Nahverkehr : Busunternehmen der Region: Die Suche auf einem leer gefegten Markt

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Wie Busunternehmen in der Region neue Fahrer finden wollen.

„Nächste Haltestelle Traumberuf“, so wirbt das Unternehmen Rhenus Veniro um neue Busfahrer. Anfang des Monats hat der Konzern, zu dem unter anderem auch die Moselbahn, die für den Linienverkehr entlang der Mosel zuständig ist, zu einem Tag des offenen Busses auf der Fahrtrainingsanlage in Koblenz eingeladen. Als „Highlight“ wurden  Fahrten mit einem Linienbus angeboten: „Hier dürfen potenzielle Bewerber selbst ans Steuer und unter fachkundiger Anleitung eine Runde drehen.“ Unter dem Motto „Top-Job beim Top-Arbeitgeber“ werben die Trierer Stadtwerke um neue Busfahrer. Und das offenbar mit Erfolg, wie ein Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. 20 zusätzliche Busfahrer habe man in den vergangenen Wochen eingestellt. Und zusätzlich bilde man erstmals wieder zur „Fachkraft im Fahrdienst“ aus. Neben dem Busfahren lernten die Bewerber auch die Abläufe und Aufgaben in Verwaltung und Werkstatt, in der Leitstelle und im Stadtbus-Center kennen.

Es sind nicht die einzigen Unternehmen in der Region, die Busfahrer suchen. Auch die City Tour Trier GmbH ist auf der Suche, wie aus einer Anzeige im Internet hervorgeht. Das Tochterunternehmen des luxemburgischen Busunternehmens Emile Weber wird ab Dezember für zehn Jahre lang den Linienverkehr in der Südeifel übernehmen. 75 Mitarbeiter und 42 „moderne Busse“ sollen dann zum Einsatz kommen, wie es in der Anzeige heißt.

Durch die vom Land gewollte Neugestaltung des öffentlichen Nahverkehrs im nördlichen Rheinland-Pfalz und damit auch in der Region Trier mit stündlich fahrenden Linienbussen auch am Wochenende habe der Bedarf an Busfahrern weiter zugenommen, sagt Guido Borning, Geschäftsführer des Verbandes des Verkehrsgewerbes Rheinland in Koblenz. Der „Riesenmangel“ habe sich dadurch noch weiter zugespitzt. Es gebe kaum noch Busfahrer, der Markt sei „leer gefegt“.

Das liege zum einen an den gestiegenen Anforderungen an die Ausbildung, auch an den Kosten von bis zu 10 000 Euro für den Busfahrerführerschein. „Der Mangel an Busfahrern kann dazu führen, dass Busse und Linien gänzlich ausfallen“, warnt Barbara Schwarz, Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT).  Sie nennt einen weiteren Grund für den Mangel „Früher hat die Branche auf ausgebildete Kraftfahrer der Bundeswehr zurückgreifen können, mit Wegfall der Wehrpflicht ist diese Quelle aber versiegt.“

Nicht vergessen dürfe man auch die „miese“ Bezahlung der Busfahrer, mahnt Dennis Dacke, Sprecher der Gewerkschaft Verdi in Rheinland-Pfalz. Zwischen 1941 und 2259 Euro liegt das Brutto-Einstiegsgehalt eines Linienbusfahrers. Hinzu kommen noch Zulagen. Außerdem seien gerade bei privaten Unternehmen die Arbeitszeiten nicht optimal, sagt Dacke. Es sei nicht selten, dass Fahrer morgens drei Stunden fahren müssten, dann wieder bis zum Mittag frei hätten, um dann wieder drei Stunden zu fahren und danach abends wieder. Die Standzeiten würden aber nicht bezahlt. „Wer will unter diesen Voraussetzungen noch Busfahrer werden?“ fragt der Gewerkschafter.

Die Konsequenz: „Es werden vermehrt Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden müssen“, sagt VRT-Chefin Schwarz. Für ausländische  Busfahrer gebe es hierzulande aber hohe Hürden, sagt Borning. So müsse die Prüfung zum Berufskraftfahrer auf Deutsch abgelegt werden. In anderen Ländern könne die auch in verschiedenen Sprachen abgelegt werden. Das führe dazu, dass top- ausgebildete Busfahrer nicht bei deutschen Unternehmen fahren könnten, weil sie an der Prüfung scheiterten. Borning fordert daher die Unterstützung des Landes bei der Suche nach neuen Busfahrern. Schließlich wolle das Land die Ausweitung des Nahverkehrs.

Im Verkehrsministerium verweist man auf die 500 Millionen Euro, mit denen das Land den Nahverkehr jährlich unterstütze. Man sehe den Bedarf an Busfahrern. Fachkräftemangel sei aber ein grundsätzliches Problem. Es betreffe nicht nur die Busfahrer, sagt eine Sprecherin und verweist auf die Fachkräftestrategie des Landes. Diese bestehe „aus vielen, sehr konkreten branchenübergreifenden Maßnahmen“.

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