen betroffen, rund 200 000 davon sind erstmalige Schlaganfälle.

Anders wie oft vermutet, trifft es aber nicht nur Ältere. auch junge,  Menschen ohne Vorerkrankungen können Maschke zufolge einen Schlaganfall bekommen. Oft gebe es dafür auch keine Vorzeichen. „Der kommt dann aus heiterem Himmel.“ Allerdings könne man das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, minimieren. Etwa in dem man sich gesund ernährt, sich bewegt, nicht raucht.

Die Folgen eines Schlaganfalls können gravierend sein. DurchDurchblutungsstörungen im Gehirn, wird dieses nicht ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, Hirnzellen sterben ab. Es kann zu Lähmungen und Störungen kommen. Oft sind diese nicht mehr rückgängig zu machen.

„Time is brain“, sagt Maschke. Zeit ist Gehirn. Mit anderen Worten:  Je schneller ein Schlaganfallpatient behandelt wird, desto größer ist die Chance, dass er den Hirninfarkt ohne größere Folgen, etwa Lähmungen oder Sprachstörungen, übersteht.

Mittlerweile stehen die Chancen, dass auch ältere Menschen  Schlaganfälle durch rechtzeitige Behandlung folgenlos überstehen, gut. Bis zu 24 Stunden nach einem Schlaganfall kann ein Eingriff noch erfolgreich sein. Wenn nämlich das Blutgerinsel, der sogenannte Thrombus, operativ aus einem Blutgefäß entfernt wird.

Bei der sogenannten Thrombektomie wird ein Katheter, an dem ein Ballon angebracht ist, in das Gefäß eingeführt und dann quasi aufgepumpt, um das Gerinsel so aufzulösen. Solche Behandlungen können jedoch nur in Spezialzentren erfolgen – etwa im Trierer  Brüderkrankenhaus.

Maschke bezeichnet die Versorgung für Schlaganfall-Patienten in der Region als vergleichsweise gut. Sowohl in den Krankenhäusern in Daun, Bitburg als auch Wittlich gebe es sogenannte Stroke-Units. Das sind spezielle Abteilungen für die Behandlung von Schlaganfallpatienten. In Rheinland-Pfalz verfügen 22 Krankenhäuser über eine Stroke Unit. Sechs weitere Krankenhäuser verfügen über eine zentrale Stroke Unit mit Spezialisten für besonders schwere Schlaganfälle.

Stroke-Units verfügen über eine Intensivstation, Fachärzte für Neurologie und Innere Medizin. Es muss ein Computer- oder Kernspintomograph vorhanden sein. Außerdem muss die Möglichkeit bestehen, dass die Patienten so schnell wie möglich eine Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie erhalten, um ihre körperlichen und sprachlichen Funktionen so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Ärzte in kleineren Krankenhäusern werden bei Schlaganfallpatienten über das sogenannte Telestroke-Netzwerk unterstützt. In den sechs überregionalen Schlaganfalleinheiten – neben dem Brüderkrankenhaus sind das die Uniklinik Mainz, das Westpfalz-Klinikum, das Katholische Klinikum Koblenz-Montabaur, das Klinikum Idar-Oberstein und das Klinikum Ludwigshafen – stehen rund um die Uhr Experten für Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall, die in den übrigen Stroke Units des Landes behandelt werden, zur Verfügung. Der diensthabende Schlaganfallexperte wird in der Notaufnahme der kleineren Klinik über eine Videokonferenz zugeschaltet und kann den Patienten zusammen mit dem Arzt vor Ort untersuchen und über die weitere Behandlung entscheiden.

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