Eifelerin will nach dem Studium als Ärztin zurück aufs Land

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Junge Ärzte peilen meist an, in den großen Metropolen zu arbeiten. Berlin, Hamburg, München, das klingt cool, das hört sich schon nach der großen, weiten Welt an. Daun oder Kelberg heißen dagegen die Orte, in denen Vivien Schmitz in ihrem Leben Patienten betreuen will.

„Wenn ich mein Studium abgeschlossen habe, kehre ich aufs Land zurück“, sagt die Vulkaneifelerin.

Für die 25-Jährige, die in Niederehe aufgewachsen ist, kam nie was anderes als die Rückkehr in die Vulkaneifel infrage. „Ich lebe gerne in der Eifel, es ist dort landschaftlich schön, der Freizeitwert ist hoch, ein Haus mit Grundstück lässt sich dort noch verwirklichen“, sagt Schmitz, die Medizin im zehnten Semester an der Uni in Mainz studiert.

Die Geschichte der Vulkaneifelerin ist eine Seltenheit. Denn die medizinische Versorgung auf dem Land droht auch deshalb auszubluten, weil es immer weniger junge Mediziner in die Dörfer zieht.

An der Uni herrschten Vorurteile, berichtet Schmitz. „Hausärzte auf dem Land haben da oft den Ruf, alte Männer zu sein, die alleine in ihrer Praxis sitzen und sich seit Jahren nicht mehr mit der neuesten Medizin auseinandersetzen.“ Sie findet das ungerecht. „Es ist klischeehaft, weil auch in der Eifel gute Arbeit geleistet wird“, echauffiert sich Schmitz.

Um mehr junge Studenten als Landarzt zu locken, setzt die Landesregierung künftig auf eine Quote. Die Idee dahinter: Wer sich verpflichtet, nach seinem Studium mindestens zehn Jahre lang als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten, braucht nicht unbedingt ein Abitur von 1,0, um einen Studienplatz zu bekommen. 16 bis 17 Studenten sollen über den Weg ab dem Wintersemester 2020/21 ins Studium starten. Wer den Vertrag mit dem Land bricht, dem droht eine Strafe von 250 000 Euro. Das Modell stößt auf Kritik.

Burkhard Zwerenz, Landeschef des Hausärzteverbandes, reichen Zeit und Umfang nicht: „Wir reden von etwas mehr als einem Dutzend junger Studenten, die frühestens 2030 als Ärzte arbeiten. Das ist zu wenig.“

Ähnlich argumentiert die Kassenärztliche Vereinigung im Land, die noch andere Schwächen wittert. Von keinem jungen Menschen könne verlangt werden, sich vor Beginn des Studiums auf so viele Jahre festzulegen. Ihnen sollte „die Freiheit gelassen werden, Lebenspartnerschaften einzugehen, ohne an konkrete Regionen gebunden zu sein“, sagt ein Sprecher.

Die Strafgebühr von 250 000 Euro mache das Medizinstudium käuflich. Reiche Eltern könnten Studenten problemlos aus dem Vertrag mit dem Land rauskaufen, beklagen die Kassenärzte.

Gerade Vivien Schmitz, die als Ärztin auf dem Land arbeiten will, stört sich an der Quote. Bei einem Uni-Aufenthalt in Ungarn habe sie Studenten kennengelernt, die sich gegenüber Sachsen verpflichtet hätten, als spätere Landärzte zu arbeiten. Die Realität: „Von 20 Leuten schafft nicht jeder das Studium, am Ende bleiben vielleicht zwei, drei Landärzte über. Viele kaufen sich raus, weil sie in eine andere Fachrichtung wollen oder sich verliebt haben.“ Die Vulkaneifelerin wirbt eher dafür, Studenten Anreize zu schaffen, die sie fürs Land begeistern. Wie mehr Lehrkrankenhäuser, an denen angehende Ärzte arbeiten können. Wichtig sei auch, dass die örtlichen Wurzeln zu den Medizinstudenten in Rheinland-Pfalz und den anderen Bundesländern nicht abreißen. Bei Vivien Schmitz, die für die CDU auch im Vulkaneifeler Kreistag sitzt und noch viele Freunde hat, ist das geglückt. Und doch steht sie auch für den Wandel künftiger Ärzte auf dem Land. „Ich will später keine Einzelpraxis führen, sondern im Team arbeiten“, sagt die 25-Jährige. „Familie und Beruf lassen sich da besser vereinbaren.“

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