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Interview : „Das Land hat nicht zu spät reagiert“

Interview : „Das Land hat nicht zu spät reagiert“

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin äußert sich zum Umgang mit der Corona-Ausbreitung.

() Auch die rheinland-pfälzische Landesregierung ist wegen der Ausbreitung des Coronavirus im Krisenmodus. Vorsorglich wurde gestern auch das diesjährige Landesfest, der Rheinland-Pfalz-Tag, Ende Juni  in Andernach (Kreis Mayen-Koblenz) von der Staatskanzlei abgesagt. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 könne „ein Fest dieser Größenordnung nicht entsprechend vorbereitet werden“. Es seien in den kommenden Wochen sämtliche Kräfte in der Stadt und im Kreis gebunden.

Fast alles dreht sich bei der Landesregierung derzeit um das Virus. Täglich veröffentlicht das Gesundheitsministerium einen Lagebericht zur Situation im Land. Wie sich diese darstellt und wie die Landesregierung auf die Coronaepidemie reagiert, darüber sprach unserer Redakteur mit der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD).

Hat die Landesregierung zu spät auf die da schon befürchtete Ausweitung des Virus reagiert?

SABINE BÄTZING-LICHTENTHÄLER Nein. Die nach wie vor im Vergleich niedrigen Fallzahlen sind ein Beleg dafür. Ziel aller infektionshygienischen Maßnahmen ist es derzeit, die Ausbreitung der Infektionen von Corona zu verlangsamen.

Es gibt ja unterschiedliche Bewertungen, was die Gefährlichkeit des Virus angeht. Wie ist Ihre Einschätzung?

BÄTZING-LICHTENTHÄLER Für uns ist die fachliche Einschätzung der Gefährlichkeit des Virus für Deutschland durch das Robert Koch-Institut maßgeblich.

Das Land hat lediglich empfohlen, Großveranstaltungen abzusagen, legt die Verantwortung also in die Hände der örtlichen Gesundheits- und Ordnungsämter. Warum nicht wie in Bayern ein generelles Verbot der Veranstaltungen? Entsteht so nicht innerhalb des Landes ein Flickenteppich? An manchen Orten werden Veranstaltungen abgesagt, an anderen nicht.

BÄTZING-LICHTENTHÄLER Das Land Rheinland-Pfalz hat sich wie das Nachbarland Hessen entschieden, eine Empfehlung auszusprechen, dass Veranstaltungen in einem geschlossenen Raum, zu denen mehr als 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden, mindestens bis Ende April 2020 nicht stattfinden sollten. Es entsteht kein Flickenteppich; vielmehr orientiert sich der Infektionsschutz maßgeblich an den lokalen Gegebenheiten.

Auch flächendeckende Schulschließungen lehnt die Landesregierung derzeit ab. Warum?

BÄTZING-LICHTENTHÄLER Flächendeckende Schulschließungen sind nach Ansicht der Landesregierung zurzeit nicht erforderlich. Diese gibt es auch in keinem anderen Bundesland. Auch das Bundesgesundheitsministerium unterstützt diese Auffassung. Schulschließungen stellen nach wie vor eine infektionshygienische Maßnahme im Ermessen des jeweiligen Gesundheitsamtes dar. Die Gesundheitsämter entscheiden im Einzelfall, welche Maßnahmen medizinisch notwendig sind, wenn an einer Schule ein bestätigter Corona-Fall aufgetreten ist.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler wird heute von 17.30 Uhr bis 19 Uhr Fragen der TV-Leser zum Thema Corona beantworten. Die Telefonnummer unter der Sie die Ministerin erreichen können: 0651/7199-195.